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MI | 11.04.2012
Dieter Moor (Bild: ORF/Milenko Badzic)
literatur
Dieter Moor: "Hampelmann im Heiligtum"
Dieter Moor hat zum ersten Mal den Bachmannpreis in Klagenfurt moderiert. Einerseits bewundert er die Veranstaltung als "Kult", andererseits hat er das Gefühl, er sei als "Hampelmann in ein Heiligtum eingedrungen".
Ich habe mich extrem deplatziert gefühlt, wie der Hampelmann im Heiligtum.
"Bin ein oberflächlicher Fernsehfuzzi"
"Man kann ja auch ernsthaft diskutieren, wenn außen herum nicht die staatliche Zelebrität stattfindet. Nach dem Eröffnungsabend gab es doch einige Aufregung, weil ich es eben nicht staatlich zelebritär gemacht habe, sondern eher locker, wie ich es als oberflächlicher, dummer Fuzzi, als Fernsehmensch, gewohnt bin. Da bin ich etwas erschrocken, weil wenn die Jury, die neben den Autoren die wichtigste Institution ist, sagt, so geht das gar nicht, dann dachte ich, jetzt ist das Problem da, dass der Hampelmann in ein Heiligtum eingedrungen ist, in das er nicht gehört. Da habe ich mich extrem deplatziert gefühlt."
Dieter Moor (Bild: Johannes Puch)
Was man sich für Gedanken machen kann und was man bedenken muss, wenn man sich Gedanken macht und was man nach dem Gedanken machen bedenken muss, wie man das formuliert...
Beglückende, bereichernde Erfahrung
Beobachter meinten jedoch, es habe lebendiger als vorher gewirkt. Moor: "Normalerweise hätte ich mich darüber gefreut, aber jetzt bin ich unsicher, ob es dem Bachmannpreis schadet oder guttut. Ich bin ja ein literarischer Laie, ich bin da eher wie ein Zuschauer und worüber sich Leute, die sich mit dem Text beschäftigen, Gedanken machen, wie verschieden die Gedanken sind und was man bedenken muss, wenn man sich Gedanken macht und was man vor allem bedenken muss, wenn man sich Gedanken gemacht hat, wie man das formuliert, das war schon hammermäßig. Das war eine bereichernde, beglückende Erfahrung, das war klasse, das habe ich sehr genossen."
Anachronistisch ist ja total gut.
Man kann Kultur ernsthaft genießen
Der Bachmannpreis bricht eigentlich alle Fernsehgesetze, wird von Vielen als anachronistisch gesehen. Kritiker, Publikum, Verleger, Experten und andere hören tagelang Textlesungen und der Jurydiskussion zu.

Moor: "Deswegen gefällt es mir ja. Dass es anachronistisch ist, ist ja total gut. Das könnte man ja - wieder ein verbotenes Wort, hoffentlich hört die Jury nicht zu - das könnte man ja 'kulten'. Dann würde ich mir als Zuschauer nur mehr das anschauen. Auf der einen Seite hast du etwas, was alle Fernsehgesetze bricht, was aber trotzdem funktioniert, weil es lebendig ist. Ich fände es toll zu beweisen, dass Ernsthaftigkeit nicht heißt, wir haben eine Zentralfriedhofsstimmung, sondern man kann ernsthaft genießen, wie Essen oder Liebe machen. Auch Kunst kann Spaß machen."
Da capo? Erst einmal sacken lassen...
Auf die Frage, ob er nächstes Jahre wieder moderieren werde, sagte Moor: "Das ist eine schwierige Frage, denn wenn man eine Frau, die gerade ein Kind geboren hat, fragt, ob sie noch eines will, schreit sie 'Nein, das war jetzt genug, nie wieder!'. Und nach einem halben Jahr sagt sie 'na, Schatz, wie wärs mit einem zweiten'. Ich muss das jetzt sacken lassen, das war ein Versuch, Dinge die nicht zusammenpassen, zusammenzubringen - diesen Moderator und diese Veranstaltung. Wir werden sehen."
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