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MI | 11.04.2012
Heraklith-Werk Ferndorf (Bild: ORF)
Wirtschaft
Heraklith-Produktion Ferndorf ist Geschichte
Nach wochenlangen Verhandlungen und der über den Betriebsrat verhängten Schweigepflicht, steht es seit Mittwoch fest: Die Steinwolle-Produktion des ehemaligen Heraklith-Werkes in Ferndorf wird eingestellt.
90 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeitsplätze
Jahrzehntelang hatte das Unternehmen als federführend in der Branche gegolten. In seiner Blütezeit beschäftigte das Werk 750 Mitarbeiter. Für die kleine Gemeinde Ferndorf ist das ein schwerer Schlag. 90 Mitarbeiter verlieren durch die Schließung des ehemaligen Vorzeigebetriebes ihre Arbeitsplätze.
Thorsten Dambly (Bild: ORF)
Dambly: Produktion in Osteuropa ist billiger.
Für die Schließung des Werkes hat Geschäftsführer Thorsten Dambly - ein Mann im Designeranzug - eine einfache Erklärung: Die Produktion in Osteuropa sei eben billiger - so steht es zumindest in einer Aussendung der Geschäftsführung. Für eine Stellungnahme vor dem Mikrofon war Dambly nicht erreichbar.

Eine Auswirkung auf die Kunden werde die Umstrukturierung nicht haben, heißt es in einer Aussendung weiter. 28 Jahre lief die Produktion, am Mittwoch stellte die deutsche Knauf Isolationsgruppe, die das Heraklithwerk im Jahr 2006 übernommen hatte, die Produktion von Steinwolleprodukten ein.
Insulation Werk in Ferndorf (Bild: ORF)
Letzte Platte verließ um 6.27 Uhr die Halle
Betriebsrat Bruno Walker konnte eine gewisse Wehmut nicht verhehlen: "Gestern in der Früh um 6.27 Uhr ist die letzte Platte aus der Produktion herausgefahren." Für ihn sei es ein "komisches Gefühl" gewesen, da er auch bei der Produktion der ersten Heraklith-Platte schon dabei gewesen war.

90 Mitarbeiter sind von der Schließung betroffen. Vorwiegend sind es Männer, die jahrelang dort gearbeitet und den Betrieb mit aufgebaut haben. Das Einzige, was davon bleibt, sei die Erkenntnis, dass das Gewinndenken schlussendlich keine Menschlichkeit zulässt, klagten die Mitarbeiter.
Heraklith-Mitarbeiter (Bild: ORF)
Die Mitarbeiter hoffen auf Geld aus einer Stiftung, um sich beruflich weiterbilden zu können.
Betroffene werden über Stiftung versorgt
"Angesichts der herrschenden Wirtschaftslage ist die große Hoffnung der meisten der Zugang zur Stiftung, damit Sie eine Weiterbildung bekommen, um einen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt finden zu können." Wie immer bei solchen Standortschließungen habe die Politik wenig mitzureden, sagte der Betriebsrat.

Aus einem Topf mit Stiftungsgeldern - genannt wurden 200.000 Euro - werden die Betroffenen jetzt drei Jahre lang weiter versorgt. Eine bestehende Arbeitsstiftung soll dazu von 20 auf insgesamt 130 Personen aufgestockt werden, teilte LHStv. Reinhard Rohr (SPÖ) bereits Ende Februar mit. LHStv. Uwe Scheuch (BZÖ) sagte damals, er habe mit dem AMS bereits die Vorbereitungen für die Aufnahme der Mitarbeiter in eine Arbeitsstiftung getroffen.
Holzwolle-Platten werden weiter produziert
Seit 1924 werden in dem Werk auch Holzwolle-Platten entwickelt und produziert. Diese Produktion soll fortgeführt werden. Das wurde in einer Sitzung zwischen Betriebsrat, Werksleitung und Geschäftsführung vereinbart. In dieser Abteilung sind 108 Mitarbeiter beschäftigt.
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