Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Anschlag auf Völkermarkter Rathaus 1979 (Bild: ORF)
ZEITGESCHICHTE
70er-Jahre-Attentate teilweise geklärt
In den Jahren 1953 bis 1979 hat es in Kärnten etwa 20 Sprengstoffattentate gegeben. Sie galten u. a. Partisanendenkmälern und Deutschkärntner Organisationen. Der jugoslawische Geheimdienst soll beteiligt gewesen sein.
Betroffene wiesen Anschuldigungen zurück.
Urheber meist nie ermittelt
Die Urheber der meisten Attentate, deren Ziel auch Eisenbahnlinien und Stromleitungen waren, konnten nicht ermittelt werden. Nun werfen Dokumente der jugoslawischen Geheimpolizei UDBA, die in Slowenien aufgetaucht sind, ein neues Licht auf die Fälle.

Sie belegen unter anderem, dass auch radikale Vertreter der Kärntner Slowenen Anschläge auf eigene Denkmäler durchgeführt haben. Das wurde allerdings von den Betroffenen zurückgewiesen.
Spurensuche nach Anschlag (Bild: ORF)
Mathäus Grilc (Bild: ORF)
"Habe damit nichts zu tun gehabt."
Kärntner Slowenen beteiligt
Das Partisanendenkmal in Kömml bei Bleiburg wurde im Herbst 1976 gesprengt. Die Täter blieben unbekannt. Aus Akten der UDBA geht nun hervor, dass den Anschlag ein Kärntner Slowene mit dem Decknamen "Hanin" durchgeführt hat. Sein richtiger Name fehlt.

In den UDBA-Dokumenten werden aber auch prominente Kärntner Slowenen namentlich genannt; für sie gilt natürlich die Unschuldsvermutung. Einer von den Namen angeblicher Mitarbeiter, die auf UDBA-Dokumenten im Internet aufscheint, ist Mathäus Grilc, jahrelang Obmann des Rates der Kärntner Slowenen.

Grilc: "Ich habe damit nichts zu tun gehabt, ich war damals ein Rechtopraktikant und habe politisch damals keine besondere Rolle gespielt."
Nur einer von mehreren Anschlägen
Kömml dürfte nur einer von mehreren Anschlägen sein, die laut Historikern von Kärntner Slowenen ausgegangen sein sollen.
Sie forderten nach dem Ortstafelsturm von der UDBA offensichtlich Unterstützung für radikale Aktionen in Kärnten und sollen auch in Slowenien ausgebildet worden sein.
Alfred Elste (Bild: ORF)
"Sprengstoff kam von der UDBA."
UDBA stellte Sprengstoff zur Verfügung
Alfred Elste, Historiker: "Ich würde eher sehen, dass die Initiative von den Kärntner Slowenen ausgegangen ist, weil das ja in den Dokumenten auch beschrieben wird von den Agenten, die darüber berichtet haben. Das ist ein Faktum, dass es die Kärntner Slowenen selber waren."

Welche Unterstützung leistete die UDBA?
Elste: "Ich denke, die Aktionen wurden von der UDBA unterstützt, was eben das Sprengmaterial, die Sprengstoffe und auch die Schmiermittel usw. Das lässt sich auch in mehreren Fällen deckungsgleich sehen, und zwar deswegen, weil die gleichen Sprengstoffe, die in diesen Dokumenten auftauchen, auch von den Sicherheitsbehörden in Kärnten festgestellt wurden."
Ljuba Dornik-Subelj (Bild: ORF)
"Es gab ein nichtöffentliches Gerichtsverfahren."
Täter von Völkermarkt wurden gefasst
Der Anschlag auf das Volksabstimmungsmuseum in Völkermarkt im Oktober 1979 wurde zum Fiasko für die UDBA. Beide Täter aus Slowenien verletzten sich beim Anschlag und wurden gefasst. Sicher ist, dass jedenfalls einer der Attentäter UDBA-Mitarbeiter war. Nach dem Fiasko endeten die Anschläge, und es setzte auch Konsequenzen in Slowenien.

Ljuba Dornik-Subelj vom slowenischen Staatsarchiv in Ljubljana: "Gegen drei leitende Mitarbeiter, darunter auch gegen den Chef der Geheimpolizei in Marburg, fand ein nichtöffentliches Gerichtsverfahren statt. Soweit ich weiß, wurden sie zu zwei Jahren bzw. einem Jahr Haft verurteilt."
Zerstörte Ortstafel (Bild: ORF)
Es gab Proteste in Slowenien gegen die Auszeichnung.
Slowenien zeichnete Geheimdienstchef aus
Doch die Drahtzieher blieben unbehelligt. Einen von ihnen, Tomas Ertl, den damaligen Chef der Geheimpolizei in Slowenien, zeichnete Staatspräsident Danilo Türk jüngst aus - für angebliche Verdienste um die Unabhängigkeit Sloweniens.

Die konservative Opposition reagierte mit Entrüstung und forderte sogar die Amtsenthebung Türks. Ertl verdiene keine Auszeichnung, sagte Janez Jansa, konservativer Oppositionsführer.

Jansa: "Die kommunistische Geheimpolizei hat über ihre Mitarbeiter in Österreich verschiedene terroristische Aktionen und Schmieraktionen organisiert. Dazu zählt auch, dass ihre Mitarbeiter Partisanen-Denkmäler in Kärnten beschmiert bzw. beschädigt haben, um dafür dann den Heimatdienst beschuldigen zu können Das sind unmittelbare Beweise, sprich Berichte, die die UDBA selbst vorgelegt hat."
ÖVP will auch eine Historikerkommission einsetzen.
ÖVP fordert Offenlegung der Akten
ÖVP-Klubobmann Stephan Tauschitz forderte am Mittwoch eine sofortige Offenlegung der Akten zur Anschlagsserie. Die neuen Erkenntnisse werfen ein "völlig neues Licht auf die Beziehungen zwischen Kärnten und Slowenien", so Tauschitz. Er will wissen, wer in die Anschläge involviert war und fordert die Einsetzung einer Historikerkommission.
FPK: Lückenlose Aufklärung
Auch FPK-Klubobmann Kurt Scheuch forderte am Mittwoch die lückenlose Aufklärung der Anschlagsserie. Vor allem den Kärntner Slowenen sollte daran gelegen sein, Vorwürfe, dass unter anderem Matthäus Grilc, jahrelanger Obmann des Rates der Kärntner Slowenen, dabei Mithelfer war, aufzuklären, so Scheuch.
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