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MI | 11.04.2012
BZÖ-Landesparteitag; Parteiobmann Uwe Scheuch (Bild: APA / Eggenberger)
Politik
BZÖ-Parteitag: 96,2 Prozent für Uwe Scheuch
Uwe Scheuch ist beim außerordentlichen Landesparteitag des Kärntner BZÖ am Samstag im Konzerthaus Klagenfurt mit einer breiten Mehrheit von 96,2 Prozent zum Landesparteiobmann gekürt worden.
Insgesamt gab es 14 Gegenstimmen für den 39-jährigen Land- und Forstwirt aus Mühldorf in Oberkärnten, 360 Delegierte waren wahlberechtigt.

Scheuch war bereits am Tag des Ablebens von Haider zum designierten Landesparteichef ernannt worden. Gegenkandidaten gab es nicht.
Scheuch: Großer Vertrauensvorschuss
Der 39 Jahre alte Scheuch tritt somit in dieser Funktion die Nachfolge des im Oktober bei einem Autounfall am 11. Oktober verstorbenen Jörg Haider an. In einer ersten Reaktion sprach Scheuch von einem "großen Vertrauensvorschuss" der Delegierten.

"Wir werden mit sicherem Verstand und mit einem guten Maß an Vertrauen, das ihr in uns setzt, dafür Sorge tragen, dass sich Kärnten, das Land, die Heimat und unsere Gesinnungsgemeinschaft und die Werte für die wir stehen, in eine gute Zukunft entwickeln werden", sagte der neue Parteiobmann.
BZÖ-Landesparteitag; Parteiobmann Uwe Scheuch (Bild: APA / Eggenberger)
Der neue Parteiobmann mit LH Gerhard Dörfler (li.) und Landtagspräsident Josef Lobnig (re.).
LH-Kandidat Gerhard Dörfler
Spitzenkandidat für die Landtagswahl im Frühjahr 2009 soll aber Landeshauptmann Gerhard Dörfler sein, kündigte Scheuch in seiner Antrittsrede an: "Ich werde dafür sorgen, dass du 2009 Landeshauptmann wirst."

Man rede nicht täglich über Gemeinsamkeiten, man lebe die Gemeinsamkeit, beschrieb Scheuch sein Verhältnis zu Dörfler, das in manchen Medien in den vergangenen Wochen als angespannt beschrieben wurde. "Es geht kein Blatt Papier zwischen uns", betonte auch der angesprochene Dörfler.
BZÖ-Landesparteitag; LH Gerhard Dörfler, Parteiobmann Uwe Scheuch (Bild: APA / Eggenberger)
"Es geht kein Blatt Papier zwischen uns", sagte Dörfler über sein Verhältnis zum neuen Parteiobmann.
Ortstafeln: Weg weitergehen
In der Frage der zweisprachigen Ortstafeln in Südkärnten will Scheuch "den eingeschlagenen Weg weitergehen". Es müsse ein für alle Mal klargestellt sein, dass Kärnten den Staatsvertrag erfüllt habe. Ebenso klar müsse aber auch sein, dass das Zusammenleben zwischen Mehrheits- und Minderheitsbevölkerung "über weite Strecken friktionsfrei" verlaufe.

Auch das Thema Zuwanderung und Kriminalität fand Eingang in die Rede Scheuchs. "Wir haben die geringste Kriminalität und Zuwanderung und am wenigsten Asylwerber. Solange ich diese Partei führe, wird es so bleiben", erklärte der Parteichef.
Harald Dobernig, BZÖ (Bild: APA/Barbara Gindl)
Nun auch Parteiobmannstellvertreter: Harald Dobernig.
Vier Stellvertreter für Scheuch
Scheuch wurden vier Stellvertreter zur Seite gestellt. Dabei handelt es sich um die Landtagsabgeordneten Martin Strutz, Christian Ragger, Wilma Warmuth und den Neo-Landesrat Harald Dobernig.

In einer offenen Abstimmung wurden die vier in einem Wahlgang mit nur einer Gegenstimme von den 360 Delegierten gewählt. Neu als Stellvertreter ist lediglich Dobernig, der nach einer steilen politischen Karriere nun auch in der Parteihierarchie nach oben steigt. Er nimmt jenen Platz ein, den bisher Scheuch innehatte.
Verschwörungstheorien bezeichnete Claudia Haider als "krause Gedanken, geboren aus einem verwirrten Geist".
Im Zeichen des Gedenkens an LH Haider
Die Veranstaltung stand zu Beginn im Zeichen des Gedenkens an den verstorbenen Parteichef und Landeshauptmann Jörg Haider. Haiders Witwe Claudia wurde vom Publikum mit stehenden Ovationen begrüßt.

Mit einer kurzen, aber sehr persönlichen Ansprache wandte sich Haider an die Delegierten. "Hier zu stehen, war immer das Seine und nicht das Meine", erteilte Haider allen Hoffnungen, dass sie sich selbst in die Spitzenpolitik wagen werde, erneut eine deutliche Absage.
BZÖ-Landesparteitag; Witwe Claudia Haider (Bild: APA / Eggenberger)
Veranstaltungsauftakt im Zeichen des verstorbenen LH Haider.
Claudia Haider: "Er fehlt"
"Er fehlt", drückte die Witwe aus, was sich wohl viele der 360 Delegierten und der zahlreichen Gästen dachten. In sehr persönlichen Worten beschrieb sie ihr Erleben vom Erhalten der Nachricht des Todes ihres Ehemanns. Sie bedankte sich bei allen, die ihre Anteilnahme ausgedrückt hatten, und bei den Schreibern der rund 3.000 Kondolenzbriefe.

Haider bekräftigte auch ihre Meinung zu Verschwörungstheorien und diesbezüglichen Medienberichten rund um den Tod ihres Mannes. "Das sind krause Gedanken, geboren aus einem verwirrten Geist", sagte Haider.
Neue Ära: "In seinem Geist mit neuer Kraft"
Mit einem Manifest mit dem Titel "In seinem Geist mit neuer Kraft" wurden die Anhänger im randvollen Konzerthaus auf eine neue Ära eingeschworen. Die Parteispitze zeigte von Beginn an demonstrative Einigkeit.
Josef Lobnig (Bild: APA/Eggenberger) Lobnig: Mensch steht im Mittelpunkt
Landtagspräsident Josef Lobnig betonte "das Feuer und die Kraft", die im Raum vorherrsche. "Das ständige Bemühen, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, sollte auch in Zukunft Auftrag sein", sagte Lobnig.
Gerhard Dörfler (Bild: ORF)
Der große Reichtum Kärntens seien "die kleinen Sonnenstrahlen", sagte LH Dörfler.
Dörfler: Wir in Kärnten wissen, was wir tun
In Anlehnung an seinen Satz am Todestag Haiders, wonach die Sonne in Kärnten vom Himmel gefallen sei, meinte Landeshauptmann Dörfler, dass der große Reichtum des Landes "die kleinen Sonnenstrahlen" seien. Nun gelte es "aus vielen kleinen Sonnenstrahlen wieder eine große Sonne zusammenzuschweißen", sagte Dörfler.

In seiner Rede verteidigte Dörfler sein Verweigern eines Lokalaugenscheins der Grün-Abgeordneten Alev Korun am Freitag in der "Sonderanstalt" für Asylwerber auf der Saualm mit dem Verweis, dass "wir in Kärnten schon wissen, was wir tun".

"Die Wiener" sollen sich nicht in "Kärntner Fragen" einmischen und vorschreiben, was Menschenrechte seien. "Ein Menschenrecht ist, dass eine Frau die Handtasche mit sich tragen kann, wie vor 2.000 Jahren", so Dörflers Vergleich.
Heftige Kritik an Gertraud Knoll
Heftig kritisierte Dörfler auch den Austritt der ehemaligen Superintendentin und nunmehrigen SPÖ-Politikerin Gertraud Knoll aus der evangelischen Kirche. Sie hatte sich an einem Hirtenbrief des Kärntner Superintendenten Manfred Sauer gestoßen, der ihrer Meinung nach den verstorbenen Haider zu sehr gelobt hatte.

Knolls Schritt sei "herzlos" gewesen, so zu reagieren hieße, "an nichts zu glauben", sagte Dörfler.
SPÖ: BZÖ-Parteitag orientierungslos
Der BZÖ-Parteitag präsentierte sich rückwärts gewandt und orientierungslos, sagte SPÖ-Landesgeschäftsführer Gerald Passegger in einer Aussendung. "Statt Zukunft und Visionen standen Vergangenheit und Rückblick im Mittelpunkt", so Passegger.

Scheuch habe aber mit 96,2% der Stimmen ein herzeigbares Ergebnis erzielt, was die SPÖ-Kärnten neidlos anerkenne, erklärte Passegger.
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