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MI | 11.04.2012
Nobelpreisträger Mario Capecchi (Bild: EPA/Giorgio Benvenuti)
LEUTE
Nobelpreisträger traf Kärntner Halbschwester
Nobelpreisträger Mario Capecchi und seine Klagenfurter Halbschwester trafen am Wochenende erstmals zusammen. Die 68 Jahre alte Klagenfurterin hatte erst im Vorjahr erfahren, dass sie einen so berühmten Halbbruder hat.
Treffen in Bozener Hotel
Eine Verwandte aus Südtirol lüftete das Geheimnis, nun lernten Bruder und Schwester einander in einem Hotel in Bozen kennen.
Mutter und Sohn wanderten nach 1945 in die USA aus.
Flucht vor den Nazis
Marlene B. wurde 1939 geboren, ihr zwei Jahre älterer Halbbruder wurde von ihrer Mutter vor den Nazis auf einem italienischen Bauernhof in Sicherheit gebracht. Ihre Mutter sei Jüdin gewesen und nach Dachau deportiert worden. Das Konzentrationslager habe sie überlebt und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ihren Sohn in Verona wiedergefunden. Von dort seien die beiden dann in die Vereinigten Staaten ausgewandert.
Capecchi: "Schwester wurde nie erwähnt"
Eine Verwandte in Südtirol habe ihr, so Marlene B., kurz nach Bekanntwerden der Nobelpreis-Vergabe ein altes Foto Capecchis gezeigt und ihr gesagt, dass es sich dabei um ihren Bruder handle. Capecchi hatte nichts von ihr gewusst.

"Meine Mutter hat sie nie erwähnt, die Nachricht von ihrer Existenz kam entsprechend überraschend. Aber in Kriegszeiten können erstaunliche, unerwartete Dinge geschehen. Eine der wunderbarsten Überraschungen dank der Verleihung des Nobelpreises ist sicher, von der Existenz einer Schwester erfahren zu haben", so Capecchis Reaktion im vergangenen Jahr, als er die Nachricht erhielt.
Große Ähnlichkeit.
"Exzellenz, how are you?"
"Exzellenz, how are you?", mit diesen Worten begrüßte Marlene B. laut Samstagsausgabe der "Dolomiten" ihren berühmten Bruder. Die erste Umarmung erfolgte noch etwas zögerlich, doch bald war das Eis gebrochen. "Die Gene unserer Mutter Lucy Ramberg müssen sehr stark sein, wir sehen uns so ähnlich", sagte Capecchi. Marlene B. hat eine Mappe mit alten Fotos aus ihrer Jugendzeit und von ihren Südtiroler Adoptiveltern zu dem Treffen mitgebracht, ebenso Fotos von ihrem Vater.
Nach dem KZ in Krankenhaus wiedergefunden
Auch ihr Bruder kam mit Fotos nach Bozen. Zwei gerahmte Bilder, die Lucy Ramberg im Alter von 17 bzw. 35 Jahren zeigen, waren sein Mitbringsel. Dann erzählt er ihr, wie seine Mutter ihn nach der Befreiung aus dem KZ in einem Krankenhaus in Reggio Emilia gefunden hatte: "Es gibt da einen merkwürdigen Zufall, sie fand mich genau an meinem neunten Geburtstag und sie starb mit 84 Jahren an meinem 50. Geburtstag".
Gemeinsamer Besuch im Haus der Mutter
Die Geschwister besuchten laut "Dolomiten" jenes Haus, in dem ihre Mutter Anfang des Zweiten Weltkriegs gelebt hatte, ein weiteres Treffen wurde vereinbart. Capecchi will dazu auch seine Frau und seine Tochter mitbringen. Der Nobelpreisträger reist von Italien weiter nach Spanien, in Barcelona wird er Vorlesungen halten.
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