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MI | 11.04.2012
Missionarin der Zeugen Jehovas (Bild: APA)
gesellschaft
Zeugen Jehovas wollen als Religion gelten
In Kärnten gibt es ca. 3.000 Mitglieder der Zeugen Jehovas. Die Bekenntnisgemeinschaft hofft auf eine Anerkennung als Religion. Bisher gilt sie bei vielen als Sekte, ihre Anschauungen und Methoden sind umstritten.
"Sektenähnliche Gemeinschaft"
Die Zeugen Jehovas halten an diesem Wochenende in Klagenfurt einen Kongress über aktuelle Glaubensfragen ab. Seit einiger Zeit läuft im Unterrichtsministerium das Verfahren zur staatlichen Anerkennung der Zeugen Jehovas, weil sie bereits seit zehn Jahren als religiöse Bekenntnisgemeinschaft registriert sind.

Viele Kritiker sprechen von starkem sozialem Druck, der auf die Mitglieder der Zeugen Jehovas ausgeübt werde. Ein Kritiker ist Lambert Jaschke von der Stelle für Weltanschauungsfragen der Diözese Klagenfurt: "Es ist sicher eine sektenartige Gemeinschaft, die immer wieder konfliktträchtig in Erscheinung tritt."

Die Bekenntnisgemeinschaft sei ein geschlossenes, elitäres System, sagt Jaschke: "..dass Kinder im schulischen Bereich an vielen Dingen nicht teilnehmen dürfen, an so genannten heidnischen Festen wie Weihnachtsfeiern, aber auch nicht an Kindergeburtstagen, was schon zu einer gewissen sozialen Isolation führt."
"Leben nach Grundsätzen der Bibel"
Ihre Kinder würden eben andere Anlässe feiern, wies Karl Biber von den Kärntner Zeugen Jehovas die Kritik zurück: "Wir sind bekannt dafür, dass wir versuchen, nach den Grundsätzen der Bibel zu leben. Das passt manchen nicht, das muss man offen sagen. Es gibt ja viele Religionen, die als Hauptlehrbuch die Bibel haben, deren Mitglieder das nicht so halten.

Besonders umstritten ist die Ablehnung von Bluttransfusionen. Kommt es bei kranken Kindern von Zeugen Jehovas zu dramatischen Situationen, greift der Staat ein, sagte Lambert Jaschke von der Diözese: "Dass zum Teil den Eltern für die Dauer der medizinischen Behandlung das Sorgerecht entzogen wird und die Vormundschaft beim Jugendamt liegt. Auf diese Weise werden dann doch Behandlungen durchgeführt, weil das Kindeswohl in der österreichischen Rechtsordnung an erster Stelle liegt."
Ersatzmedikamente für Blut
Karl Biber von den Kärntner Zeugen Jehovas auf die Frage, warum Blut als Medikament abgelehnt wird: "Es gibt andere Medikamente. Es gibt Statistiken, die beweisen, dass es eine geringere Mortalität und kürzere Krankenhausaufenthalte gibt, wenn kein Blut verwendet wird. Wann man so will, wäre das auch ein schönes Einsparungspotenzial."

Harte Worte und harte Fakten, wenn ein Zeuge Jehovas dann tatsächlich mit dem Tod konfrontiert ist und trotzdem Blutkonserven ablehnt. Die Mitglieder der Religionsgemeinschaft tragen immer eine Patientenverfügung bei sich, damit sie bei einem Notfall nicht irrtümlich Blutkonserven bekommen.

Dass die Bekenntnisgemeinschaft sehr missionarisch ist, bestätigte auch Karl Biber: "Ganz egal, welche Religion das ist oder welche Weltanschauung jemand vertritt, ist uns egal. Wir sprechen vorurteilslos jeden an."

Die Zeugen Jehovas hoffen, dass sie bald vom Staat als Religionsgemeinschaft anerkannt werden, die Mitglieder hätten es dann leichter und die Organisation müsste weniger Steuern zahlen. Auf das Recht, Kirchensteuer zu kassieren oder in den Schulen Religion zu unterrichten, werde aber verzichtet, heißt es in der Zentrale in Wien.
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