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MI | 11.04.2012
Gericht (Foto: ORF)
POLITIK
Neue Erkenntnisse zu Anschlag in Völkermarkt
Im September 1979 verübten zwei Agenten des jugoslawischen Geheimdienstes UDBA einen Anschlag auf das Volksabstimmungsmuseum in Völkermarkt. Die Bombe detonierte zu früh, beide Agenten wurden verletzt und konnten gefasst werden.
Christian Wehrschütz (Foto: ORF)
Geheimakten in Slowenien.
Viele Hintergründe im Dunkeln
Trotzdem und trotz des Prozesses in Wien blieben damals viele Hintergründe im Dunkeln. 30 Jahre später kommt nun durch in Slowenien veröffentliche Geheimakten immer mehr Licht in den Anschlag. So wurde nach dem Anschlag drei Mitarbeitern des Geheimdienstes in Marburg der Prozess gemacht. Das Urteil hat ORF-Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz in die Hand bekommen.
Vernehmungsprotokoll (Foto: ORF)
Vernehmungsprotokoll aus Wien
Slowenische Archive als Quelle.
Details über die Vorbereitungen
Zum Anschlag auf das Volksabstimmungsmuseum in Völkermarkt im September 1979 sind in slowenischen Archiven neue Informationen aufgetaucht. Das Urteil gegen die drei slowenischen Mitarbeiter des jugoslawischen Geheimdienstes UDBA liegt nun vor, die sich als unmittelbare Drahtzieher des Anschlags vor Gericht in Laibach verantworten mussten.

Das Urteil bringt aber auch einige neue Details über die Vorbereitungen des Anschlags selbst an sich. Die zwei slowenischen Attentäter verletzten sich dabei schwer, wurden in Wien vor Gericht gestellt und im September 1981 gegen einen Österreicher ausgetauscht und nach Jugoslawien abgeschoben.
Prozess (Foto: ORF)
Der Prozess in Wien fand 1981 statt
Urteilsspruch über acht Seiten.
Gezielte Vorbereitung in Kärnten
Als geistiger Vater des Ansschlages in Völkermarkt wurde Ivan Mrelje wegen Verletzung der öffentlichen Sicherheit zu drei Jahren Haft verurteilt. Aus dem acht Seiten umfassenden Urteilsspruch ergeht, dass einer der Agenten mit dem eigenen Auto nach Völkermarkt fuhr, dort spionierte dort und kaufte Batterien für den Zeitzünder.

Mrevlje wählte den Hauptattentäter aus und stellte ihm eine Komplizin mit falschem Pass zur Seite. Interessant: Der Zündmechanismus der Bombe wurde vor der Fahrt nach Völkermarkt noch auf dem Pachern bei Marburg getestet.
Ablenkungsmanöver der Tito-Partei.
Urteilsspruch sorgt für Zweifel
Als Motiv nennt das Urteil die Lage der slowenischen Minderheit in Kärnten. Zudem wurde argumentiert, dass die Agenten aus eigenem Antrieb gehandelt haben, was in Slowenien jedoch bestritten wird. "Das ist unmöglich und ein Märchen für Kinder", bestätigte auch der slowenische Publizist Igor Omerza gegenüber dem ORF.

"Es war nur eine Fortsetzung der Politik der Parteiführung von Tito, Kardell und Dolanc. Die UDBA gibt nicht zu, dass Völkermarkt von der Führung dirigiert wurde. Aus den Dokumenten sehen wir aber das Eingeständnis für andere Taten, beziehungsweise, die sie logistisch unterstützt hat", beschrieb Omerza. "Gemeinsam mit den Spannungen zwischen Österreich und Jugoslawien im Bezug auf die Minderheiten sollten damals durch den Anschlag rechtzeitig innenpolitische Probleme Jugoslawiens zugedeckt werden", so Omerza.

Viele Dokumente sollen in Belgrad liegen und sind schwer zugänglich. Dies ist auch in Österreich der Fall, wo sich Innenministerium, Jusitz und Verteidigungsministerium bisher nicht gerade aufklärungswillig gezeigt hat.
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