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MI | 11.04.2012
Gert Jonke (Bild: APA/Barbara Gindl)
Todesfall
Schriftsteller Gert Jonke gestorben
Der in Kärnten geborene Schriftsteller Gert Jonke ist Sonntagfrüh im Alter von 62 Jahren in einem Wiener Krankenhaus gestorben. Das gab sein Verlag Jung und Jung bekannt. Er ist einer Krebserkrankung erlegen.
Jonke wusste seit Sommer von seiner schweren Erkrankung. Mit großer Disziplin hatte er in den vergangenen Wochen noch zahlreiche Termine absolviert. "Vor allem die Nestroy-Preisverleihung hat ihm viel bedeutet", so seine Lektorin. Am 8. Februar wäre Gert Jonke 63 Jahre alt geworden.
Gert Jonke (Bild: APA/DPA - Stache)
Lebenslauf von Gert Jonke
Gert Jonke wurde 1946 in Klagenfurt geboren. Er besuchte hier das Gymnasium und lernte nebenbei Klavier am Landeskonservatorium.

In seiner Jugend war er fasziniert von den Gedichten Georg Trakls und wurde von der Musikleidenschaft seiner Mutter geprägt.

Nach der Matura studierte er in Wien Germanistik, Geschichte, Philosophie und Musikwissenschaft. Er war von Beginn an der Ansicht, dass Dichtung und Musik sehr viel miteinander zu tun haben.
Nach den Jahren an der Universität ging er nach Deutschland, wo er in der Hörspielabteilung des Süddeutschen Rundfunks in Stuttgart mitarbeitete. Es folgten Aufenthalte von Berlin bis Argentinien, bis Jonke als Stadtschreiber von Graz nach Österreich zurückkehrte.
Jonke (Bild: APA/Gindl)
Gert Jonke war einer der
wichtigsten Autoren der österreichischen Gegenwartsliteratur.
Unermüdlicher Sprachexperimentator
1969 kam sein erstes Buch "Geometrischer Heimatroman" auf den Markt, der ihn mit einem Schlag international bekannt machte. Er wurde zu einem der wichtigsten Autoren der österreichischen Gegenwartsliteratur.
Mit dem Text "Erster Entwurf zu einer sehr langen Erzählung" wurde Gert Jonke 1977 der erste Preisträger des neu geschaffenen Ingeborg-Bachmann-Preises.

Jonke schrieb Romane, Gedichte und Drehbücher. Er war auch einer der bekanntesten Hörspielautoren des ORF. In den vergangenen Jahren war er vor allem als Dramatiker tätig. Zuletzt erschien ein Band mit seinen gesammelten Stücken.
Zu seinem 60. Geburtstag vor knapp drei Jahren äußerte Jonke folgenden Wunsch.
Vielfach ausgezeichnet
Einen Überraschungseffekt einzubauen, gelang Jonke immer wieder. Er wurde im Laufe seiner Schriftstellerkarriere mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

So erhielt er 1997 der Erich-Fried-Preis und den Franz-Kafka-Literaturpreis, 2002 folgte der Große Österreichische Staatspreis für Literatur und 2005 der Kleist-Preis. 2006 folgte der Arthur-Schnitzler-Preis.

Erst vor wenigen Wochen war Jonke zum bereits dritten Mal mit dem Nestroy-Autorenpreis für sein Stück "Freier Fall" ausgezeichnet worden.
Viele Personen aus Kultur und Politik würdigten den verstorbenen Schriftsteller.
Jelinek: "Ein großer Sprachkünstler"
Tiefe Bestürzung löste der Tod Jonkes bei Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek aus, die ihren Kollegen in einer Reaktion gegenüber der APA würdigte: "Ein großer Sprachkünstler, einer der größten. Er hat mit der Sprache gespielt wie ein Kind mit Seifenblasen, aber es war keine Luft in den Blasen, da war ein sehr raffiniertes und genaues Denken drinnen und Kind war er auch keins, auch wenn er immer diese kindliche Freude an der Sprache gehabt hat", so Jelinek.

"Er konnte aus zwei, drei notierten Worten ein ganzes Universum entstehen lassen. Wie ein großer Jazzmusiker, der aus einem kleinen Thema eine raffiniert sich verzweigende Improvisation zustande bringen kann. Und er war ein genialer Vorleser seiner Texte (übrigens auch fremder Texte!)", schreibt Jelinek.
Mayröcker und Schindel tief betroffen
Als "großen Sprachkünstler und entzückenden Menschen" würdigte der Autor Robert Schindel den verstorbenen Jonke gegenüber der APA. "Es tut sehr weh, dass er so vorzeitig gegangen ist. Wir haben einen großen Dichter verloren."

Friederike Mayröcker übermittelte der APA eine lyrische Reaktion auf Jonkes Tod: "Da ist mein Schmerz, er widersetzt sich: es darf nicht sein es soll nicht Wahrheit sein: er war ein Freund sein schmerzlich lächelndes Gesicht wenn ich ihn traf, ich traf zuletzt ihn in der Straße, er war in Eile, eilte fort. Dahin, der große Dichter. Ich wink ihm nach." [Mayröckers individuelle Zeichensetzung ist beabsichtigt, Anm. d. Red.]
Auch Muttonen und Fuhrmann kondolieren
Auch auf politischer Seite herrscht Trauer: ÖVP-Kultursprecherin Silvia Fuhrmann zeigte sich in einer Aussendung tief betroffen: "Österreich verliert mit Jonke einen bedeutenden Schriftsteller, der mit seinen Erzählungen, Romanen und Theaterstücken viele Menschen erreicht und berührt hat", so Fuhrmann.

Für SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen ist Jonkes Werk "eine Bereicherung der österreichischen Theaterszene, seine Sprachexperimente haben stets neue Maßstäbe gesetzt."
Dobernig: "Großer Künstler"
Kulturreferent Harald Dobernig (BZÖ) sagte in einer Aussendung: "Österreich verliert einen bedeutenden Schriftsteller, Kärnten einen großen Literaten, der über die Grenzen hinaus Bedeutung erlangte." Er lobte zudem die stets kritische Art des Künstlers.
IG Autoren: "Freund und Kollege, wie man sich ihn nur wünschen konnte"
Mit "Ein Freund und Kollege, wie man sich ihn nur wünschen konnte" betiteln die IG Autorinnen und Autoren in einer Aussendung ihren Nachruf auf Gert Jonke. "Ob er mehr literarischen Erfolg hatte oder weniger, Gert Jonke war ein stets verlässlicher Freund und ein ebenso genauer Beobachter der kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen wie ein umsichtiger Teilnehmer am kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Leben."

"Er war sicher keiner der lautesten und ersten Sprecher gegen gesellschaftliche Negativentwicklungen, aber einer der überzeugendsten und überzeugtesten", so Geschäftsführer Gerhard Ruiss.

Jonke habe es sich nicht leicht gemacht, er habe "immer wieder von Neuem angefangen, von Stück zu Stück, von Text zu Text. Er hat nicht nur von Zeit zu Zeit mit gesundheitlichen Schwierigkeiten, er hat genauso um seine Texte und Stücke gerungen und gekämpft."
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