Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Asylwerberheim (Bild: ORF)
PROZESS
"Afrikanisches Fluchtverhalten" auf Prüfstand
Beim Prozess wegen des Brandes in einem Klagenfurter Asylheim soll ein ethnologisches Gutachten das Fluchtverhalten von Afrikanern erforschen und beweisen, dass auch vorhandene Fluchtwege den Todesfall nicht hätte verhindern können.
Anwalt: "Keine abwertenden Anträge"
Das Todesopfer war im Juni 2008 in Panik aus dem Fenster gesprungen. Der Mandant des Anwalts Ernst Maiditsch muss sich wegen fahrlässiger Gemeingefährdung vor Gericht verantworten. Er ist der Betreiber des Heims. Diskriminierend ist der Beweisantrag für den Juristen nicht: "Das sind keine abwertenden Anträge in Richtung der Asylanten", so Maiditsch gegenüber der APA.
Staatsanwalt nahm Bezug auf Terroranschlag im World Trade Center.
Staatsanwalt: Gutachten hat "keine Relevanz"
Wörtlich beantragte der Anwalt das "Einholen eines Sachverständigen aus dem Gebiet der Psychologie und Ethnologie verbunden mit Verhaltensforschung zur Erstellung eines Gutachtens über das Fluchtverhalten von Mittelafrikanern im Vergleich zu Mitteleuropäern im Brandfalle."

Für den zuständigen Staatsanwalt Christof Pollak hat dies "keine Relevanz". In der Hauptverhandlung vergangenen Mittwoch nahm er Bezug auf den Terroranschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001. Dort seien ebenfalls Menschen aus Fenstern gesprungen und das Verhalten von Nordamerikanern habe sich nicht von dem von Mittelafrikanern unterschieden, weshalb auch keine Differenz zu Mitteleuropäern gegeben sei.
Überprüft werden soll, "ob Asylanten in der Lage sind auf Einrichtungen zum Brandschutz zu reagieren".
Keine Feuerwehr in Afrika
Maiditsch sieht das allerdings anders: "Selbstverständlich" sei das Fluchtverhalten unterschiedlich, denn "die haben das ja selber gesagt: 'Wir kennen keine Feuerwehr bei uns und haben keine andere Möglichkeit, als zu springen'".

Man müsse den Fall "rein sachlich" betrachten, mit dem Antrag soll festgestellt werden, "ob - unabhängig von den gegebenen Voraussetzungen - die Asylanten in der Lage sind, auf Einrichtungen (Fluchtwege, Brandschutz, Anm.) zu reagieren oder ob sie aufgrund des Kulturkreises, aus dem sie kommen, nicht in der Lage dazu sind und einfach springen", erklärte er.
Vergleich mit Twin Tower-Anschlag "abscheulich", so Anwalt Maiditsch.
"Arme Hund" müssen untergebracht werden
Pollaks Vergleich mit den Twin Towers findet der Verteidiger "abscheulich", dort seien Hunderte Menschen ermordet worden und das "wird kommentarlos hingenommen". Man übersehe dabei aber, dass die "armen Hund, die zu uns geschickt werden", auch untergebracht werden müssten. "Sollens zusperren die ganzen Heime, dann werden's schauen".

Das Thema werde nicht rational aufgearbeitet und jeder Asylheimbetreiber sei gleich "ein Verbrecher", zeigte sich Maiditsch entrüstet über die Aufregung, die sein Beweisantrag ausgelöst hat. Schließlich gehe es nicht darum, dass der Prozess gewonnen werde, sondern "dass den armen Hunden geholfen wird".
Die Ereignisse am 12. Juni 2008
In dem Asylwerberheim war am 12. Juni 2008 ein Brand ausgebrochen, ein Mann starb, 19 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Die Anklage wirft dem Betreiber - einem Klagenfurter Bauunternehmer - fehlende Fluchtwege und brandschutztechnische Einrichtungen vor.

Zudem sollen die Fenster im Erdgeschoß vergittert und die Türen versperrt gewesen sein. Neben dem Heimleiter muss sich auch der Kärntner Flüchtlingsreferent vor Gericht verantworten, der laut Anklage in seiner Funktion zur Überprüfung des Gebäudes im Sinne der bau-und feuerpolizeilichen Vorschriften verpflichtet gewesen wäre.
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