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MI | 11.04.2012
Streitkultur Logo 21.03 Uhr (Bild: ORF)
Streitkultur
Männer mit eingeschränktem Rollenbild
Die Rolle des Mannes war anlässlich des Weltmännertages Thema der Radio-Kärnten-Sendung "Streitkultur" am Montagabend. Dabei wurde klar, dass Männer neben ihrer Aufgabe als Familienernährer kaum andere Rollen besitzen.
Während die Frauen über Jahrzehnte durch die Emanzipationsbewegung ihren Wünschen und Forderungen Ausdruck gegeben haben, haben Männer nicht gelernt, neue Rollenbilder zu entwickeln, war der Tenor in der Streitkultur.
Ute Liepold; Autorin; Philosophin (Bild: ORF/Kopeinig) Liepold: Junge Männer sind verunsichert
Die Autorin Ute Liepold verwies auf eine Studie, die belegt, dass junge Männer in erster Linie verunsichert sind:

"Der Impuls kam natürlich aus der Frauenbewegung der 70-er Jahre, da sind die Männer ja auch geistig mitgezogen. Die 20-Jährigen sind ja nicht stehen geblieben, aber sie wissen nicht, auf welche Muster sie zurückgreifen können."
Günther Nagele; Soziologe (Bild: ORF/Kopeinig) Frauen bilden Netzwerke für Hilfe
Frauen haben über Generationen im Umgang und der Versorgung der Familie gelernt, sich ein Netz an Hilfe zu organisieren, sagte der Soziologe Günther Nagele: "Das heißt, Frauen haben über Generationen hinweg das Sprechen über Probleme gelernt, sie sind im Stande, so etwas auszudrücken und sie sind im Stande Hilfe zu organisieren. Männer haben das einfach nicht gelernt."
In Ermangelung anderer Vorbilder orientieren sich die Männer unserer Gesellschaft immer noch am Rollenbild des Mannes vor dem ersten Weltkrieg, sagte Nagele.
Kriege brachten väterlose Gesellschaft
Nagele sprach auch von der "väterlosen Gesellschaft". Zu Beginn des 19. Jahrhunderts sei die Rolle des Mannes die des Familienernährers gewesen. Mit dem ersten und zweiten Weltkrieg seien viele Familien väterlos geworden. In Ermangelung anderer Vorbilder orientieren sich die Männer unserer Gesellschaft daher am Rollenbild des Mannes vor dem ersten Weltkrieg. Neue Rollenbilder müssten erst entwickelt werden, sagte Nagele.

Dazu müssten aber Politik und Wirtschaft erst die geeigneten Rahmenbedingungen schaffen, etwa damit eine Väterkarenz oder Väterteilzeitarbeit auch wirtschaftlich möglich werde.
Christian Scheider; BZÖ; Sozialreferent Klagenfurt (Bild: ORF/Kopeinig) Scheidungen: Männer treten auf der Stelle
Das eingeschränkte Rollenbild des Mannes zeigt sich auch bei Beratungen, sagte der Klagenfurter Sozialreferent Christian Scheider (BZÖ). Nach einer Scheidung etwa wüssten Frauen bald, wie es weiter gehen kann.

Männer treten in solchen Situationen einfach nur auf der Stelle, sagte Scheider: "Die kommen völlig planlos daher. Für diese Männer muss ein ganzes Netz geschnürt werden und es dauert sehr lange, bis sie wieder den Weg zurück finden. Da besteht zweifellos ein Unterschied zu den Frauen."
Karl Heinz Weidinger; Männerberatung der Caritas (Bild: ORF/Kopeinig) Männer bemerken Überforderung nicht
Männer haben es nicht gelernt, auf ihre Gefühle zu hören, sagte Karl Heinz Weidinger von der Männerberatung der Caritas:

"Männer nehmen es sehr lange nicht wahr, wenn sie überfordert sind, das ist meine Erfahrung. Männer merken nicht, wenn sie über 100 Prozent geben und dann kracht es plötzlich."
Helga Grafschafter, Frauenbeauftragte Land Kärnten (Bild: ORF/Kopeinig) Grafschafter: Keine Privatgespräche
Männer reden nicht über privates, sagte Helga Grafschafter, die Frauenbeauftragte des Landes:

"Wenn Männer sich treffen, sprechen sie viel seltener über Privates. Ich kenne Männerrunden, die sich seit 20 Jahren zum Sport treffen, aber nicht wissen, welche familiären Situationen sie haben."
Bernhard Wappis; Verein "Mann sein" (Bild: ORF/Kopeinig) Erster Kärntner Männertag am 7. November
Bernhard Wappis vom Verein "Mann sein" sagte, Ziel müsse es sein, Männerthemen in der Gesellschaft zu verankern. Etwa die Väterkarenz, sagte Wappis: "Das wäre ein sehr wesentlicher Bereich, in Väterkarenz zu gehen und sich seinem Kind emotional zu widmen. Als Vater da zu sein, als Ansprechpartner und als anderes Rollenvorbild als die Mutter."

Wappis ist Mitorganisator des ersten Kärntner Männertages. Der Männertag findet am kommenden Freitag, dem 7. November ab 17.00 Uhr in der BKS-Zentrale am Klagenfurter St. Veiter Ring statt. Weitere Mitveranstalter sind das Katholische Familienwerk, die Männerberatung der Caritas und die Katholische Arbeitnehmerbewegung.
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