Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Ulrichsbergtreffen (Bild: ORF)
GESCHICHTE
50. Ulrichsbergtreffen vorerst abgesagt
Das für 20. September geplante umstrittene Heimkehrertreffen auf dem Ulrichsberg ist am Donnerstag wegen "spürbarer Turbulenzen" abgesagt worden. Die Veranstaltung soll allerdings zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.
Gallob verteidigt Terminverschiebung
Einer der Bewegründe für die Absage liegt laut Ulrichsberggemeinschaft in der fehlenden Unterstützung des Bundesheeres.

Der zurückgetretene Präsident, Rudolf Gallob, sagte zu Mittag zu der Absage: "Das Bundesheer gehört halt zur Ulrichsbergfeier. Das hätte man wettmachen können - zum Beispiel durch den Ersatz in Form einer Musikkapelle oder was auch immer dort notwendig sein wird. Wesentlich ist aber, dass man nicht erwarten kann, dass es eine normale Feier gibt. Es gibt ja schlimme Turbulenzen. Von allen Seiten wird das Pro und Kontra diskutiert. Es scheint wahrscheinlich sehr ausgewogen zu sein, dass man diese Jubiläumsveranstaltung, die sie sein hätte sollen, verschiebt. Es ist ja nicht so, dass sie nie wieder stattfinden wird, sondern sie wurde verschoben. Sie wird vielleicht in einigen Monaten stattfinden oder was auch immer die zuständigen Gremien, die ja in Kürze neu gewählt werden, für richtig befinden."
Ulrichsberg-Obmann soll NS-Devotionalien im Internet angeboten haben.
Darabos sagte Bundesheerbeteiligung ab
Anfang der Woche hatte Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) die Beteiligung des Bundesheeres am heurigen Ulrichsbergtreffen definitiv abgesagt. Debatten über die Teilnahme und die organisatorische Unterstützung von Soldaten hatte es bereits in den vergangenen Jahren gegeben.

Darabos entschloss sich nun zu dem Schritt, nachdem ruchbar geworden war, dass der Geschäftsführende Obmann der Ulrichsberggemeinschaft, Wolf Dieter Ressenig, NS-Devotionalien im Internet angeboten haben soll.
Dörfler: "Treffen ist politisch zu weit rechts."
Rücktritte und Absagen von politischer Seite
Am Dienstag erklärten dann der Präsident der Ulrichsberggemeinschaft, der ehemalige SPÖ-LHStv. Rudolf Gallob, sowie Obmann Peter Steinkellner (ÖVP) ihren Rücktritt. "Die klare Vorgangsweise der Abgrenzung zu Extremismus" sei gescheitert, begründete Steinkellner seinen und Gallobs Schritt.

Zuvor hatte Landeshauptmann Gerhard Dörfler (BZÖ) seine Teilnahme mit der Begründung, das Treffen sei "politisch zu weit rechts", ausgeschlossen.
Auf die Frage, ob es ein Fehler sei, dass Ressenig im Amt geblieben ist, meinte Gallob: "Nein, warum? Er kann ja dort nichts anstellen. Er ist ja nur geschäftsführender Obmann und er ist weisungsgebunden. Er kann nicht selbst agieren, wie es sich manche vorstellen. So 'kamot' geht es bei der Ulrichsberggemeinschaft nicht zu. Es gibt Gremien, die etwas anordnen und sagen, wohin der Weg führt. Ich habe mich nur gewundert, dass man den Weg geht, obwohl immer wieder betont wird, dass man niemanden verurteilen darf, bevor man keine Beweise hat."
Wolf-Dieter Ressenig (Bild: ORF) Ressenig: "Jemand muss nach Rücktritten da sein"
Am Donnerstagnachmittag hat auch der geschäftsführende Obmann der Ulrichsberggemeinschaft, Wolf-Dieter Ressenig, die Absage des Heimkehrertreffens begründet. Dies sei aus Sicherheitsgründen erfolgt.

Ressenig sagte auf die Frage von ORF Kärnten-Redakteurin Birgit Rumpf-Pukelsheim, ob er nicht hätte zurücktreten sollen, um die Veranstaltung zu retten: "Ich habe meinen Rücktritt angeboten. Nachdem Präsident Gallob und Obmann Steinkellner zurückgetreten sind, muss ja jemand da sein. Der, der den Luftballon aufgeblasen hat, muss auch wieder die Luft auslassen. So eine Veranstaltung benötigt ja ein riesiges Equipment und einen großen persönlichen Einsatz, was nicht in ein paar Stunden bewerkstelligt werden kann."
Jahrezehntelange Konflikte
Die Gedenkstätte auf dem Ulrichsberg war über Initiative des damaligen Klagenfurter ÖVP-Vizebürgermeisters Blasius Scheucher errichtet und im Jahre 1959 eröffnet worden. Seit Jahrzehnten schwelen Debatten über das Treffen, da immer wieder Rechtsradikale und Ex-Nazis teilgenommen hatten.
Reaktionen auf Absage
Nach der Absage des umstrittenen Ulrichsbergtreffens hagelte es am Donnerstag Kritik von BZÖ und FPÖ in Kärnten. BZÖ-Landesparteiobmann sieht darin "keine gute Lösung, weil ein Gedenken der eigenen Geschichte weiterhin erlaubt sein muss".

FPÖ-Chef Harald Jannach ortete eine "mediale Hinrichtung" des in Verruf geratenen geschäftsführenden Obmann der Ulrichsberggemeinschaft, Wolf-Dieter Ressenig.

Die Grünen sahen in der Absage einen Erfolg des aufklärerischen Protests der Grünalternativen Jugend (GAJ).
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