Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Verschwundener Gemeinderat (Bild: Stadtzeitung - Eggenberger)
Kurioser Prozess
Wegretuschiert - Gemeinderat klagt Zeitung
Ein kurioser Prozess findet am Mittwoch am Landesgericht Klagenfurt statt. Der grüne Gemeinderat Matthias Köchl klagt die Stadt Klagenfurt, weil er von einem Gruppenfoto in der Stadtzeitung wegretuschiert worden war.
Köchl vermutet politische Beweggründe
Der grüne Stadtparteiobmann Matthias Köchl war aus dem umstrittenen Foto, das im Jänner erschienen war, wegretuschiert worden. Nur seine Schuhe waren auf dem Foto, das eine Sportlerehrung der Stadt Klagenfurt zeigt, noch zu erkennen.

Bereits damals hatten die Grünen zwei Anwälte auf den Fall angesetzt, die den Fall prüfen sollen. Man wolle eine "Bild-Gegendarstellung" verlangen, sagte Köchl. Er orte "politische Beweggründe" hinter der Manipulation. Am Mittwoch kommt es jetzt wegen der Bildmanipulation zu einem Prozess in Klagenfurt.
Manipuliertes Bild ohne Köchl (Grüne) (Bild: Magistrat Klagenfurt/ Eggenberger)
Die erfolgreichen Athleten hocken in der ersten Reihe, dahinter Bürgermeister Harald Scheucher (ÖVP) und die Stadträte Christian Scheider (FPÖ), Dieter Jandl (ÖVP) und Vzbgm. Ewald Wiedenbauer (SPÖ).
Köchl: "Bin in Ungnade gefallen"
Das Bild scheint jedoch aus dem Gleichgewicht geraten zu sein, denn am linken Rand klafft eine Lücke. Dort stand der Stadtparteiobmann - Köchl wurde wegretuschiert. "Wohl eine politische Strafaktion des Bürgermeisters", vermutet er. Denn seit er den Rücktritt Scheuchers gefordert habe, sei er in Ungnade gefallen, so Köchl.
Allein, was bleibt?
Manipuliertes Bild im Detail (Bild: Magistrat Klagenfurt/ Eggenberger)
Der Beweis: Zwischen den Beinen der beiden links hockenden Sportler ist noch der Fuß des Parteiobmanns zu sehen. Er wurde bei der Retusche übersehen.
"Nach dem Schema der DDR"
Es sei bezeichnend für den politischen Stil in Klagenfurt, dass man "nach dem Schema der DDR" einfach die Opposition vom Foto entfernt. Köchl meinte, das sei auch nicht zum ersten Mal vorgekommen.
Mathias Köchl (Bild: Magistrat Klagenfurt)"Es wird argumentiert, dass wir Grünen gegen jegliche Sportveranstaltung seien. Das stimmt nicht: Natürlich sind wir zum Beispiel für die Leichtathletik und es hat mich auch sehr gefreut, dass ich die Möglichkeit hatte, die Ehrungen zu überreichen. Zur Verleihung sollten alle Stadtsenatsmitglieder und Mitglieder des Gemeinderates auf die Bühne kommen. Und ich bin schließlich stellvertretendes Mitglied des Stadtsenates für die Kollegin Wulz. Dass man sich so vor uns und speziell meiner Person fürchtet, entlockt mir schon ein leichtes Schmunzeln."
Magistratspressedienst: "Keine Weisung"
Vom Bürgermeister gab es bisher keine Stellungnahme zur Manipulation des Bildes. Von Scheuchers Büro wurde aber ausgeschlossen, dass es sich um eine Weisung des Stadtoberhauptes gehandelt habe.

Auch die Leiterin des Magistratspressedienstes, Veronika Meissnitzer, weist solche Vermutungen Köchls zurück:
"Das ist eine Entscheidung der Redaktion der Klagenfurt-Zeitung. Es hat keinen Auftrag gegeben. Es wurde damals der Stadtsenat aufs Foto gebeten, der auch die Ehrung vorgenommen hat. Gemeinderat Köchl ist ebenfalls zum Foto gekommen, obwohl er nicht aufgerufen war. Der gesamte Sportausschuss des Gemeinderates war anwesend und ist ebenfalls nicht auf dem Bild. Es wäre eine Ungerechtigkeit gewesen, ein Nichtmitglied draufzulassen."
Die Retusche Köchls sei auch kein Einzelfall, sagte Meissnitzer. Es könne durchaus vorkommen, dass Politiker aus Fotos herausretuschiert werden. Dies könne alle Parteien betreffen und sei niemals politisch motiviert.
Manipulation hat Tradition in der Politik
Die Manipulation von Fotos für politische Zwecke - die hier laut Meissnitzer nicht vorliegt und auch nicht gewollt war - hat übrigens eine lange Tradition. Ihre Bandbreite reicht von Schönheitsretuschen bis zu Geschichtsfälschungen.

Als eher lächerlich wurde von der Öffentlichkeit zuletzt die Aufregung um ein Foto der damaligen deutschen Kanzlerkandidatin Angela Merkel aufgenommen, auf dem der winkenden Merkel bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth Schweißflecken unter der Achsel wegretuschiert worden waren.

Als Geschichtsfälschungen hingegen gelten etwa Bilderserien von Parteitagen kommunistischer Diktaturen, als in Ungnade gefallene Politiker wie Trotzki, Dubcek und die Viererbande ausradiert wurden. "Fotos die lügen", heißt ein Bildband darüber. Untertitel: Politik mit gefälschten Bildern.
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