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MI | 11.04.2012
Wörthersee-Stadion, Hypo-Arena (Bild: ORF)
SPORT
Stadion: Bund hat "keine Gelddruckmaschine"
Der Rückbau des Klagenfurter Fußballstadions auf 12.000 Plätze wird immer wahrscheinlicher. Der Bund ließ durchblicken, dass er "keine Gelddruckmaschine" habe, weshalb eine Erhöhung der zugesicherten Summe unwahrscheinlich erscheint.
Gemeinderat will Stadion in voller Größe, hat aber kein Geld dafür.
Kein Rückbau kostet bis zu 19 Millionen
Zwar hatte sich der Klagenfurter Gemeinderat am Dienstag mehrheitlich gegen einen Rückbau der 30.000 Personen fassenden Hypo Group Arena ausgesprochen. Es solle lediglich bei Bundesligaspielen eine Beschränkung auf 18.000 Besucher geben. Diese Variante würde allerdings 17 bis 19 zusätzliche Euro-Millionen erfordern.
EM-Stadion Klagenfurt (Bild: APA/Eggenberger)
Der Bund will nur die vereinbarten 10,6 Millionen zahlen und nicht mehr.
Ministerium hält sich an vereinbarte Summe
Da die Stadt kein Geld hat, ließe sich diese Variante nur verwirklichen, wenn der Bund für die gesamten Kosten aufkommen würde. Aus dem Büro von Sportminister Norbert Darabos (SPÖ) winkt man allerdings ab.

"Wir halten uns an die erst vor wenigen Monaten auf höchster Ebene getroffene Vereinbarung", sagte Stefan Hirsch, der Pressesprecher des Sportministers am Mittwoch. Er ließ auch durchblicken, das Sportbudget sei "längst ausverhandelt" und betonte, dass auch der Bund "keine Gelddruckmaschine" habe.

Der Bund scheint also nicht gewillt, mehr als die im vergangenen Dezember vereinbarten 10,6 Millionen Euro zu bezahlen. Diesen Betrag hatte der damalige Staatssekretär Reinhold Lopatka (ÖVP) dem Klagenfurter Ex-Bürgermeister Harald Scheucher (ÖVP) im vergangenen Jahr für den damals vereinbarten Rückbau des Stadions auf 22.000 Plätze zugesichert.
Stadion von oben (Bild: Polizei)
Die damalige Vereinbarung mit dem Bund sei lediglich eine politische Vereinbarung und kein
rechtswirksamer Vertrag, heißt es.
Für Stadt ist Vereinbarung nicht bindend
Für Bgm. Christian Scheider (BZÖ) und Sportstadtrat Manfred Mertel (SPÖ) ist die damalige Vereinbarung mit dem Bund nicht festzementiert: Da es sich dabei lediglich um eine politische Vereinbarung und keinen
rechtswirksamen Vertrag handle, sehe die Stadt diese als nicht bindend an, heißt es in einer Aussendung. Für die Stadt hätten die Förderverträge von 2005 weiterhin Gültigkeit. Darin heiße es, dass im Falle eines Rückbaus auf 12.000 Plätze, die Rückbaukosten vom Bund getragen werden.

Die Mehrheit der Klagenfurter Stadtregierung hofft weiter, dass der Bund bis 31. Juli noch überzeugt werden kann, die Kosten zu übernehmen, damit das Stadion in seiner jetzigen Größe bestehen bleiben kann.

Die Klagenfurter wollen auch mit dem Argument punkten, dass Österreich mit der Hypo Group Arena neben dem Wiener Happel-Stadion eine weitere Spielstätte für große Länderspiele hätte. Allerdings gibt es für Verhandlungen mit dem Bund noch nicht einmal einen Termin.
Vor dem Spiel im neuen Stadion (Bild: ORF)
Rückbau würde jährlich 50.000 Euro sparen.
Rückbau wurde den Anrainern versprochen
Sollte sich der Bund allerdings unnachgiebig zeigen, müsste das Stadion auf 12.000 Plätze rückgebaut werden. Ein solcher Rückbau ist vertraglich vorgesehen und war der Bevölkerung seinerzeit auch versprochen worden. Erst nach dem Event wollten die verantwortlichen Politiker davon nichts mehr davon wissen.
Bisher 4,8 Millionen Leasingkosten
Der Rückbau würde auch Vorteile mit sich bringen: Eine möglicherweise langwierige Umweltverträglichkeits-Prüfung bliebe erspart. Man würde sich jährlich zusätzliche Betriebskosten von schätzungsweise 50.000 Euro ersparen.

Allerdings würden dann auch die mit der Baufirma vereinbarten Leasingkosten für den bisher nur gemieteten Oberbau fällig werden. Das heißt, die Stadt muss der Baufirma für jeden Monat seit Ende der Fußball-EM mehr als 400.000 Euro bezahlen. Bis jetzt beläuft sich die Gesamtsumme bereits auf 4,8 Millionen Euro. Geld, welches das Stadtsäckel zusätzlich belasten würde.
Klagenfurter Grüne überlegen Klage gegen Ex-Bürgermeister Scheucher.
"Bürgermeister handelte grob fahrlässig"
Die Klagenfurter Grünen betonten in einer Aussendung am Mittwoch, dass sie als einzige Partei von Anfang an die Variante 12.000 unterstützt und beim Beschluss am Dienstag nicht mitgestimmt hätten. Massive Kritik übte Gemeinderat Matthias Köchl von den Grünen auch an Alt-Bürgermeister Harald Scheucher.

"Scheuchers Entscheidungsunfähigkeit hat den Steuerzahler 4,4 bis 4,8 Millionen Euro gekostet. Die Leasing- und Mietgebühren für das vergrößerte Stadion sind nunmehr seit fast einem Jahr fällig", so Köchl. Der Grüne Gemeinderat überlegt nun eine Klage gegen Harald Scheucher, da er dessen Vorgangsweise "nachweislich als grob fahrlässig" empfindet.
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