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MI | 11.04.2012
Josef Winkler (Bild: Suhrkamp)
literatur
Fünfjährige Tochter: "Das ist der Himmel"
"Das ist der Himmel!", hat die fünfjährige Tochter des österreichischen Autors Josef Winkler gerufen, als er ihr Montagabend erzählte, dass er den Georg-Büchner-Preis erhalten habe.
Andere setzten ihm Wünsche in den Kopf.
Immer wieder Auszeichnungen prophezeit
Auch seine Schwiegermutter habe er gleich angerufen, so der Autor Dienstagvormittag im Gespräch mit der APA: "Schließlich muss man sich da immer rechtfertigen", scherzt er. Als der Anruf von der Deutschen Akademie kam, habe er es "kaum fassen können".

Zwar habe es in den vergangenen Jahren immer wieder Menschen gegeben, die ihm die Auszeichnung prophezeit hätten, das sei ihm jedoch immer unangenehm gewesen: "Da entstehen Beklemmungsgefühle, da werden einem Wünsche in den Kopf hineingesetzt, mit denen so jemand wie ich nicht lebt."
"Ich habe nie für das Massenpublikum geschrieben", sagt Winkler.
"Kaum vom Misthaufen weg ..."
"Ich war kaum vom Misthaufen weg, da kam ich schon zum Suhrkamp-Verlag", erinnert sich Winkler an seine literarischen Anfänge vor 30 Jahren. Allein diese Tatsache sei für ihn, der "in der Provinz" aufgewachsen sei, ein großer Durchbruch gewesen.

Dass der Büchner-Preis nun die Buchverkäufe ankurbeln wird, glaubt Winkler nur bedingt: "Ich habe nie für ein Massenpublikum geschrieben", so der Autor, der mehr "in der literarische Öffentlichkeit, die sich mit hochartifizieller Literatur beschäftigt", ein Begriff sei. Nun werde sicherlich "in jeder Provinzzeitung halbseitig darüber berichtet" werden, aber in "Bestseller-Richtung kann es nicht gehen".
"Eine Krönung"
Mit bisherigen Preisträgern wie Elfriede Jelinek, H.C. Artmann und Friederike Mayröcker in einer Reihe zu stehen sei nun "eine Krönung". Vor allem, weil es heuer "nicht wenige Autoren aus Österreich oder der Schweiz" gegeben habe, die den Preis bekommen hätten können. Warum die Wahl auf ihn gefallen sei, kann er sich unter anderem deshalb vorstellen, weil "ich nie in der rechten Hand den Kuli gehalten habe und in der linken Hand den kommerziellen Rechenschieber, mir selber über die Schulter blickend, wie ich am besten einen Bestseller schreibe".
Winkler geht nie ohne Stift und Papier aus dem Haus, dann beobachtet er genau und macht sich Notizen.
"Nur keine leeren Phrasen"
Er besinne sich auf einige Sätze, die ihn stets begleiten würden: "Man kann nicht schreiben können, sagt Handke", so Winkler, für den auch Friedrich Hebbels Satz "Jeder Satz ein Menschengesicht" zu einer Maxime des eigenen Schreibens geworden ist. "Speziell bei den letzten Büchern habe ich jeden Satz hinterfragt. Nur keine leeren Phrasen!"

Ihm sei es gelungen, "meine Geschichten sprachorientiert zu schreiben", er sei "selbstverständlich froh, dass ich in einem kleinen Dorf aufgewachsen bin, das hat mir einen ungeheuerlichen Stoff gegeben". Dass er ein besonders guter Beobachter sei, wie ihm oft attestiert werde, komme unter anderem daher, dass er sich intensiv mit Details auseinandersetze, ohne sein Notizbuch und seine Füllfeder gehe er nie aus dem Haus. Erst kürzlich sei er 14 Tage in Madrid gewesen, wo er an zwei Abenden bei Stierkämpfen mit dem Notizbuch gesessen sei. "Es sind kleine Bilder, aus denen sich meine Geschichten zusammensetzen."
Derzeit ist ein Filmprojekt im Entstehen.
Neun Reisen nach Indien unternommen
Trotz seiner zahlreichen Reisen nach Indien - bisher sind es neun - lebe er immer noch gern in Klagenfurt. "Dadurch, dass ich viel unterwegs bin, ist es mir möglich, es in der Provinz auszuhalten", so Winkler, der mit seiner Frau und den beiden Kindern dort lebt. Da seine Frau als Kind vier Jahre in Indien gelebt habe, sei es für ihn wichtig gewesen, auch einmal den Ort zu sehen, der für sie so prägend gewesen sei.

Erst kürzlich sei er im Rahmen der Dreharbeiten für den ursprünglich als "Kinoleinwandgeher" betitelten Film von Michael Pfeifenberger wieder am Ganges gewesen, wo unter anderem Rituale und Einäscherungen gefilmt wurden. Die Produktion, die sich derzeit im Schnitt befinde, werde im Oktober in die Kinos kommen. Ein Titel stehe noch nicht fest, ebenso wenig könne man den Film klar einem Genre zuordnen.

Gedreht wurde auch beim Totenfest in Mexiko und am Fuß des Popocatepetls sowie in der Steiermark und in Kärnten. In einer Mischung aus Spielfilm und Doku habe er dem Regisseur viele Motive gezeigt, die ihn seit langem beschäftigten. Auch einige seiner Texte würden gelesen und "über die Bilder gelegt".
Poetologische Reportagen
Ebenfalls im Herbst erscheint das neue Buch "Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot". "Das werden poetologische Reportagen", so Winkler, "die sehr viel mit Reisen zu tun haben." Es gehe ums Lesen, Reisen, Schauen, Schreiben - die elf oder zwölf Geschichten seien jedoch "keine Essays, sondern schon literarische Texte", zudem spiele er sich ein wenig mit Zitaten aus anderen Büchern. "Ich brauche beim Reisen immer Proviant", lacht Winkler.
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