Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Ex-Hypo-Vorstandsdirektor Wolfgang Kulterer (Bild: ORF)
WIRTSCHAFT
Hypo: Kulterer sieht Schuld bei BayernLB
Ex-Vorstandsdirektor Wolfgang Kulterer ist Mittwochnachmittag vor dem Hypo-U-Ausschuss gestanden. Er machte in seiner Aussage die BayernLB für den Absturz der Kärntner Hypo verantwortlich, gestand aber auch selbst Fehler ein.
Vorwurf des Insiderhandels bestritten.
"Schadenersatzklage gegen BayernLB"
Kulterer erschien bereits zum zweiten Mal vor dem Untersuchungsausschuss. 2007 war er freilich noch gefragt worden, ob die Bank zu billig verkauft worden sei. Bei seiner Befragung am Mittwoch dozierte er vor den Abgeordneten anhand von Grafiken an einer Tafel, wie es zum Verkauf der Hypo an die Bayerische Landesbank gekommen sei.

Dabei drehte er den Spieß um: Nicht die Bayern dürften Schadenersatzforderungen an Kärnten richten - umgekehrt müsse es eine Schadenersatzklage gegen die BayernLB geben. Sie sei seit 2007 für ein unkontrolliertes Wachstum der Hypo verantwortlich gewesen, außerdem habe sie ihre Tochterbank selbst mit öffentlichen Diskussionen kaputt gemacht, so Kulterer.

Vorwürfe, die Bayern seien beim Verkauf über den Tisch gezogen worden, seien absurd. Alles sei intensiv geprüft worden, meinte Kulterer. Er bestritt auch jegliche Form von Insiderhandel.
Verkauf bis Ende Jänner 2006 angeblich nicht geplant.
Zeitpunkt für Verkauf "optimal"
Den Zeitpunkt für den Verkauf der Bank bezeichnete Kulterer als "optimal". Die Bankenwerte seien allgemein sehr hoch gewesen. Für die Aktionäre sei das ein glücklicher Zufall gewesen, auch wenn der Verkauf bis Ende Jänner 2006 gar nicht geplant gewesen sei.
Wolfgang Kulterer vor dem Kärntner Hypo-U-Ausschuss in Klagenfurt (Bild: APA/Eggenberger)
Laut Kulterer habe man sich mit der Politik als Eigentümer arrangiert.
Kulterer räumt "Sponsoring" ein
Wie am Vormittag Ex-Vorstandskollege Jörg Schuster bestätigte auch Kulterer Versuche der Politik, in die Bank hineinzuregieren. Mit Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ) sei es nicht immer einfach gewesen. Es habe immer wieder Zwistigkeiten gegeben, aber man habe sich mit der Politik als Eigentümer arrangiert.

Dass die Hypo Wünsche auf Zuruf finanziert habe, wie von Schuster am Vormittag dargelegt, bestritt Kulterer jedoch. Es habe Sponsoring gegeben. Man habe aber nur gemacht, was betriebswirtschaftlich vertretbar gewesen sei.
Von Birnbacher-Honorar "geschockt"
Zum Millionenhonorar für Steuerberater Dietrich Birnbacher sagte Kulterer, als er die tatsächliche Summe gehört habe, sei er "geschockt" gewesen.

Haider habe Kulterer zuvor versichert, mit Birnbacher sei ein Fixhonorar von 100.000 Euro ausgemacht. Tatsächlich habe dieser zwölf Millionen Euro erhalten. Nach öffentlichen Diskussionen verzichtete Birnbacher schließlich auf die Hälfte.
Kulterer gesteht eigene Fehler ein
Dazu befragt, welche Fehler er in 14 Jahren als Hypo-Vorstand gemacht habe, sagte Kulterer: Es sei verrückt gewesen zu glauben, eine Bank dieser Dimension in Kärnten halten zu können.

Kulterer sagte aus, er hätte 2002 die Bank nach Wien verlegen müssen, um so die "optische Umklammerung der Politik zu lösen". Ebenfalls sei es ein Fehler gewesen, keine internationalen Experten in die Führungsebene der Bank geholt zu haben.
Die Ära Kulterer in der Hypo
Aufstieg und Fall der Hypo sind mit Kulterer untrennbar verbunden. Unter Landeshauptmann Christoph Zernatto (ÖVP) wurde er von der Raiffeisenbank in die Hypo geholt. Schuster (SPÖ), zuvor Leiter der Finanzabteilung des Landes, wurde ihm zur Seite gestellt. Für den damaligen FPÖ-Chef Haider war das eine "rot-schwarze Packelei".

Zwischen Kulterer und Schuster kam es in der Folge zum Bruch, Schuster musste gehen. Der Abstieg Kulterers begann 2006, als riesige Spekulationsverluste bekanntwurden, die in eine Verurteilung wegen Bilanzfälschung mündeten. Kulterer behauptet, dass die größten Verluste der Bank erst nach dem Verkauf an die Bayern entstanden seien.
Schuster: "Auf Zuruf Haiders finanziert"
Schuster war 2003 nach zehn Jahren aus dem Hypo-Vorstand ausgeschieden. Er zeichnete in den rund zweieinhalb Stunden vor dem U-Ausschuss ein Sittenbild, das einige Einblicke in das Innenleben der Bank gewährte.

Mit der Amtsübernahme von Landeshauptmann Haider im Jahr 1999 sei es in der Hypo zu einem "Paradigmenwechsel" gekommen, so Schuster. Bis zu diesem Zeitpunkt habe sich die Landespolitik aus der Bank herausgehalten.

Plötzlich habe es diverse Finanzierungswünsche gegeben - für das Musikschulwerk, für die Wörtherseebühne, für Empfänge. Die Hypo habe Eintrittskarten für Events bezahlt, die dann von Haider verteilt worden seien. Dagegen habe er sich stets gewehrt, sei dafür als "Klotz am Bein der Hypo" abgekanzelt worden, der Landesverrat begehe.
Der ehemalige Hypo-Vorstand Jörg Schuster vor dem Hypo-U-Ausschusses (Bild: APA/Gert Eggenberger)
Mobbing sorgte laut Schuster für Abgang aus der Bank.
Warnrufe wurden nicht gehört
Schon bei seinem Ausscheiden aus der Bank habe es Probleme mit Auslandsgeschäften gegeben, so Schuster. Ein explosionsartiges Wachstum der Bank, etwa um 40 Prozent in Kroatien, gleichzeitig keine effektive Risikokontrolle und eine zu geringe Eigenkapitalausstattung seien problematisch gewesen. Wenn er vor den Gefahren und dem enormen Risiko gewarnt habe, sei ihm vom Aufsichtsratspräsidium gesagt worden, er solle seine "beamtete Sichtweise" ablegen und sich "nicht zu Tode fürchten".

Schuster skizzierte seinen Abgang aus der Bank als Folge von Mobbing. Weil er diverse Dinge nicht mitgetragen habe, sei es zwischen ihm und den Vorstandskollegen bzw. dem Aufsichtsrat zu Reibereien gekommen. Eineinhalb Jahre lang habe er dann noch einen Konsulentenvertrag gehabt, mit dem ihm Schweigen zur Hypo auferlegt worden sei.

Zum späteren Debakel der Bank bis zur Zwangsverstaatlichung sagte Schuster, die Wirtschaftskrise habe der Hypo nur den Rest gegeben.
Dritter Zeuge sagte ab
Ein dritter Zeuge, dessen Institut nach dem Verkauf der Bank an die Bayern die aushaftenden Darlehen unter die Lupe genommen hatte, bat hingegen aus familiären Gründen um eine Terminverschiebung.
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