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MI | 11.04.2012
Asylwerber (Bild: APA)
SOZIALES
Verein kümmert sich um Tschetschenen
In Kärnten gibt es immer mehr Asylwerber aus Tschetschenien, Vorfälle häufen sich. Der Verein ASPIS kümmert sich um viele Traumatisierte. Aggressionen kommen oft auch aus alten Traditionen und dem strengen Ehrenkodex.
Manche müssen jahrelang betreut und begleitet werden.
Traumatisiert und resigniert
Von den insgesamt 1.050 Asylwerbern in Kärnten kommt jeder Fünfte aus Tschetschenien. Mehr als 50 Prozent der Hilfesuchenden, die sich an den Verein ASPIS in Klagenfurt wenden, sind Tschetschenen. Viele erlebten einen jahrelangen grausamen Bürgerkrieg.

Elf speziell ausgebildete Psychotherapeuten behandeln die kriegstraumatisierten Menschen, die oft noch in psychischen Extremsituationen sind und jahrelang begleitet werden müssen.

Projektleiterin Maria Lind sagte, dass viele resignierten, weil sie so lange auf den Ausgang des Asylverfahren warten müssten. Doch dies seien nicht die einzigen Gründe für das aggressive Verhalten einiger Tschetschenen, wie in Villach oder Klagenfurt.
Ehrenkodex extrem ausgeprägt.
Starke Verpflichtungen innerhalb der Familie
Auch die Jahrhunderte alte Kultur spiele hier eine Rolle. Das Sprichwort "Auge in Auge Zahn um Zahn" würde es am ehesten treffen. Lind: "Die Kodices sind sehr stark ausgeprägt. Das Zusammengehörigkeitsgefühl in diesen riesigen Familien ist enorm. Auch diese Verpflichtung, die sie in sich tragen, einander zu helfen und beizustehen, ihre Frauen zu schützen."
Vorbild Fußball
Eines der erfolgreichsten Integrations-Projekte mit Tschetschenen rief vor einigen Jahren Siegfried Stupnig ins Leben. Mit seiner Fußballmannschaft "FC Tschetschenien" gelang es ihm, beinahe alle tschetschenischen Jugendlichen, die in Klagenfurt untergebracht sind, ins Team zu holen.

Die Bestätigung für gute Leistung dort sei ausschlaggebend für eine Veränderung im Leben der Burschen. Stupnig: "Was in unserer Mannschaft ganz besonders ist, sind die Stammspieler. Diese Leute haben Vorbildwirkung auf alle, die in die Mannschaft kommen."
Villach startet auch Fußballprojekt
In den kommenden Wochen soll auch in Villach über ein ähnliches Fußballprojekt der Zugang zu den dort lebenden Tschetschenen gelingen. Dort sei die Zahl der Übergriffe zwischen rivalisierenden Gruppen in den vergangenen Monaten stark gestiegen, hieß es von Seiten der Polizei.
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