Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Der ehemahlige Hypo-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Kulterer, 10. Juli 2007, U-Ausschuss (Bild: APA / Eggenberger)
Gericht
Knalleffekt: Kulterer in Hypo-Prozess belastet
Knalleffekt im Prozess gegen die drei Angeklagten im Hypo-Prozess am Landesgericht Klagenfurt: Eine ehemalige Mitarbeiterin der Hypo hat Ex-Vorstand Wolfgang Kulterer schwer belastet. Dieser bestritt die Vorwürfe.
"Ich musste einen Swap-Bericht rückdatieren"
Mit Fortdauer der Zeugeneinvernahme wurde Wolfgang Kulterer zunehmend blasser im Gesicht. Immerhin wiegen die Vorwürfe einer Ex-Mitarbeiterin gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Hypo schwer.

Die Frau war in der Bank für die Erstellung der Jahresbilanz zuständig gewesen. Sie sagte aus, Kulterer habe sie einen Tag nach dem öffentlichen Bekanntwerden der Spekulationsverluste - also im Frühjahr 2006 - angewiesen, sie solle eine Stellungnahme zur Bilanzierung verfassen. Das habe sie binnen einer halben Stunde getan.

Auf Kulterers ausdrückliche Anweisung habe sie das Schreiben aber um ein Jahr, auf März 2005, rückdatieren müssen. Aus Angst, dies könnte später gegen sie verwendet werden, habe sie Kulterer noch gebeten die Stellungnahme zu unterschreiben. Kulterers Unterschrift steht tatsächlich auf dem Schreiben, er bestreitet aber die Angaben der Zeugin. Ihm sei es unerklärlich, wie sie binnen einer halben Stunde eine solche Stellungnahme verfassen hätte können, so der Angeklagte.
Wolfgang Kulterer (Bild: ORF)
Neuerliche Swap-Geschäfte 2007
Zur Jahresbilanz selbst sagte die Frau, sie habe diese im guten Glauben erstellt, wonach die 300 Millionen Verlust aus Währungsspekulationen nicht in der Bilanz verbucht werden müssen. Dabei habe sie sich auf die Angaben der für die Spekulationsgeschäfte zuständigen Abteilungen verlassen müssen. Zweifel seien ihr erst im Jahr 2006 gekommen, als sie einen externen Bilanzierungsexperten hinzugezogen habe.

Für Aufsehen im Gerichtssaal sorgte auch die Begründung der Zeugin, warum sie die Bank im Vorjahr verlassen hatte: Im Frühjahr 2007 habe es in der Hypo nämlich erneut einen Fall mit Spekulationsgeschäften gegeben, der wiederum an der Bilanzabteilung vorbeigeschleust worden sei. Wiederum sei die Angelegenheit ihr gegenüber falsch dargestellt worden, so dass die Daten erneut falsch ausgewiesen worden seien.

Danach habe sie den zuständigen Vorstand informiert, dieser schaltete schließlich die interne Revision ein. Der angeklagte Wolfgang Kulterer war bei diesem zweiten Fall allerdings nicht mehr Vorstand der Hypo gewesen.
Auch Staatskommissärin sagte aus
Am Freitagnachmittag war die für die Hypo bestellte Staatskommissärin als Zeugin vor Gericht geladen. Von den Spekulationsverlusten sei die längste Zeit nur das Präsidium des Aufsichtsrates informiert gewesen. Auf die Frage, ob man das nicht an alle Aufsichtsratsmitglieder weiterleiten hätte müssen, antwortete die Zeugin mit "natürlich".
Hypo: Geschäft in Bilanz richtig dargestellt
Zu den Spekulationsverlusten von 2007 hielt die Hypo am Freitag in einer Aussendung fest, es handle sich dabei um ein Einzelgeschäft, das aufgelöst und in der Bilanz richtig dargestellt worden sei. Die Bank habe zuverlässig Vorsorge getroffen, dass derartige Transaktionen nun nicht mehr möglich seien.
Ganz Österreich
Kärnten News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News