Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Vertragsunterzeichnung (Bild: PhotoDisk/ORF)
WIRTSCHAFT
Augen auf bei All-Inclusive-Arbeitsverträgen
Am Montag meldete sich die Gewerkschaft der Privatangestellten zu All-Inclusive-Arbeitsverträgen zu Wort. Sie warnt die Arbeitnehmer, genau nachzurechnen. Oft steige man mit dem Kollektivlohn besser aus.
Für manche Arbeitnehmer machen Pauschalen Sinn.
Immer mehr pauschalierte Verträge
Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern pauschalierte Arbeitsverträgen an. All-in-Verträge, die zwar höher dotiert sind, bei denen aber Überstunden oder Rufbereitschaften nicht mehr extra bezahlt werden. Meist stellt sich bei einer Überprüfung heraus, dass Arbeitnehmer damit schlechter fahren als bei Kollektivverträgen.

Die Gewerkschaft ist nicht prinzipiell gegen diese Verträge. Bei Führungskräften oder Facharbeitern, die sich ihre Zeit selbst einteilen können, seien sie durchaus sinnvoll, sagte Jutta Brandhuber von der GPA.
Je mehr eingerechnet wird, desto schlechter.
Viele Verträge schwer nachrechenbar
Je mehr Leistungen in so einem Vertrag abgegolten seien, desto schlechter sei es für den Arbeitnehmer. Werden Aufwandsentschädigungen, Hotelaufenthalte oder Zulagen eingerechnet, mache das die Verträge schwammig und schwer nachrechenbar. 60 Wochenstunden und mehr seien keine Seltenheit, so Brandhuber.

Brandhuber: "Bei einem All-in-Vertrag kann der Arbeitgeber erwarten, dass man Überstunden leistet. Da geben wir den Tipp, rechnen sie nach. Viele betreiben Selbstausbeutung, arbeiten rund um die Uhr und sind großem Stress ausgesetzt."
Wenn Kollektivvertrag höher wäre, muss nachgezahlt werden.
Ungeklärte Probleme
Weitere Probleme könne es geben, wenn der Arbeitnehmer doch wieder nach dem Kollektivvertrag bezahlt werden möchte. Und wie sieht es mit Gehaltserhöhungen bei den Pauschalen aus. Wie sieht es aus, wenn der Kollektivvertrag lukrativer wäre, als der abgeschlossene All-Inclusive-Vertrag?

Gewerkschaftsjuristin Sigrid Bernhard: "Wenn sich herausstellt, dass er Kollektivvertrag unterschritten wird , zum Beispiel ich habe 3.000 Euro brutto Gesamtgehalt, der Kollektivvertrag macht 2.000 Euro aus, ich mache aber monatlich um 1.500 Euro Überstunden, dann besteht der Anspruch auf die 500 Euro Differenz auf den Kollektivvertrag."
Zwei Drittel der Befragten sind "eher zufrieden".
Umfrage: Nur fünf Prozent unzufrieden
Die Gewerkschaft fragte 180 Betriebsräte und 100 Betroffene nach ihren Erfahrungen. Ergebnisse: fast 60 Prozent der All-in Vertäge in Kärnten seien ohne Betriebsrat abgeschlossen worden, zwei Drittel der Betroffenen sind eher zufrieden mit ihren Verträgen, ein Drittel eher nicht, nur fünf Prozent sind nicht zufrieden.

Günther Murer hat die Umfrage durchgeführt. "Bei 87 Prozent der befragten Betroffenen war es so, dass alle Überstunden und Mehrstunden abgegolten waren. Bei 13 Prozent war auch noch Reiseaufwand enthalten, sogar Reisediäten, teilweise Hotelkosten."

Zum Thema All-in-Verträge gibt es jetzt einen Folder der Gewerkschaft, eine Broschüre und kostenlose Beratung - auch für Nichtmitglieder. Außerdem gibt es auf der ÖGB-Internetseite einen Rechner, der Kollektivvertrag und ein All-in-Vertrag einander gegenüberstellt.
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