Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Die fertigen Bungalows des Kärntendorfes (Bild: LPD/Rauchenwald)
Soziales/Spenden
Rechnungshof kritisiert Causa "Kärnten-Dorf"
Der Rechnungshof wirft den Verantwortlichen beim Bau des Kärntendorfes in Banda Aceh mangelnde Kontrolle und Geldverschwendung vor. Anlass für SPÖ und ÖVP LH Jörg Haider (BZÖ) dilettantische Vorgangsweise vorzuwerfen.
Das Dorf stand monatelang leer
Rund 1,2 Millionen Euro Steuermittel und Spendengelder sind für das Kärnten-Dorf zur Verfügung gestanden. Ein Drittel davon, rund 350.000 Euro, sind nach Fertigstellung noch übrig geblieben. Das Geld wird seither für den Betrieb des Dorfes verwendet, der nach Anlaufschwierigkeiten vom Hilfswerk bewerkstelligt wird.
LH Jörg Haider und Konsul mit Kindern (Bild: LPD/Rauchenwald) Projekt um rund 200.000 Euro zu teuer
Der Landesrechnungshof hat das Projekt Kärntendorf nun unter die Lupe genommen. Er kommt in einem Rohbericht, in dem die Stellungnahme des Landes noch nicht eingearbeitet ist, zu dem Ergebnis, dass für die örtliche Bauaufsicht und -kontrolle nicht ausreichend vorgesorgt worden ist.

Mehr als 200.000 Euro würden zwischen Angeboten und der tatsächlichen Bauausführung klaffen. Außerdem merkt der Rechnungshof an, dass bei der Angebotslegung etwas schlief gelaufen sein muss. Die Mehrzahl der Anbote weise die gleichen Summen, sowie Tipp- und Schreibfehler auf.
SOS-Kinderdorf wäre ein Drittel billiger
Nächster Einwand des Rechnungshofes: Eine Prüfung vor Ort habe gezeigt, dass ein vergleichbares SOS-Kinderdorf in Indonesien, das noch dazu besser gebaut sei, um ein Drittel billiger gekommen wäre.
Ebenfalls angemerkt wird: Für den Verbleib von rund 108.000 Euro aus den Spendergeldern, die schon nach Indonesien überwiesen worden sind, gibt es keinen Nachweis.

Schließlich wird bemängelt, was ohnedies schon öffentlich bekannt war und durch die Medien gegangen ist: Das Kärtendorf habe zahlreiche Baumängel aufgewiesen und sei überdies lange Zeit leer gestanden.
Stefan Petzner, BZÖ (Bild: ORF) Petzner: Architektin war verantwortlich
Aus dem Büro von Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ) hat Pressesprecher Stefan Petzner angemerkt, der Rechunghof stelle klar, dass Landesorganen keine Verfehlungen nachgewiesen werden.

Die Businessclassflüge von Landesbeamten seien nachträglich von diesen selbst beglichen worden, was auch der Rechnungshof bestätigt hat. Jene 108.000 Euro, die noch in Indonesien auf einem Konto sind, werden zurückgefordert, so Petzner. Für die Kontrolle sei die ausführende Architektin Jana Revedin verantwortlich gewesen.

"Sie wurde als Architektin und Expertin auf diesem Gebiet auch für diesen Bereich geholt. Damit sie im Bereich des Kärntendorfes die Pläne macht, den Bau überwacht, die Anbote einholt, etc. Das war auch eindeutig in diesem Werksvertrag so definiert", sagte Petzner.
Jana Revedin, Architektin (Bild: ORF) Revedin weist Vorwürfe zurück
In einer ersten Reaktion wies die ausführende Architektin, Jana Revedin, jede Schuldzuweisung von Stefan Petzner von sich. Sie sei keineswegs für die Kontrolle und auch nicht für das Projektmanagment zuständig gewesen.

"Das Projektmanagement und auch die gesamte Kontrolle der Kosten und die gesamte Überweisung an sich wurde vom restlichen Projektteam abgedeckt", so Revedin im ORF-Interview.
Josef Martinz, ÖVP (Bild: ORF) Martinz kritisiert dilettantische Vorgangsweise
ÖVP-Chef Josef Martinz sagte, die schlimmsten Befürchtungen über die "dilettantische Vorgangsweise" seien wahr geworden. Erst die späte Einbindung des Entwicklungspolitischen Beirates, deren Vorsitzender er - Martinz - ist, sowie die Einbeziehung des Hilfswerks Austria, das Erfahrung mit der Abwicklung solcher Auslandprojekte hat, sei die Rettung in letzter Sekunde gewesen.
ÖVP: Dilettantismus zulasten der Steuerzahler
ÖVP-Klubobmann Stefan Tauschitz sprach von Diletantismus und Unprofessionalität zulasten des Steuerzahlers. Er forderte LH Haider auf, Rückforderungsansprüche beim Honorarkonsul geltend zu machen und das Geld der Stiftung - 108.000 Euro - nach Kärnten rückzuleiten.
Gerald Passegger, SPÖ (Bild: Pleon Publico) SPÖ: "Haider hat viele Leichen im Keller"
Für SPÖ-Geschäftsführer Gerald Passegger zeichne der Rechnungshofbericht "ein Sittenbild des BZÖ". Er sprach am Donnerstag von Geldverschwendung sowie Miss- und Freunderlwirtschaft, die durch den Prüfbericht aufgedeckt worden seien. "Haider hat derartig viele "Leichen im Keller, dass der Landesrechnungshof mit dem Ausgraben nicht mehr nachkommt."
Rolf Holub, Grüne (Bild: ORF) Grüne: Verantwortung nicht abwälzen
Eine detaillierte Aufklärung rund um den Geldfluß für das Kärnten-Dorf in Banda Aceh fordern die Grünen. Landessprecher Rolf Holub sagte, trotz des Rechnungshof-Rohberichtes fehle noch die Offenlegung aller Unterlagen.

Holub kritisiert das BZÖ: Dieses versuche nun offensichtlich, die Verantwortung auf die Architektin abzuwälzen. Das sei eine unhaltbare Vorgangsweise, so der grüne Landessprecher.
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