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MI | 11.04.2012
Jörg Haider bei Muammar Gaddafi (Bild: APA)
POLITIK
Haiders Reisen nach Libyen und in den Irak
Jörg Haiders Reisen waren oft im Zentrum der Kritik, seine Kontakte zu Libyens Staatschef Muammar Gaddafi und zu Iraks Diktator Saddam Hussein ebenso. Gegner meinten, sie hätten auch sein Image beschädigt.
Banker reisten mit auf dem "privaten" Besuch.
Umstrittene Freundschaft mit Saif Gaddafi
Es war eine recht ungewöhnliche Freundschaft und eine eine heftig umstrittene, die Haider ab 1999 mehrmals nach Libyen führte. Der Sohn von Muammar Gaddafi, Saif, war Haiders enger Freund, und über ihn liefen seine Libyen-Kontakte.

Saif, der in Wien studiert hatte, zeigte sich gerne schillernd in der Schicki-Micki-Gesellschaft. Haider sagte zu Lebzeiten, dass er ihn mindestens einmal im Monat treffe. Nach Libyen reiste er im Mai 1999 angeblich privat und traf auch Staatschef Gaddafi. Mit dabei sollen unter anderem Ex-Hypo-Vorstand Wolfgang Kulterer und Haider-Vertrauter Gerald Mikscha gewesen sein, der jetzt im Zusammenhang mit den 45-Millionen-Konten so oft genannt wird.
Haider wollte Öl für Kärnten organisieren.
Wirtschaftsdelegation mit dabei
Beim zweiten Libyen-Besuch, im Juni 2000, traf Haider Gaddafi nicht. Diesmal führte er eine Kärntner Wirtschaftsdelegation an. Mit dabei waren abermals Kulterer und Mikscha. Angeblich wollte Haider bei dieser Reise billiges Öl für Kärnten organisieren.

Am 31. Oktober 2001 reiste Haider abermals nach Libyen, diesmal scheiterte ein Treffen aus "terminlichen Gründen". Der damalige FPÖ-Verteidigungsminister Herbert Scheibner war mit dabei.
Internationales Mediengetöse nach Reise in den Irak.
Rücktrittsforderungen wurden laut
Danach sorgte die enge Freundschaft zwischen Haider und dem Gaddafi-Sohn immer wieder für Schlagzeilen. Haiders Draht zu Gaddafi führte innen- und außenpolitisch zu heftigem Gewitter. Sein Rücktritt wurde gefordert.

Die Aufregung war noch nicht vorüber, als sich Haider abermals auf die Reise machte - diesmal in den Irak. Im Februar 2002 traf sich der Landeshauptmann mit Saddam Hussein. Wieder ging es offiziell um Wirtschaft und - laut Haider damals - um humanitäre Hilfe. Internationales Mediengetöse war die Folge, scharfe Proteste gegen Haiders Reisevorlieben kamen unter anderem aus den USA.
Ergebnisse des U-Ausschusses waren mager.
Landtag beschloss U-Ausschuss
Im April 2002 ließ Haider erneut aufhorchen, er wurde Präsident der Österreichisch-Libyschen Gesellschaft, Seite an Seite mit Gaddafi-Sohn Saif.

Im Mai 2002 folgte die zweite Irakreise, wieder angeblich privat. Haider traf sich abermals mit umstrittenen Politikern, mit dabei war FPÖ-Volksanwalt Ewald Stadler. Von dieser Reise brachte Haider zwei irakische Kinder mit nach Kärnten, die an Krebs litten und hier behandelt wurden.

Der Landtag beschloss einen Untersuchungsausschuss, der sich mit Haiders Reisen und der Finanzierung zu befassen hatte. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen blieben bescheiden. Dass aber die Hypo einige Flüge bezahlte, wurde offenkundig.
Motiv: Wirtschaftskooperationen
2004 reiste Haider abermals nach Libyen, diesmal mit Vizekanzler Hubert Gorbach (FPÖ) und zahlreichen Wirtschaftstreibenden. Wieder traf Haider mit Muammar Gaddafi zusammen. Wieder ging es angeblich um Wirtschaftskooperationen.

Von weiteren Libyen- und Irakreisen des verstorbenen Landeshauptmannes ist nichts bekannt. Fest steht aber, dass der freundschaftliche Draht zur Familie Gaddafi bis zu Haiders Tod nicht abriss.
Freundschaft mit Familie aufrecht
Auch die Verbindung zu Saddam Hussein dürfte bis zu dessen Tod aufrecht geblieben sein. Haider hatte die Hinrichtung des Diktators noch abzuwenden versucht. Über Geldflüsse aus Libyen wird nicht zum ersten Mal spekuliert: Schon bei Haiders Formel-1-Engagement mit Patrick Friesacher waren Gerüchte laut geworden, dass Geld aus Libyen geflossen sei.
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