Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Andreas Dörhöfer (Bild: Hypo Alpe Adria)
U-Ausschuss
Dörhöfer: "Kreditrisiken zu niedrig bewertet"
Die Aussage des Ex-Risikovorstandes der Hypo, Andreas Dörhöfer, barg am Mittwoch schon einigen Sprengstoff: Kreditrisiken wären zu niedrig bewertet worden, mutwillig verschwiegen habe man den Bayern aber nichts.
"Hypo" keine überteuerte "Katze im Sack"
Dörhöfer war 2008 von der Bayern LB als Risiko-Vorstand in die Hypo entsandt worden. In seiner Aussage ging er auf den Verkauf der Hypo-Bank an die Bayern ein. Jenem Deal, der heute von den Bayern so dargestellt wird, als hätte man die überteuerte "Katze im Sack" gekauft.

Er, Dörhofer, glaube aber nicht, dass die "Hypo Group" der "Bayern LB" Informationen über Kredite und Risken vorenthalten habe. Gleichzeitig zeigte er sich jedoch überzeugt, dass die Hypo die Kreditrisiken zu niedrig bewertet hätte.
Kundengeschäft in Österreich sei nie stark genug gewesen, so Dörhöfer.
"Wirtschaftskrise zu spät erkannt"
Die Hypo habe in den 90er Jahren gutes Geld in Kroatien gemacht, so Dörhöfer. Die Strategie der Bank sei auf starkes Wachstum ausgerichtet gewesen. Kritisch bewertet er, dass die Hypo die Entwicklung und das Einsetzen der Wirtschaftskrise zu spät erkannt habe und der Stammmarkt der Kärntner Bank- das Kundengeschäft in Österreich - nie stark genug gewesen sei.
Süss: Zusammenarbeit mit Zagorec bestätigt.
Süss: Consultants kein Kreditgrab der Hypo
Auch der ehemalige Geschäftsführer der Hypo Consultants, Gerhard Süss, zeigte sich am Mittwoch sehr "auskunftsfreudig" - wobei viele Worte nicht immer zur Erkenntnis führen müssen.

Zwar bestätigte Süss vor dem U-Ausschuss die Zusammenarbeit mit dem inhaftierten kroatischen Ex-General Vladimir Zagorec, der derzeit in Kroatien im Gefängnis sitzt. Dass "problematische Kredite", wie von den Prüfern angenommen, von der Hypo in die Consultants ausgelagert wurden, wollte er so jedoch nicht bestätigen: Diese sei nicht das "Kreditgrab der Hypo" gewesen.

Davon, dass beim Verkauf der Hypo Consultanta mehr als ein Drittel der Beteiligungen ausgeschieden werden musste, wollte Süss nichts wissen. Sein Vorgesetzter Günther Striedinger habe alle Letztentscheidungen getroffen, so der Geschäftsführer.
Süss: "Habe Zagorec als hochdekorierten General und anerkannte Persönlichkeit erlebt".
Shopping Center und Grundstückskauf
Die Consultants sei an zwei von der Hypo finanzierten Zagorec-Projekten beteiligt gewesen. Konkret habe es sich seiner Erinnerung nach um ein Shopping-Center in Zagreb und um einen Grundstückskauf zur touristischen Nutzung gehandelt, so Süss. Er habe Zagorec als "hochdekorierten General und anerkannte Persönlichkeit erlebt".
Immobilienprojekte "parkten" in Liechtenstein.
"Confida" segnete Jahresbilanzen ab
Immerhin bestätigte Süss: Große kroatische Immobilienprojekte wären buchmäßig in der Hypo Consultants Liechtenstein "geparkt" gewesen, jedoch vor Ort betreut worden. Dabei habe es sich um "vier bis sechs Beteiligungen an Immobilienprojekten mit einem langfristigeren Entwicklungshorizont" gehandelt.

Die Consultants habe 115 Beteiligungen an diversen Projekten gehalten, unter anderem am heute verlustreichen "Skiper-Projekt" im istrischen Savudria. Abgesegnet worden wären die Jahres-Bilanzen von der "Confida", womit diese einmal mehr im Hypo-Geflecht aufschien. Die Confida war es auch, die Süss nach seinem Ausscheiden aus der Hypo die Infrastruktur für seine Selbstständigkeit bereitete - was für diesen jedoch keine "schiefe Optik" mit sich bringt.
Consultants an acht Standorten.
Warum ausgerechnet Liechtenstein?
Auf die Frage, warum man all diese Projekte ausgerechnet in Liechtenstein geparkt habe, meinte er, die Hypo Group Alpe Adria habe damit den Bankenstandort Liechtenstein stärken wollen. Es seien sogenannte Ein-Euro- beziehungsweise Ein-Kuna-Beteiligungen gewesen. Dabei habe die Consultants an Projekten mit unzureichender Eigenkapitalbasis bis zu 30 Prozent Anteile gehalten, die Bank habe diese Projekte geprüft und die Kredite dafür vergeben.

Consultants habe es an acht Standorten gegeben, die mit Abstand größte dieser Gesellschaften sei jene in Kroatien gewesen. In Liechtenstein seien rund 15 Prozent der Beteiligungen konzentriert gewesen, so der Ex-Vorstand.
Holub mit positiver Zwischenbilanz
Der Sprecher der Kärntner Grünen, Rolf Holub, zog eine positive Zwischenbilanz des Hypo-Untersuchungsausschusses am Mittwoch.
Mit Gerhard Süss und Andreas Dörhöfer hätten wichtige Akteuere ausgesagt. Am Nachmittag tritt der Ex-Vorstand der Hypo Kroatien, Heinz Truskaller in den Zeugenstand.
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