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MI | 11.04.2012
Bombenanschlag Völkermarkt (Bild: ORF)
CHRONIK
Bombenanschlag jährt sich zum 30. Mal
Am 18. September 1979, am Freitag vor genau 30 Jahren, ist im Völkermarkter Rathaus eine Bombe detoniert, gelegt von zwei jugoslawischen Staatsbürgern. Einige Fragen sind jedoch bis heute ungeklärt geblieben.
Die Druckwelle riss ein großes Loch in die Hausmauer.
Explosion zerstörte Museum
Es war später Nachmittag, nur wenige Tage vor den Landtagswahlen, als der 33-jährige Luka Vidmar und die 28-jährige Marina Blaj via Grablach aus Laibach ins Völkermarkter Museum kamen, wo sich die beiden die Ausstellung zum Abwehrkampf ansehen wollten. Der Kustos des Museums, Karl Karpf, begleitete sie.
Bombenanschlag Völkermarkt (Bild: ORF)
Zeitzünder funktionierte nicht
Kurz vor 17.00 Uhr gingen die Besucher in verschiedene Räume, als es plötzlich einen gewaltigen Knall gab und der Druck einer Detonation die Hausmauer nach außen drückte. Im Museum war alles zerstört, in der Mauer klaffte ein großes Loch.

Der Zeitzünder hatte nicht funktioniert, daher explodierte die Bombe fünf Stunden früher als geplant. Sie zerfetzte das rechte Bein von Luka Vidmar, einem der Attentäter, er überlebte die Explosion aber. Ein Mitarbeiter des Museums wurde ebenfalls schwer verletzt. Die zweite Attentäterin, Marina Blaj, konnte nach dem Attentat vorerst flüchten, wurde aber später von der Polizei gefasst.
Bombenanschlag Völkermarkt (Bild: ORF)
Renate Hermann (Bild: ORF)
Renate Hermann: Ich sah einen verkohlten Mann, Rauch und Blutspuren.
Mitarbeiterin: "Ich sah einen verkohlten Mann"
Rathausmitarbeiterin Renate Hermann arbeitete bereits damals in der Gemeinde - sie rannte sofort ins Museum: "Ich sah einen leicht verkohlten Mann am Boden, dem es ein Bein abgetrennt hatte, und eine Menge Rauch." Als sie das Museum verlassen wollte, entdeckte sie noch Blutspuren am Boden, die zu einer Stiege führten.

Überall herrschte Verwirrung. Schnell wurde klar, dass die beiden Jugoslawen etwas mit dem Attentat zu tun hatten, denn es wurden eine Perücke und ein Pass mit falschem Namen gefunden.
Bombe mit Einkaufstasche in Museum gebracht.
Täter waren schnell ausgeforscht
Der Ermittlungsstand im ORF-Mittagsjournal am Tag danach sah folgendermaßen aus: Einer der beiden jugoslawischen Besucher des Museums hatte zur fraglichen Zeit die Bombe gelegt und durch ein Missgeschick die Detonation ausgelöst.
Das Auto der Jugoslawen wurde sicher gestellt, die Untersuchung des Fahrzeugs hatte allerdings keine Hinweise erbracht. Die Bombe wurde in einer Einkaufstasche aus Plastik in das Innere des Museums gebracht.
Bombenanschlag Völkermarkt (Bild: ORF)
In akribischer Kleinarbeit wurden von der Kriminalpolizei alle Spuren gesichert.
Attentäter nur sechs Monate in Haft.
Anschlag um Emotionen anzuheizen
An dieser Darstellung hat sich bis heute nichts Wesentliches geändert. Die beiden Jugoslawen wurden 1980 in Wien zu vier Jahren Haft verurteilt, aber schon sechs Monate später gegen zwei österreichische Bundesheerspione ausgetauscht.

Bis heute ist unklar, ob es Hintermänner gegeben hatte, die für die Organisation verantwortlich waren. Stane Kavcic, der langjährige Tito-Vertraute, schrieb zehn Jahre danach, dass der Attentäter Angehöriger des slowenischen Staatssicherheitsdienstes gewesen sei. Man habe mit dem Anschlag auf hohen Befehl die Emotionen in Kärnten anheizen und damit von innerjugoslawischen Problemen ablenken wollen, so Kavcic.

Es gab nur einen Beweis, dass staatliche Stellen beteiligt gewesen sein müssen: Der Pass der Attentäterin war auf einen falschen Namen ausgestellt.
Bombenanschlag Völkermarkt (Bild: ORF)
Adolf Picher (Bild: ORF)
Adolf Picher, der damalige Sicherheitsdirektor, erinnerte sich.
Wirkte der Staat mit?
Adolf Pichler, der damalige Sicherheitsdirektor, erinnerte sich: "Die kriminaltechnische Untersuchungsstelle stellte später anhand von Vergleichspässen fest, dass der von den Behörden in Maribor ausgestellte Pass einwandfrei gültig war und eben nur diesen falschen Namen enthielt.

Aus diesen Tatsachen hätte man den Schluss ziehen können, dass staatliche Stellen an diesem Attentat mitgewirkt hätten, so Pichler.
Sprengstoff stammte aus Österreich
Es bleibt weiterhin auch unklar, woher die zwei Kilogramm Gelatine Donarit, der Sprengstoff, der im Museum hochgegangen war, stammten.

Laut Untersuchungsergebnis der kriminaltechnischen Zentralstelle soll dieser aus St. Lamprecht gekommen sein, da dort ab 1976 derartige Sprengstoffe erzeugt wurden.
War ein dritter Attentäter beteiligt?
Die Frage nach einem dritten Attentäter bleibt weiterhin ungeklärt. Er ist und bleibt der große Unbekannte und soll Luka Vidmar und Marina Blaj - nach eigenen Angaben - die Bombe kurz vor dem Anschlag in die Hand gedrückt haben.
Schutt (Bild: ORF)
War auch der slowenische Geheimdienst involviert?
Anschlag war Ende einer Serie
Ob es Drahtzieher im jugoslawischen Staat oder unter den slowenischen Geheimdienstleuten gegeben hat, ist bis heute unklar. Es konnte nie etwas nachgewiesen werden, es gibt nur Hinweise.

Fest steht, dass der Anschlag von Völkermarkt der letzte einer Serie war, die 1972 begonnen hatte.
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