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MI | 11.04.2012
Logo Arbeitsgemeinschaft 8. Mai (Bild: www.0805.at)
GESCHICHTE
Der 8. Mai aus Kärntner Sicht
Die erste Maiwoche 1945 war eine der dramatischsten Wochen in Kärntens Geschichte. Das Kriegsende war von Verschleppungen, Verhaftungen und Hinrichtungen überschattet. In Klagenfurt wurde am Nachmittag ein Denkmal für Naziopfer enthüllt.
Gauleiter Rainer galt als "Hardliner".
Kapitulation nach langen Verhandlungen
Am 8. Mai vor 65 Jahren erreichten britische Truppen Klagenfurt, knapp vor den jugoslawischen Truppen. Der Zweite Weltkrieg war verloren, die Ära des Nationalsozialismus beendet. Nach tagelangem Verhandeln mit Demokraten und Vertretern des Widerstandes verkündete Nazi-Gauleiter Friedrich Rainer schließlich die Kapitulation.

Historisch betrachtet sind diese Tage im Mai 1945 an Dramatik kaum zu übertreffen, sagte Wilhelm Deuer vom Landesarchiv Klagenfurt: "Gauleiter Rainer war ein richtiger 'Hardliner', der gesagt hat, er hält durch. In den späten Abendstunden des 7. Mai, wo wirklich schon klar war, dass es sich nur mehr um Stunden handeln kann, haben ihn die Vertreter der Kärntner demokratisch legitimierten Parteien überredet. So hat er dann resigniert. In der Nacht von 7. auf 8. Mai wurde faktisch die Macht den Nationalsozialisten abgenommen."
Engländer überholten Partisanen nur knapp
Der provisorische Vollzugsausschuss bestand aus zwei Sozialdemokraten, zwei Vertretern der Christlich Sozialen und einem Widerstandskämpfer. Sie waren erste Ansprechpartner für die britischen Besatzer, die es nach einem förmlichen Wettlauf mit den jugoslawischen Truppen um Stunden früher in die Landeshauptstadt geschafft hatten.

Deuer: "Die Engländer wurden immer noch von den SSlern in Kämpfe verwickelt und kamen nicht so schnell weiter, wie es notwendig gewesen wäre. Auf der anderen Seite hatten die Kärntner Angst vor Partisanenverbänden, die den Auftrag hatten, Teile Kärntens und möglichst auch Klagenfurt zu besetzen, um für folgende Friedensverhandlungen - als Ersatz für die Schmach vom 10. Oktober 1920 - Kärnten zu bekommen."

Diese Ereignisse haben sich am Vormittag des 8. Mai 1945 abgespielt, so Deuer: "Die Engländer sind über den Plöckenpass gekommen und sind - Hals über Kopf - cirka um 9.30 Uhr vormittags in Klagenfurt einmarschiert. Sie waren damit tatsächlich schneller als die Partisanen".
128 Personen sind nie wieder aufgetaucht.
Hunderte Kärntner verschleppt
Dann begann ein finsteres Kapitel Zeitgeschichte, so Deuer: "Die Partisanen haben sofort von den Engländern Widerstand zu spüren bekommen. Leider ist es aber auch zu Verschleppungen gekommen."

Insgesamt sollen 350 Kärntnerinnen und Kärntner verschleppt worden sein, 128 davon sind nie wieder aufgetaucht.
Tausende Tote bei Auslieferungen
Zeitgleich begannen die Verhaftungen der Briten, schilderte Deuer: "Die Engländer haben sehr objektiv und korrekt versucht, alle, die an den Verbrechen beteiligt waren, herauszufiltern und sie - nach dem Maß ihrer Schuld - zu verurteilen. Denken Sie nur an das Lager Wolfsberg."

Das dunkelste Kapitel in der britisch-kärntnerischen Geschichte beschrieb der Experte folgendermaßen: "Die kroatischen Ustascha, die slowenischen Domobranzen und natürlich auch Kosakeneinheiten sind schnell nach Kärnten gekommen und haben sich unter Zusicherung, dass sie hier bleiben dürfen, den Engländern ergeben. Einige Tage später ist es dann zu schrecklichen Ereignissen gekommen: Ustascha und Domobranzen sind im Bleiburger Feld und die Kosaken an der Murbrücke von Judenburg ausgeliefert worden. Das war eine menschlich unglaubliche Katastrophe mit tausenden Toten."
Die Arbeitsgemeinschaft 8. Mai will den 8. Mai zum Feiertag ausrufen lassen.
Demo und Denkmalenthüllung am Nachmittag
Die Arbeitsgemeinschaft 8. Mai, gebildet von SPÖ, KPÖ, den Grünen, sowie slowenischen und linksorientierten Gruppen, hat am Samstagnachmittag in Klagenfurt zu einer Demonstration aufgerufen. Ausgangspunkt war am Bahnhofsvorplatz in Klagenfurt. Die Arbeitsgemeinschaft demonstrierte unter anderem dafür, dass der 8. Mai zum Feiertag ausgerufen und der Artikel 7 im Staatsvertrag, also die Minderheitenrechte, erfüllt werden müssen.

Die Demonstration endete am Neuen Platz, wo ein temporäres Denkmal für 10.000 Nazi-Opfer und Widerstandskämpfer enthüllt wurde.
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