Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Unfall Walter Mayer in Paternion (Bild: APA - Eggenberger)
AMOKFAHRT
Biathlon-Trainer raste in Polizeisperre
Der österreichische Biathlon-Trainer Walter Mayer, gegen den die italienischen Behörden wegen Dopingverdachts ermitteln, ist am Sonntagabend bei Paternion in eine Polizeisperre gerast. Zwei Fahrzeuge wurden total beschädigt.
Losgerast und Polizist verletzt
Der 48-jährige Salzburger hatte Sonntagabend in Feistritz/Drau (Bezirk Villach/Land) bei laufendem Motor und eingeschalteten Scheinwerfern in seinem Auto geschlafen, weshalb Anrainer die Polizei informierten.

Die alarmierten Beamten klopften an die Scheibe des Wagens, der Lenker habe aber "keinerlei Reaktionen" gezeigt, weshalb die Polizisten die Wagentüre öffneten. "Starker Alkoholgeruch" strömte den Beamten entgegen.

Plötzlich startete der Salzburger den Wagen, versetzte dem Beamten einen kräftigen Stoß und raste mit offener Wagentüre davon. Die Türe des Wagens krachte gegen einen Baum, Mayer fuhr über ein Bankett und einen Gehsteig zur Landesstraße und flüchtete richtung Paternion. Das Licht hatte er zuvor ausgeschaltet.
Unfall Walter Mayer in Paternion (Bild: APA - Eggenberger)
Die Szenen könnten aus einem Action-Krimi stammen: Mayer raste mit rund 60 km/h in das quergestellte Polizeifahrzeug.
Ungebremst in Polizeiauto gerast
Die Beamten nahmen mit Blaulicht und Folgetonhorn die Verfolgung auf und ersuchten die umliegenden Dienststellen um Hilfe. Kollegen der Polizeiinspektion Paternion errichteten an der Ortseinfahrt eine Straßensperre mit quer gestellten Fahrzeugen.

Walter Mayer ließ sich dadurch allerdings nicht beeindrucken, sagte Ernst Fojan von der Kriminalabteilung Bezirk Villach Land:
"Bei dieser Straßensperre haben Beamte der Polizeiinspektion Paternion zwei Dienstfahrzeuge mit eingeschaltetem Blaulicht quergestellt. Zusätzlich haben die Beamten mit Rotlicht deutliche Haltzeichen gegeben. Der flüchtige Lenker ist dann mit unverminderter Geschwindigkeit - laut Aussage der Beamten mit 50 bis 60 km/h - in die Straßensperre gerast."
Beamte konnten sich durch Sprünge retten
Zwei Beamte konnten sich durch Sprünge auf die Seite noch rechtzeitig in Sicherheit bringen, ehe es zum Aufprall kam.

Bei der Kollision wurden das Auto Mayers und ein Polizeifahrzeug total zerstört, ein weiteres Polizeiauto wurde beschädigt. Mayer wurde nach Angaben der Beamten am Kopf leicht verletzt, in den Polizeifahrzeugen hatte sich niemand befunden.
Walter Mayer nach Amokfahrt in Paternion (Bild: APA - Eggenberger) Mayer wurde in Gewahrsam genommen
Mayer wurde nach dem Unfall vorläufig in Polizeigewahrsam genommen. Spekulationen, wonach die Polizei den Trainer auf Grund eines angeblichen Haftbefehls der italienischen Justiz gesucht und festgenommen hätte, wurden von der Exekutive allerdings als "haltlos" bezeichnet. Es habe sich um einen "ganz normalen Routinevorgang" gehandelt, hieß es auf Anfrage der APA.

Gegen 22.30 Uhr wurde Mayer wieder freigelassen und mit einem Zivilfahrzeug der Polizei weggebracht - man vermutet, der Trainer ist nach Salzburg unterwegs.

Den Alkotest, den die Beamten der Polizeiinspektion Paternion beim Biathlon-Trainer vornehmen wollten, hatte dieser verweigert. Der Führerschein wurde dem 48 Jahre alten Salzburger daher vorläufig abgenommen.
Widerstand gegen die Staatsgewalt
Mayer, dessen Anwesenheit bei den Olympischen Winterspielen in Turin in der Nacht auf Sonntag eine Razzia im Quartier der österreichischen Langläufer und Biathleten ausgelöst hat, wird laut Staatsanwaltschaft Klagenfurt auf freiem Fuß angezeigt werden.

Er muss sich unter anderem wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt verantworten, zudem gilt er nach der Verweigerung des Alkotests als Autolenker mit mindestens 1,6 Promille Alkohol im Blut. Ihn erwartet nun ein Strafverfahren, die Höchststrafe beträgt drei Jahre Freiheitsentzug.
Unfall Walter Mayer in Paternion (Bild: APA - Eggenberger)
Das Auto, mit dem der Trainer in die Polizeisperre raste, hat nur mehr Schrottwert.
Noch in der Nacht vom ÖSV fristlos gekündigt
Nach Bekanntwerden des Unfalls erklärte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel bereits kurz nach 22.00 Uhr in Sestriere, dass Mayer als sportlicher Leiter für Langlauf und Biathlon fristlos gekündigt worden sei.
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