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MI | 11.04.2012
DRAUBRUECKE IN "JOERG-HAIDER-BRUECKE" UMBENANNT (Bild: APA/Gert Eggenberger)
POLITIK
"Jörg Haider-Brücke" ist jetzt Realität
Fünf Wochen vor der Landtagswahl wurde im Kärntner Unterland die Lippitzbachbrücke in "Jörg-Haider Brücke" umbenannt. Ein Festakt, der deutlich die Handschrift von LH Gerhard Dörfler trug.
Der Zeitpunkt zur Brückenumtaufe war bewusst gewählt, am Montag hätte der tödlich verunfallte Jörg Haider seinen 59. Geburtstag gefeiert.
Dörfler: "Brücke für die Ewigkeit"
Dörfler sprach am Sonntag vor 700 Festgästen von einer "Brücke der Begegnung" und einer "Brücke für die Ewigkeit". Kritikern richtete er aus, dass auch nach dem ehemaligen Bundeskanzler Bruno Kreisky Plätze und Straßen benannt seien. Und was Kreisky verdiene, stehe auch Haider zu, meinte Dörfler.

Neben dem Landeshauptmann traten noch Landtagspräsident Josef Lobnig (BZÖ) und der Stiftspfarrer von Gurk, Gerhard Kalidz, als Festredner auf. BZÖ-Landesparteichef Uwe Scheuch oder andere BZÖ-Granden aus dem Bund ließen sich nicht blicken.
DRAUBRUECKE IN "JOERG-HAIDER-BRUECKE" UMBENANNT (Bild: APA/Gert Eggenberger)
Straßenbaureferent kann Umbenennungen im Alleingang anordnen.
Regierungsbeschluss nicht erforderlich
Dörfler verfügte als Straßenbaureferent des Landes im Alleingang über die Umbenennung. Einen Regierungsbeschluss gab es dazu nicht, ein solcher war auch nicht nötig: In der Geschäftsordnung der Kärntner Landesregierung gibt es rund 50 Entscheidungen, für die ein kollegialer Regierungsbeschluss erforderlich ist. Die Namensgebung von diversen Bauwerken gehört nicht dazu.

Diese kann vom zuständigen Referenten "eigenmächtig" verfügt werden, sofern das Bauwerk dem Land Kärnten gehört. Das ist bei der ehemaligen "Lippitzbachbrücke" der Fall - obwohl ausgerechnet für dieses Bauwerk viele Bundesmittel verwendet wurden.
DRAUBRUECKE IN "JOERG-HAIDER-BRUECKE" UMBENANNT (Bild: APA/Gert Eggenberger) Kritik an Unbenennung blieb ungehört
Der EL-Vorsitzende Vladimir Smrtnik sieht in der Umbenennung von Bauten nach Politikern hingegen wenig Sinn. "Das erinnert stark an totalitäre Regime, die alles Mögliche nach ihren Führern zu benennen pflegen", kritisierte Smrtnik. Die Umbenennung einer Brücke, die mit Steuergeld finanziert wurde, sei "heller Wahnsinn", meinte der SJG-Landesvorsitzende Michel Raunig.

Als "unnotwendiges Schauspiel", bezeichnete die stellvertretende Landessprecherin der Grünen, Zalka Kuchling, den Festakt.
Brückenbau: Hohe Kosten führten immer wieder zu Verzögerungen.
Jahrelang hieß es: "Bitte warten"
Jahrzehntelang drängte die Bevölkerung von Bleiburg darauf, dass die alte Holzbrücke über die Drau durch eine neue ersetzt werden möge.

100 Meter tief in einer Schlucht gelegen, war die alte Draubrücke mit ihrem rumpeligen Holzbelag nur über Serpentinen zu erreichen und für Lkw praktisch unpassierbar. Auch mit dem Wachstum der Mahle-Fabrik in St. Michael ob Bleiburg wurde der Wunsch nach einer neuen Anbindung an die Südautobahn immer drängender. Doch die Kosten von knapp zehn Millionen Euro waren für das Landesbudget ein großer Brocken, lange, war er zu groß.
DRAUBRUECKE IN "JOERG-HAIDER-BRUECKE" UMBENANNT (Bild: APA/Gert Eggenberger)
Die neue "Jörg-Haider-Brücke" am 25. Jänner 2009 - dem Tag ihrer Umbenennung.
Haider drängte die "HL-AG", einen Teil des Geldes für den Bau der Brücke zu verwenden.
Haider: Geld für Koralmtunnel abgezweigt
Da traf es sich gut, dass in dieser Zeit auf Drängen Kärntens und seines damaligen Landeshauptmannes Jörg Haider der Beschluss zum Bau des Koralm-Bahn-Tunnels fiel. Dies eröffnete auch für die Brücke neue Finanzierungsmöglichkeiten: Haider drängte die "HL-AG", einen Teil des Geldes für den Bau der Brücke zu verwenden.

Sein Argument: Durch kürzere Transportwege würden sich die ÖBB bei der Errichtung des Tunnels hohe Baukosten sparen. Fazit: Die "HL-AG", jetzt ÖBB, schoss zu den Baukosten von 9,5 Millionen Euro drei Millionen dazu.
Lippitzbachbrücke (Bild: ORF Kärnten) Imposant: 455 Meter lang, 96 Meter hoch...
Kritiker behaupteten zwar, das Geld sei abgezweigt worden - was auch zu einer Anfrage im Parlament führte - doch das Ergebnis war imposant: 455 Meter lang und auf vier Stützen, erhebt sich die Brücke an ihrer höchsten Stelle 96 Meter über dem Bodengrund.

Mit ihr wurde nicht nur der Bleiburger Raum enger an die Verkehrsader Südautobahn angebunden, auch der Transitverkehr in Richtung Slowenien fließt nicht mehr über Völkermarkt. Die Bezirksstadt besitzt noch keine Umfahrung, sodass der gesamte Schwerverkehr immer noch neben dem Hauptplatz entlangrollt.
Die Kärntner Grünen, die Sozialistische Jugend und Kärntner Einheitsliste kritisieren Vorgangsweise.
Betondecke orange eingefärbt
Beim Bau der Brücke wurde in die Betondecke ein Abschnitt in der Farbe Orange mit aufgetragen, der des damals neuen BZÖ. Jetzt kam die Umbenennung der "Lippitzbachbrücke" in "Jörg Haider- Brücke" hinzu.

Die Kärntner Grünen, die Sozialistische Jugend und die Kärntner Einheitsliste kritisierten vorab, dass nun wieder die Parteipolitik im Mittelpunkt stehe und Jörg Haider "für den Wahlkampf herhalten" solle. Landeshauptmann Dörfler bestritt das: Ohne Haider, den "Brückenbauer" hätte es das Bauwerk gar nicht gegeben.
Der Lippitzbach floss immer schon anderswo
Dabei lag im Namen Lippitzbachbrücke offenbar schon immer die Crux: Weder die alte, noch die neue Brücke führen über den Lippitzbach. Der Lippitzbach ist ein Quellrinnsal und kleines Fischgewässer, das in den Wölfnitzbach fließt und dieser mündet wiederum in die Drau.
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