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MI | 11.04.2012
Friedrich Rainer_Gauleiter von Kaernten (Bild: ORF)
Gauleiter Friedrich Rainer.
GESCHICHTE
Wann starb Kärntens Gauleiter wirklich?
Über das endgültige Schicksal des nationalsozialistischen Gauleiters von Kärnten, Friedrich Rainer, gab es jahrzehntelang nur Spekulationen. Nun sind in Ljubljana neue Informationen über sein Schicksal aufgetaucht.
Todesurteil längere Zeit aufgeschoben
Rainer wurde im März 1947 von den Briten nach Jugoslawien ausgeliefert und in Ljubljana von einem Militärgericht im Juli 1947 zum Tode verurteilt. Sicher war jedoch, dass das Urteil nicht sofort vollstreckt wurde und Rainer anschließend für die jugoslawische Geheimpolizei gearbeitet hat. Doch wann starb der NS-Gauleiter?
Gauleiter Friedrich Rainer (Bild: ORF)
Tagebuch-Eintrag mit "Kreuz"
Diese Frage dürfte nun durch ein Dokument im slowenischen Staatsarchiv in Ljubljana geklärt sein. So wurde jüngst ein Eintrag im Tagebuch des ehemaligen slowenischen Innenministers, Boris Krajger gefunden.

Daraus geht hervor, dass Rainer und andere Häftlinge voraussichtlich Mitte November 1950 in Ljubljana hingerichtet wurden. Darauf kann man schließen, weil Krajger neben den Namen der Hingerichteten jeweils ein Kreuz in sein Tagebuch eintrug. Doch warum wurde das Todesurteil an Friedrich Rainer erst nach drei Jahren vollstreckt?
Tagebuch-Eintrag (Bild: ORF)
Rainers Informationen waren im Konflikt mit der Sowjetunion für Tito hilfreich.
Informant für die Geheimpolizei
Den Wert Rainers für die Geheimpolizei erläutert die Historikerin Ljuba Dornik-Subelj aus dem slowenischen Staatsarchiv so: "Seine Informationen wurden hauptsächlich gegen die Sowjetunion im Streit mit dem kommunistischen Informbüro verwendet. Hier kannte er viele Tatsachen und Informationen aus der Zeit des deutsch-russischen Paktes".
Gauleiter Friedrich Rainer_Akten (Bild: ORF)
Bruch Titos mit Stalin "lebensverlängernd"?
Die Spannungen mit der Sowjetunion und der Bruch zwischen Tito und Stalin könnten somit Rainers Leben verlängert haben. Dazu sagt die Historikerin: "Erwartet wurde ein Angriff der Sowjetunion auf Jugoslawien, es bestand unmittelbare Kriegsgefahr. Daher entschloss man sich, jene Personen noch zwei bis drei Jahre nach dem Urteil als Informationsquelle für die Geheimpolizei zu nutzen".

Friedrich Rainers Aufzeichnungen und Berichte umfassen mehr als 3.000 Seiten. Diese werden bis heute im slowenischen Staatsarchiv aufbewahrt.

Die Unterlagen sind für Historiker zugänglich. Interessierte bekommen die Kontaktadresse von Redakteur Christian Wehrschütz auf Anfrage: wehrschuetz@gmx.at.
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