Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Feuerwehreinsatz nach Sturm (Bild: ORF)
Katastrophe
Noch 2.000 Haushalte ohne Strom
Die durch den Sturm verursachten Schäden gehen in Kärnten in Millionenhöhe. Rund 1.800 Feuerleute standen im Einsatz. Hunderte Häuser wurden beschädigt, tausende Bäume entwurzelt. Rund 2.000 Haushalte werden über Nacht noch ohne Strom sein.
1.800 Feuerwehrleute standen im Einsatz, um Häuser abzusichern und die Verkehrswege wieder befahrbahr zu machen.
Sturm tobte in der Nacht weiter
In der Nacht auf Montag kristallisierte sich in Kärnten nach und nach heraus, dass die Sturmschäden weit größer sind, als ursprünglich angenommen. Bis Montag in der Früh verzeichneten die Freiwilligen Feuerwehren in Kärnten 440 Einsätze. 120 Feuerwehren standen und stehen mit 1.800 Mann im Einsatz.

Am heftigsten hatten die orkanartigen Böen in den Bezirken Spittal/Drau, Hermagor, Feldkirchen, St. Veit und Wolfsberg gewütet, die Bezirke Klagenfurt, Villach und Völkermarkt waren nicht so arg betroffen. Neben vielen gerissenen Stromleitungen wurden hunderte Häuser beschädigt und mehrere hunderttausend Festmeter Holz vom Sturm niedergerissen.
Straßensperre nach Sturm (Bild: ORF)
Großes Glück hatten die Kinder einer Familie im Lavanttal: Ein Baum durchschlug das Dach und landete im Kinderzimmer.
Baum landete im Kinderzimmer
Besonders arg betroffen ist die Familie Wieser aus Prebl im Lavanttal: Vier Bäume, die der Sturm umgeweht hat sind auf das Einfamilienhaus gefallen. Ein Baum hat das Dach durchgeschlagen und ist in das Kinderzimmer zwei Meter neben den schlafenden Kindern eindrungen. Das ist bereits das zweite Mal, dass ein Baum auf das Haus der Familie Wieser gestürzt ist.
Wiederherstellung der Stromversorgung (Bild: APA/Eggenberger)
Am Montag rund 10.000 Haushalte ohne Strom
In der Früh waren etwa 10.000 Haushalte ohne Stromversorgung. Derzeit sei es sehr schwierig, zu den Fehlerstellen hinzukommen, sagte Ignaz Hübl von der kelag Netz GmbH am Montag. "Die Straßen sind zum Teil verlegt und die Zufahrten sehr gefährlich." Bis gegen Mittag konnte die Hälfte der zerstörten Anschlüsse wieder hergestellt werden.
2.000 Anlagen weiter unversorgt
Die rund 200 Monteure der Kelag werden noch bis in die Nachtstunden arbeiten, um möglichst viele Störungen der Stromversorgung zu beheben. "Wir müssen aber davon ausgehen, dass etwa 2.000 Kundenanlagen während der kommenden Nacht ohne Stromversorgung bleiben werden", so Geschäftsführer Herbert Fuchs.

Die während der kommenden Nacht voraussichtlich unversorgten Kundenanlagen befinden sich im Metnitztal und auf der Flattnitz, auf dem Goldeck sowie einzeln verstreut in den nördlichen Teilen Kärntens.

Bis die Stromversorgung wieder hunderprozentig hergestellt sein wird, dürfte es vermutlich bis Dienstagmittag dauern.
Monteure der kelag im Einsatz (Bild: ORF)
Im Bezirk Hermagor ist durch den Ausfall eines Kraftwerkes ein Bach ausgetrocknet, der gesamte Fischbestand ist verendet.
Durch umstürzenden Baum schwer verletzt
In Trebesing hat es am Sonntagabend den ersten Verletzten gegeben: Ein 58 Jahre alter Angestellter ist von einem umstürzenden Baum getroffen und schwer verletzt worden. Er war gerade dabei, die Piste eines den Kinder-Übungshangs bei einem Hotel in Trebesing zu präparieren. Nach Auskunft des LKH Klagenfurt ist der Mann bereits außer Lebensgefahr.

Der schwere Sturm zeitigte aber auch noch indirekte Auswirkungen: Nachdem es in Kötschach-Mauthen zu einem Totalausfall eines dortigen Kraftwerkes gekommen war, verabsäumte es der Wochenenddienst, die Wasserumleitung zu aktivieren. Dadurch trocknete der Aßnitzbach zwischen dem Kraftwerk und dem Gail-Fluss auf einer Länge von rund 1,5 Kilometern völlig aus und der gesamte Fischbestand an Äschen, Forellen und Mühlkoppen verendete.
Feuerwehreinsatz nach Sturm (Bild: ORF)
Hilfe durch Pioniere des Bundesheers
Die Liste der beschädigten Häuser und Infrastruktureinrichtungen ist jetzt bereits ellenlang. Katastrophen-Referent LH Jörg Haider (BZÖ), sagte bei einer Pressekonferenz zu Mittag, dass er Anordnungen gegeben habe, raschest die Schadenserhebungen durchzuführen.

Da in mehreren Regionen noch immer zahlreiche Anwesen von der Außenwelt abgeschnitten sind, hat Haider das Bundesheer um Hilfe ersucht.

"Die Pioniere werden erst einmal im Raum Albeck zum Einsatz kommen, wo viele Höfe abgeschnitten sind." Das Bundesheer soll in der Folge auch bei der Aufarbeitung der Waldschäden helfen, kündigte Haider an.
Christian Stefan, Wetterdienststelle Klagenfurt (Blid: ORF)
"Bis Mittag dürfte alles überstanden sein", hofft Christian Stefan von der Wetterdienststelle Klagenfurt.
Ungewöhnlich hohe Geschwindigkeiten im Tal
Christian Stefan von der Wetterdienststelle Klagenfurt sagte am Montagmorgen, er glaubt, dass die extremsten Windspitzen überstanden seien. "Der Wind hat nachgelassen, ist allerdings in der Höhe noch recht stark und stürmisch und könnte durchaus kurzzeitig nochmals durchgreifen." Ab Mittag soll es dann mit den starken Windböen auf jeden Fall vorbei sein.

Die hohen Windgeschwindigkeiten am Sonntag resultierten aus starken Druckunterschieden, so Stefan: "Wir haben ein sehr kräftiges Hoch im Westen Europas und im Osten ein kräftiges Tief. Dazwischen ist ein großer Luftdruckgegensatz entstanden und der Wind hat diese Druckunterschiede ausgeglichen."

Nichts besonderes seien dabei die sehr hohen Windgeschwindigkeiten auf den Bergen gewesen. "Außergewöhnlich allerdings waren die Geschwindigkeiten in den Tälern. Spitzen über 100 km/h wie wir sie am Sonntag hatten, sind äußerst selten in unserem Bereich", sagte der Meteorologe.
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