Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Modell des Mahnmals für Nazi-Opfer im Oberen Drautal (Bild: ORF)
KULTUR
Mahnmal für Nazi-Opfer im Oberen Drautal
Ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus plant der Verein "kuland" im Oberen Drautal. Das 20 Meter lange und begehbare Denkmal wird von dem Bildhauer Hans-Peter Profunser gestaltet. Am Montag wurde das Projekt vorgestellt.
Einzelschicksale im Mittelpunkt
Von 37 Opfern des Nationalsozialismus im Oberen Drautal, darunter Zwangsarbeiter, Befehlsverweigerer und Widerstandskämpfer, hat der Verein "kuland" bisher die Lebensgeschichten erforscht.

So zum Beispiel jene von Stefan Hassler: Der Freiheitskämpfer wurde als Partisane am 11. November 1944 mitten im Ortszentrum von Dellach im Drautal erschossen, seine Angehörigen als "Räubersfamilie" verunglimpft und in Konzentrationslager deportiert.
Peter Pirker vom Verein "kuland" (Bild: ORF)
Auch Würde der Opfer soll wiederhergestellt werden.
Ziel: Historisches Gedächtnis verändern
Peter Pirker vom Verein "kuland" ist Historiker an der Universität Wien: "Uns ist bei den Forschungen sofort aufgefallen, dass es im Oberen Drautal keine Orte gibt, an denen dieser Personen gedacht wird. Die Nationalsozialisten haben vielmehr die Namen ausgelöscht. Wir wissen, dass ihnen in den Konzentrationslagern Nummern zugewiesen wurden. Nach 1945 wurden diese Menschen aus den Gedächtnissen verbannt."

Mit dem geplanten Denkmal für die NS-Opfer startet der Verein den Versuch, das historische Gedächtnis dauerhaft zu verändern, sagt Pirker: "Wir sehen das als einen Beitrag dazu an, die Würde der Opfer wiederherzustellen. Wir sehen das auch als einen späten Akt der Gerechtigkeit."
Gehege aus Eisenstäben mit Laden geplant
Modell des Mahnmals für Nazi-Opfer im Oberen Drautal (Bild: ORF)
Gestalten wird das Denkmal von Bildhauer Profunser. Er plant ein 20 Meter langes, begehbares Gehege aus Eisenstäben, in dessen Inneren sich 40 Laden zur Erinnerung an die Opfer befinden. Schriftsteller wie Alois Hotschnig, Egyd Gstättner, Janko Messner und Engelbert Obernosterer werden Texte zu ihnen verfassen.
Modell des Mahnmals für Nazi-Opfer im Oberen Drautal (Bild: ORF)
Hans-Peter Profunser (Bild: ORF)
Standortsuche im Oberen Drautal.
Profunser will mit Skulptur "wachrütteln"
Profunser hat mit einer Skulptur schon einmal für landesweites Aufsehen gesorgt: Sein umstrittenes Mahnmal gegen die Todesstrafe wurde 2007 in Großkirchheim zerstört, es steht nun vor der Pädagogischen Hochschule in Klagenfurt.

Das Denkmal für die NS-Opfer soll im Oberen Drautal errichtet werden. Wo genau, ist noch unklar. Profunser: "Wir sind auf ein bisschen Widerstand sicher eingestellt. Es ist uns aber ganz wichtig, dass man ganz klar darüber redet, dass das ein nationalsozialistisches Verbrechen ist, dem diese Menschen zum Opfer gefallen sind, und dass es keine Deutelei zwischen Opfer und Täter geben wird. Das muss unmissverständlich rüberkommen, und ich möchte das mit meiner Skulptur ganz radikal manifestieren."
Bausteinaktion soll Denkmal teilweise finanzieren.
Verein hofft auf finanzielle Unterstützung
Die Kosten des Denkmals sollen bei 50.000 Euro liegen. Die Hälfte davon ist mit Bundesmitteln finanziert. Der Verein "kuland" hofft auf weitere Unterstützung des Landes und der Drautaler Gemeinden und plant außerdem eine Bausteinaktion.

Auch wenn also hinter der Finanzierung und dem Standort noch Fragezeichen stehen: Bis Mai 2012 - so hofft der Verein – soll das Denkmal realisiert werden.
Ganz Österreich
Kärnten News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News