Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Max Friedrich (Bild: www.fingerweg.at)
gericht
Ermittlungen gegen Kinderpsychiater
Gegen den renommierten Kinderpsychiater Max Friedrich läuft in Klagenfurt ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der falschen Aussage. Zwei Kärntner saßen wegen seiner Gutachten im Gefängnis, Friedrich wurde angezeigt.
Der Vorwurf: Die Befragung eines mutmaßlichen Opfers sei mit Suggestivfragen durchgeführt worden.
Freispruch nach 22 Monaten Haft
In Klagenfurt wurde vor eineinhalb Wochen ein 35-jähriger Kärntner vom Vorwurf des Kindesmissbrauchs freigesprochen, nachdem er fast zwei Jahre lang im Gefängnis gesessen war. Das kinderpsychiatrische Gutachten, das für die ursprüngliche Verurteilung mit ausschlaggebend war, wurde von Friedrich verfasst.

In einem anderen Fall ermittelt die Staatsanwaltschaft Klagenfurt gegen Friedrich.

Die Vorwürfe gegen Friedrich kommen unter anderen von einem deutschen Experten. In einem Missbrauchsfall habe Friedrich ein Mädchen befragt wie bei einer polizeilichen Einvernahme und nicht nach den Ansprüchen einer wissenschaftlichen Methode, sagte der Münchner Psychiater Norbert Nedopil laut übereinstimmenden Medienberichten. Außerdem habe Friedrich dem Mädchen Suggestivfragen gestellt.

Der beschuldigte Kärntner Albin K. wurde zwar im zweiten Prozess freigesprochen, aber erst nach 22 Monaten Haft.
Autoritätes Verhalten?
Hinter vorgehaltener Hand bestätigen Richter in Klagenfurt und Wien nun, dass Friedrich dort in Missbrauchsfällen schon seit Jahren nicht mehr als Gutachter herangezogen werde. Ihm werden autoritäres Verhalten und zu wenig Zeit für die Patienten nachgesagt.
Nach fünf Jahren Haft zeigte der Kärntner Friedrich an.
Antrag auf Wiederaufnahme gestellt
Ein anderer in Klagenfurt wegen Kindesmissbrauchs Beschuldigter stellte nach dem Absitzen einer fast fünfjährigen Freiheitsstrafe einen Antrag auf Wiederaufnahme seines Prozesses.

Parallel dazu erstattete er Anzeige gegen Friedrich wegen falscher Beweisaussage. Der Kinderpsychiater Friedrich hatte auch in diesem Fall ein Gutachten verfasst und später zusätzlich eine Anzeige erstattet bzw. auf neue Informationen über den mutmaßlichen Täter hingewiesen.

Dieser bezeichnet sich als unschuldig und verweist auf ein Gerichtsgutachten des Gerichtspsychiaters Reinhard Haller. Demnach leidet das angebliche Opfer in diesem Fall an einer schweren Persönlichkeitsstörung und es bestehen Zweifel an ihrer allgemeinen Glaubwürdigkeit. Seit einem Jahr läuft in Klagenfurt ein Ermittlungsverfahren gegen Friedrich in dieser Sache. Laut der Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Carmen Riesinger, soll wieder ein deutscher Gutachter zurate gezogen werden.
Friedrich konterte, dass Gutachter öfter unterschiedlicher Meinung seien.
"Gutachter nur Gehilfe des Gerichts"
Friedrich wollte zu den Vorwürfen kein Interview geben, weil es sich um laufende Verfahren handelt. Er nahm aber gegenüber Ö1 ausführlich Stellung und sagte, dass Gutachter unterschiedlicher Meinung seien, sei öfters der Fall. Den Gutachter Haller habe sogar er selbst dem Gericht vorgeschlagen. Wenn die betroffene Patientin eine Persönlichkeitsstörung hat, könne das durchaus eine Folge dessen sein, was ihr widerfahren ist.

Außerdem, so Friedrich: In Österreich sei er als Gutachter nur ein Gehilfe des Gerichts. Ob ein Zeuge bzw. ein Opfer glaubwürdig ist, müssten Schöffen bzw. Richter entscheiden. In Deutschland sei das anders: Dort überprüfen demnach sehr wohl die Gutachter die Glaubwürdigkeit der Opfer und hinterfragen genau, ob ein Kind die Wahrheit spricht. Ob es dann gerecht ist, wenn deutsche Gutachter die Arbeit österreichischer Gutachter beurteilen, müsse man nicht ihn, sondern die Richter in Österreich fragen.
Ganz Österreich
Kärnten News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News