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MI | 11.04.2012
Günter Striedinger, Hypo-Prozess (Bild: ORF)
Gericht
Hypo-Prozess ging in die nächste Runde
Am Landesgericht Klagenfurt wurde am Mittwoch der Hypo-Prozess fortgesetzt. Angeklagter Günter Striedinger hätte sich wegen des Vorwurfs der Bilanzfälschung verantworten sollen, erschien aber nicht selbst vor Gericht.
Gegen Günther Striedinger wurde die Verhandlung am Mittwoch fortgesetzt.
Für zwei Angeklagte ist der Prozess vorbei
Für zwei der drei Angeklagten ist der Prozess bereits vorbei: Wolfgang Kulterer ist wegen Bilanzfälschung rechtskräftig zu einer Geldstrafe von 140.000 Euro plus Verfahrenskosten verurteilt worden, Thomas Morgl ist ohne Verurteilung davongekommen, muss aber als außergerichtlichen Tatausgleich 114.000 Euro zahlen.

Der dritte Angeklagte, Günter Striedinger, muss sich weiter wegen des Vorwurfs der Bilanzfälschung verantworten. Er hatte bisher oft scheinbar gelangweilt auf der Anklagebank Platz genommen. Am Mittwoch blieb dieser Platz leer. Striedinger sei beruflich in Kroatien unabkömmlich, ließ er seinen Verteidiger ausrichten.
"...vergleichbar mit einem Kleinflugzeug, das ohne Blindfluggerät im dichten Nebel fliegt."
Schwere Vorwürfe der Finanzmarktaufsicht
Der Prozess wurde auch ohne den Angeklagten mit Zeugeneinvernahmen fortgesetzt. Als erster war Kurt Pribil, der Leiter der Finanzmarktaufsicht (FMA), an der Reihe. Zu den Währungsspekulationen der Hypo sagte er, dies sei vergleichbar mit einem Kleinflugzeug, das ohne Blindfluggerät im dichten Nebel fliegt.

In Bezug auf Striedinger betonte Pribil die Gesamtverantwortung des Vorstands. Zu dieser gehöre, dass im Falle so hoher Verluste auf jeden Fall sofort Wirtschaftsprüfer, die Aufsichtsräte und die Finanzmarktaufsicht informiert werden müssten. Das sei im Fall der Hypo aber nicht geschehen. Als Vorstandsmitglied hätte Striedinger zumindest alle Informationen über die Verluste einholen müssen, betonte Pribil.
Kulterer wäre von der FMA enthoben worden
Übrigens bestätigte Pribil auch, dass der bereits wegen Bilanzfälschung verurteilte Wolfgang Kulterer mit seinem Rücktritt aus dem Hypo-Vorstand einer Enthebung durch die Finanzmarktaufsicht nur zuvorgekommen sei.
Moser gab zu, dass ihn Kulterer erstmals im April 2005 informiert, hätte. Er habe aber auch versichert, dass alles in Ordnung sei.
"Im Nachhinein schaut alles oft anders aus"
Als zweiter Zeuge sagte der Ex-Aufsichtsratspräsident der Hypo, Karlheinz Moser aus. Der Wirtschaftsprüfer hat einst jahrelang auch die Hypo geprüft. Er sagte aus, dass ihn Wolfgang Kulterer - kurz nach seiner Bestellung zum Aufsichtsratspräsidenten im April 2005 - erstmals über die Spekulationsverluste informiert hätte.

Auf die Frage des Richters, warum er nicht sofort darauf reagiert und den gesamten Aufsichtsrat informiert habe, sagte Moser, Kulterer habe ihm glaubhaft versichert, dass alles in Ordnung sei und dass sich der Stand der Verluste verbessere. Er habe daran keinen Zweifel gehabt.

"Und das, obwohl sie ein erfahrener Wirtschaftsprüfer sind?", fragte der Richter. Moser entgegnete: "Ich glaube, dass wir im Aufsichtsratsvorstand unsere Aufgabe gewissenhaft durchgeführt haben - im Nachhinein schaut die Welt freilich oft anders aus."
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