Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Zerstörte Ortstafel (Bild: ORF)
POLITIK
U-Kommission zu 70er-Jahre-Attentaten
Das Land Kärnten hat eine Untersuchungskommission eingesetzt, um die Sprengstoffattentate auf Partisanendenkmäler und Deutsch-Kärntner Einrichtungen in Südkärnten in den 70er Jahren aufzuklären.
Es soll eine "ausgewogene, sachliche" Aufklärung geben.
Namhafte Historiker
Vorsitzender der Untersuchungskommission ist der Direktor des Landesarchivs, Wilhelm Wadl. Die wissenschaftliche Leitung übernimmt Alfred Elste, der sich in den letzten Jahren als Experte in diesem Bereich erwiesen hat und sehr hohes Ansehen in Fachkreisen wie auch in der Öffentlichkeit genießt.

"Sowohl Direktor Wadl wie auch Professor Elste haben in zahlreichen Veröffentlichungen bewiesen, dass sie an einer ausgewogenen, sachlichen Aufklärung der Anschlagsserie interessiert sind. Ich gehe davon aus, dass es ihnen durch intensive Recherche gelingen wird, Licht in die dunkle Anschlagsserie im Südkärntner Raum zu bringen", sagte LH Gerhard Dörfler (FPK).
Zwei Attentäter wurden gefasst
In den 70er Jahren gab es in Kärnten etwa 20 Sprengstoffanschläge. Sie galten u. a. Partisanendenkmälern, Einrichtungen von Deutsch-Kärntner Organisationen und Infrastruktureinrichtungen in Kärnten. Dramatischer Schlusspunkt der Anschlagsserie war der Bombenanschlag auf das Völkermarkter Museum am 18. September 1979, bei dem ein Mitarbeiter schwer verletzt wurde und zwei jugoslawische Attentäter gefasst werden konnten.
Resolution an Bundesregierung.
Offenlegung aller Akten gefordert
Laut Dörfler bringen die jüngsten Erkenntnisse über mögliche Beteiligung von Kärntner Slowenen sowie des jugoslawischen Geheimdienstes noch mehr Brisanz in die Causa der Anschlagsserie. Eine Klärung der Attentate sei daher definitiv unausweichlich.

Im Mai dieses Jahres übermittelte die Kärntner Landesregierung eine Resolution an Bundeskanzler Werner Faymann, Außenminister Michael Spindelegger, Innenministerin Maria Fekter und Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, in der sie aufgefordert wurden, sämtliche Akten offen zu legen und für weitere Untersuchungen dem Land Kärnten zur Verfügung zu stellen.

Zudem solle die Bundesregierung im Rahmen der diplomatischen Beziehungen die Republik Slowenien auffordern, sämtliche Akten offenzulegen, welche in Verbindung zur Anschlagsserie stehen könnten und darüber hinaus sich aktiv an einer Aufklärung der Vorfälle zu beteiligen.
Bericht soll in zwei Jahren vorliegen
Wadl hofft auf Akteneinsicht
Der mit der Untersuchung beauftragte Direktor des Landesarchivs, Wilhelm Wadl, geht davon aus, den Bericht binnen zwei Jahren vorlegen zu können. Dieser Zeitraum sei mit dem Auftraggeber vereinbart.

Die österreichischen Archive seien allen zugänglich, auch Slowenien betreibe eine sehr offene Informationspolitik. Ob auch die Sicherheitsbehörden die Akten aus dieser Zeit herausgeben werden, werde sich weisen, sagt Wadl: "Die interessantesten Materialien lagern nicht in öffentlichen Archiven, sondern bei Exekutivbehörden und Gerichten." Man hoffe nun, Zugriff auf diese Akten zu bekommen.

In den Akten werden Vertreter der slowenischen Volksgruppe als Mitbeteiligte an den Anschlägen genannt, die Betroffenen bestreiten dies. Man könne sie auch nicht als Zeugen vorladen, sagt Wadl: "Das ist eine diffizile Angelegenheit. Viele der damals Agierenden stehen heute mitten im bürgerlichen Leben."

Mit der Arbeit wird noch im Sommer begonnen. Wie groß der Mitarbeiterstab sein soll, ist noch nicht bekannt.
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