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MI | 11.04.2012
Asylwerber (Bild: APA/Hans Klaus Techt)
politik
50 Asylwerber sollen in Bergeinsamkeit
Das Flüchtlingsreferat will 50 Asylwerber auf der Saualpe unterbringen, auf 1.200 Meter Seehöhe. Das Land, dem das Quartier von einem privaten Betreiber angeboten wurde, will die Abgeschiedenheit für Traumatisierte und Straffällige.
Es gibt keine Zufahrten, keinen öffentlichen Verkehr. Laut Bürgermeister müsse vorab einiges geklärt werden.
Bürgermeister: Unzumutbar
Der Bürgermeister von Griffen, Josef Müller, wandte sich am Freitag mit seinem Protest, der einem Hilfeschrei gleichkommt, an die Öffentlichkeit. In einem ehemaligen Jugenderholungsheim auf der Saualpe in 1.200 Meter Seehöhe will das Land Kärnten jetzt bis zu 50 Asylwerber unterbringen.

Müller sagte, die Unterbringung im Nirgendwo sei unzumutbar: "Das Problem ist, dass man mit dem Asylwerbern irgendwo hin muss, das ist uns klar. Wir stehen ja auch zu der Genfer Konvention. Nur muss zuerst abgeklärt werden, wer und in welcher Form hier untergebracht wird. Es gehört abgeklärt, was passiert mit den Kindern, mit dem Bereich Rettung und den öffentlichen Zufahrten. Da gibt es überhaupt nichts."

Das Heim stehe fast allein am Berg, sei nur umgeben von einigen Bauernhöfen. Es gebe keine öffentliche Verbindung, es sei wie eine Enklave.
Ehemaliges Jugenderholungsheim auf der Saualpe von außen (Bild: ORF)
In dem ehemaligen Kindererholungsheim auf der Saualm sind seit zwei Tagen vier Asylwerber untergebracht. Geplant sind bis zu 50 Personen.
Gernot Steiner; Flüchtlingsreferat Land Kärnten (Bild: ORF) Flüchtlingsheim während Kosovokrise genutzt
Das Flüchtlingsreferat des Landes Kärnten sagte, man verstehe die Aufregung nicht. Vor zehn Jahren, während der Kosovo-Krise, seien auf der Saualm mehr als 100 Frauen und Kinder untergebracht gewesen.

Flüchtlingsbeauftragter Gernot Steiner: "Dieses Heim ist ja schon eine sehr lange Zeit für Flüchtlinge zur Verfügung gestanden. Ich kann nicht nachvollziehen, wieso jetzt dieses Heim für Flüchtlinge nicht mehr geeignet sein sollte."

Dies stimme nicht, konterten die Gemeinde und ein Nachbar am Freitag bei einem Lokalaugenschein des ORF Kärnten. Nicht hier, sondern in der alten Volksschule waren während der Kosovokrise 20 Frauen und Kinder untergebracht, bis ein besseres Quartier gefunden wurde.
Die alte Volksschule auf der Saualm (Bild: ORF)
In der alten Volksschule sollen während der Kosovokrise 20 Frauen und Kinder untergebracht gewesen sein.
Josef Müller, Bürgermeister von Griffen (Bild: ORF)
Laut Bürgermeister seien die ersten Asylwerber noch während der Gewerberechtsverhandlung eingezogen.
"Gemeinde wurde ausgestrickst"
Es habe eine kurze Vorinformation an die Gemeinde gegeben.

Das verneinte Müller. Die Gemeinde sei lediglich über eine geplante Fremdenpension informiert worden. "Ausgetrickst ist das richtige Wort dafür, es ist hinter dem Rücken der Gemeinde passiert. Das Interessante ist, dass noch während der Gewerberechtsverhandlung die ersten Asylanten oben eingelangt sind, mit dem Bus des SK Kärnten", so der Bürgermeister.
Leerer Speisesaal (Bild: ORF)
Das Füchtlingsreferat will kranke, traumatisierte und straffällige Asylwerber in der Abgeschiedenheit betreuen.
"Für Kranke und Straffällige"
Das Flüchtlingsreferat des Landes ist um Beruhigung bemüht. Noch sei nicht klar, ob Kinder auf die Saualm kommen werden. Für den Schulbesuch werde auf jeden Fall immer gesorgt. Das Quartier auf der Saualm sei angeboten worden und man wolle es für schwierige Fälle nutzen, weil es eben entlegener sei.

Steiner: "Dieses Quartier ist dafür gedacht, dass wir eine Art Sonderbetreuung durchführen. Wir wollen dort zum Beispiel Sozialarbeiter, Psychotherapeuten und Krankenschwestern beschäftigen."

Es gehe einerseits um kranke, traumatisierte, aber auch um straffällig gewordene Asylwerber. Steiner: "Wir wollen dort keine Enklave für ausschließlich Straffällige machen, aber auch keine Enklave für ausschließlich Traumatisierte oder Kranke machen. Es soll generell für schwieriges Klientel der verschiedenen Nationen eine etwas bessere, verstärkte personelle Betreuung durchgeführt werden."
Ehemaliges Jugenderholungsheim auf der Saualpe von innen (Bild: ORF)
Müller erwartet Klärung durch Behörden
Bürgermeister Josef Müller sagte dazu, dass angesichts der zu erwartenden 50 traumatisierten oder telweise kriminellen Flüchtlinge das Misstrauen bei ihm persönlich gewachsen sei. Er erwarte sich - im Interesse der Bevölkerung - entsprechende Information durch die Behörden.
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