Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Kerze. (Bild: ORF)
klagenfurt
Nach sieben Jahren Wachkoma gestorben
Sieben Jahre lang lag ein Arbeiter im Wachkoma, nachdem er in einen Schacht in Klagenfurt gestiegen war, um Wasserproben zu nehmen. Er erlitt eine Methangasvergiftung. Nun ist er in einem Pflegeheim gestorben.
"Routineuntersuchung" endete tödlich
Ein Chemiker sollte im Juli 2001 Wasserproben aus dem Ölabscheider-Schacht auf dem Gelände einer Kranfirma bei Klagenfurt nehmen - eine Routineuntersuchung.

Der damals 37 Jahre alte Arbeiter erklärte sich bereit, in den zehn Meter tiefen Schacht zu steigen, um Proben zu entnehmen. Der Arbeiter aus Schiefling wurde sofort bewusstlos. Er hatte eine Methangasvergiftung erlitten.

Ein Kollege wollte ihn retten, weil er dachte, der 37-Jährige sei von der Leiter gestürzt, und stieg ebenfalls in den Schacht. Auch er wurde sofort bewusstlos und starb drei Monate später im Alter von 33 Jahren.

Der 37-Jährige hatte schwerste Gehirnschäden davongetragen, fiel ins Wachkoma und erlangte das Bewusstsein bis zu seinem Tod nicht wieder. Er starb nun im Pflegeheim Sekirn, wo er sieben Jahre lange betreut wurde.
Niemand wusste von der alten Deponie
Der Schacht befand sich auf dem Betriebsgelände einer Kranfirma. Es hatte jedoch niemand gewusst, dass es hier früher eine Mülldeponie gegeben hatte. Die beiden Arbeiter hatten rund eine Viertel Stunde Methangas und Kohlendioxyd eingeatmet. Die Deponie war schon 30 Jahre vor dem Unfall stillgelegt worden.

Der Chemiker wurde 2003 vom Oberlandesgericht Graz strafrechtlich schuldig gesprochen und zu vier Monaten bedingter Haft verurteilt. Er hätte die Arbeiter daran hindern müssen, ungesichert in den Schacht zu steigen. Am Landesgericht Klagenfurt war der steirische Chemiker zunächst freigesprochen worden. Ungeklärt ist noch die Frage, wer für die Pflegekosten aufkommt.

Die Sozialversicherungsträger klagten die Stadt Klagenfurt, das Land Kärnten und die Republik. Seit drei Jahren läuft der Prozess um 270.000 Euro. Die Kläger werfen den Behörden vor, in ihren Verordnungen zu dem Schacht auf der ehemaligen Deponie nicht ausdrücklich vor möglichen Gefahren gewarnt zu haben.
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