Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
SALZBURGER POLIZEI STELLTE IN KÄRNTEN 105 KILO KOKAIN SICHER (Bild: APA/Neumayr)
POLIZEI
105 Kilo Kokain von Polizei sichergestellt
Die Salzburger Polizei hat in Kärnten nicht weniger als 105 Kilogramm Kokain sichergestellt. Das Suchtgift hat einen Straßenverkaufswert von rund 80 Millionen Euro. Es ist die drittgrößte jemals sichergestellte Menge in Österreich.
Kokain im Learjet nach Europa geflogen
Das Rauschgift war im Learjet nach Europa geflogen worden, hätte in Slowenien zwischengelagert werden sollen und wäre vermutlich für den italienischen Markt bestimmt gewesen, sagte am Montag Christian Voggenberger vom Landeskriminalamt Salzburg bei einem Pressegespräch in Salzburg.
Polizei war Bande schon länger auf der Spur
Die kroatische Polizei ist der Bande, die große Mengen Kokain in Privatflugzeugen von der Karibik nach Europa transportiert, schon seit längerem auf der Spur. Die Täter suchten offenbar auf verschiedenen europäischen Flughafen Helfer, so auch in Salzburg.
Flughafenmitarbeiter dirigierte Flug um
Als für vorigen Dienstag ein Flug von den Bahamas über Nizza am Airport W.A.Mozart angemeldet wurde, teilte dieser Flughafenmitarbeiter den Kroaten mit, dass die Polizei offenbar Ermittlungen führe und er deshalb von einer Landung in Salzburg abrate.

Kurzfristig wurde der Jet daher nach Stuttgart umdirigiert. Dort entstiegen am Vormittag fünf Personen unkontrolliert der Maschine und fuhren mit zwei Limousinen und ihrem Gepäck in ein Hotel.
SALZBURGER POLIZEI STELLTE IN KÄRNTEN 105 KILO KOKAIN SICHER (Bild: APA/Neumayr)
Polizei beobachtete Dealer seit der Landung
Wenig später machten sie sich in zwei anderen Autos von Stuttgart auf den Weg nach Salzburg. Zu diesem Zeitpunkt wurden sie bereits von der Polizei observiert. Am Walserberg übernahm die österreichische Polizei die Überwachung und Verfolgung.

Wider Erwarten hielten die beiden Fahrzeuge aber nicht in Salzburg an. Kurz vor Slowenien wurden die österreichischen Behörden schließlich von ihren kroatischen Kollegen ersucht, noch vor der Grenze einzugreifen.
Kokain hätte in Italien verkauft werden sollen
Das Kokain wurde laut Voggenberger noch nicht im Detail analysiert, dürfte aber eine Reinheit von 85 bis 90 Prozent haben, so dass es etwa auf das Achtfache gestreckt werden kann.

Das ergäbe eine Verkaufsmenge von rund 800 Kilo, mit der man bei einem Straßenverkaufswert von etwa 100 Euro je Gramm in Summe rund 80 Millionen Euro einnehmen könnte.

"Österreich hat nicht den Markt für so große Mengen, denn da braucht man schon Zwischendealer, die zwei, drei Kilo abnehmen", so der Kriminalist. Nach seinen Informationen hätte das Kokain in einem Bunker in Slowenien gelagert und später in Italien verkauft werden sollen.
Komplize schlug Alarm, Polizei griff zu
Als dann das sogenannte Aviso-Auto, das rund zehn Kilometer vor dem anderen fuhr und in dem sich keine Drogen befanden, wegen einer Polizei-Streife Alarm schlug, fuhr der hintere Wagen bei St. Niklas an der Drau (Bezirk Villach-Land) von der Autobahn ab.

Da schlug die Polizei zu, stellte das in vier Koffern aufgeteilte Kokain sicher und nahm die zwei Insassen fest. Der 35-jährige Mann und die 34-jährige Frau, beide mit kroatisch-kanadischer Doppel-Staatsbürgerschaft, waren nicht bewaffnet und leisteten keinerlei Widerstand.
Die größten Kokainfunde in Österreich
SALZBURGER POLIZEI STELLTE IN KÄRNTEN 105 KILO KOKAIN SICHER (Bild: APA/Neumayr)Im Folgenden eine Übersicht über die größten Funde der Polizei:

April 2011: Kriminalisten der Salzburger Polizei stellen in Kärnten rund 105 Kilo Kokain sicher. Das Suchtgift ist in einem Auto in mehreren Koffern verstaut.

Jänner 2010: In einer Fabrikshalle in Stockerau (NÖ) werden 206 Kilo Kokain im Wert von rund 40 bis 50 Millionen Euro sichergestellt. Das Suchtgift war drei Wochen vorher in sieben Sporttaschen in der Frachtabteilung des Flughafens Wien in Schwechat gefunden worden. Kriminalisten observieren die Taschen, die schließlich nach Stockerau geliefert werden. Dort klicken für die Täter die Handschellen.

Jänner 2005: 140 Kilo Kokain werden in der Steiermark sichergestellt. Das Suchtgift hat einen Straßenverkaufswert von rund 100 Millionen Euro. Die Drogen wurden in einem Lagerhaus bei Graz zwischengelagert und sollten von dort verteilt werden.

November 2002: Auf dem Flughafen Schwechat werden 50 Kilo Kokain gefunden. Das Suchtgift befindet sich in einer Sendung mit Hydraulikzylindern, die von Kolumbien über Ungarn nach Italien gebracht werden sollte.

Februar 2001: Zollbeamte auf dem Flughafen Schwechat entdecken 45 Kilo Kokain in den Rollkoffern dreier Männer. Die Droge ist in Blöcken versteckt, die mit Bekleidung und Frischhaltefolie umschlossenen sind.

Februar 1998: 33 Kilo Kokain werden - in Kaffeepackungen - ebenfalls in Schwechat entdeckt.
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