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MI | 11.04.2012
Milivoj Asner (Bild: AP/Gert Eggenberger)
CHRONIK
Asner in Klagenfurt gestorben
Der Kroate Milivoj Asner ist mit 98 Jahren in Klagenfurt gestorben. Er galt als einer der weltweit meistgesuchten Nazi-Kriegsverbrecher. Asner hatte die Vorwürfe stets bestritten und war von Österreich nie ausgeliefert worden.
Asner soll als Ustascha-Polizeichef für die Ermordung Hunderter verantwortlich gewesen sein.
Vorwurf von Gräueltaten und Massenmorden
Asner starb am 14. Juni in einem Klagenfurter Caritas-Pflegeheim eines natürlichen Todes. Die Verabschiedung fand am Freitag im engsten Familienkreis statt.

Der 1913 geborene Kroate soll als ehemaliger Ustascha-Polizeichef in der kroatischen Stadt Pozega zwischen Mai 1941 und Februar 1942 für die Deportation und Ermordung Hunderter Serben, Juden sowie Sinti und Roma verantwortlich gewesen sein. Die Vorwürfe stützen sich auf ein Dossier des kroatischen Historikers Alen Budaj und Dutzende Zeugen.
Die Ustascha
Die 1929 von Ante Pavelic gegründete Ustascha-Bewegung herschte in Kroatien von 1941 bis 1945 als Handlangerin des deutschen Nazi-Regimes.
2005 erneut von Kroatien nach Österreich geflüchtet.
Als "Georg Aschner" in Klagenfurt gelebt
Asner war gleich nach dem Krieg nach Österreich geflüchtet, wo er bereits ein Jahr später die Staatsbürgerschaft erhielt. Nachdem Kroatien ein eigener Staat wurde, kehrte Asner 1991 in seine Heimat zurück. 2005 wurde er allerdings in Kroatien wegen Kriegsverbrechen angeklagt, woraufhin er wieder nach Österreich flüchtete.

Er lebte unter dem Namen Georg Aschner unbehelligt in Klagenfurt. Er stand als letzter Österreicher auf der Liste der zehn meistgesuchten Nazi-Kriegsverbrecher des Simon-Wiesenthal-Zentrums, obwohl sein Wohnsitz in den letzten Jahren allen offiziellen Stellen bekannt war.
Auslieferung scheiterte an Asners Gesundheitszustand.
Laut Gutachten "verhandlungsunfähig"
In Österreich wurde im Jahr 2004 gegen Asner ein Inlandsverfahren wegen des Verdachts des Völkermordes eingeleitet, 2005 erfolgte ein Auslieferungsantrag Kroatiens. Zunächst wurde die Auslieferung verweigert, weil "Georg Aschner" angab, österreichischer Staatsbürger zu sein. Er später stellte man fest, dass er diese wieder verloren hatte, weil er Anfang der 1990er Jahre die kroatische angenommen hatte.

Ein zweiter Anlauf scheiterte am schlechten Gesundheitszustand Asners. Österreich lieferte den in Kärnten lebenden Asner nicht an Kroatien aus, weil ihm mehrere Gutachten - zuletzt im April 2009 - Vernehmungsunfähigkeit wegen Demenz attestieren. Man hätte das Verfahren schon vor Jahrzehnten führen können, viele Archive mit Kriegsakten seien jedoch erst in den späten 90er Jahren geöffnet worden, hieß es seitens der Justiz.
Journalist beschrieb Asner als rüstig und geistig klar.
2008 von Reporter aufgespürt
Ein Bericht des britischen Boulevardblatts "The Sun" ließen diese Gutachten jedoch in einem schlechten Licht erscheinen. 2008 spürte ein Reporter der "Sun" Asner während der Fußball-EM 2008 bei einem Gang über die Klagenfurter Fanmeile auf.

Der Journalist beschrieb Asner als rüstig und geistig klar. Laut dem Reporter soll er sich auch zu einer Aussage vor Gericht bereit erklärt haben. Zu einem Prozess kam es dennoch nie.
Haider stellte sich hinter Asner
Nachdem der Fall 2008 erneut ins Rollen gekommen war, bezog der damalige Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider für den damals 95-jährigen Asner Stellung. "Er soll seinen Lebensabend bei uns verbringen dürfen. Er ist seit Jahren ein Klagenfurter Bürger, der friedlich bei uns lebt. Das ist eine nette Familie. Wir schätzen diese Familie sehr", so Haider damals.
Asner bestritt stets alle Vorwürfe
Bis zu seinem Tod bestritt Asner sämtliche Vorwürfe. In einem ORF-Radiointerview sagte er zu den Vorwürfen gegen ihn: "Das ist eine kommunistische Intrige. Ich bin 40, 50 Jahre in Österreich - warum haben sie bis jetzt nichts gefunden? Es ist alles erlogen."
Österreichische Justiz habe im Fall Asner versagt.
Scharfe Kritik vom Wiesenthal-Zentrum
Das Simon-Wiesenthal-Zentrum übte am Montag scharfe Kritik am Umgang Österreichs mit dem Fall Asner. Der Fall "bestätigt das völlige Versagen der österreichischen Justizbehörden, sich der Frage der Nazi-Kriegsverbrechen in den vergangenen drei Jahrzehnten angemessen anzunehmen", sagte der Leiter des Jerusalemer Wiesenthal-Zentrums, Efraim Zuroff, am Montag gegenüber der APA.

"Österreich ist ein Paradies für Nazis. Der Fall Asner beweist dies aufs Neue", bekräftigte Zuroff frühere Aussagen. In Kroatien sei bereits 2005 ein Strafverfahren gegen Asner eingeleitet worden sei. Durch das "fehlerhafte Verhalten" der österreichischen Justiz, die "wohlwollende Ärzte" mit der Erstellung von Gerichtsgutachten betraut habe, sei Asner der Gerechtigkeit entkommen.
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