Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Stipe_Mesic (Bild: APA)
Kroatiens Präsident "verwundert"
Polizei trotz "Ustascha"-Symbolen untätig
Der kroatische Präsident Stjepan Mesic hat in einem Brief an die österreichische Botschafterin seine "Verwunderung" über die Kärntner Polizei ausgedrückt. Sie blieb bei einer Gedenkfeier in Bleiburg trotz faschistischer "Ustascha-Symbole" untätig.
Kroatiens Präsident meldete sich in einem Brief an die österreichische Botschaft zu Wort.
Faschistische Symbole bei Gedenkfeier
Bei der traditionellen Feier auf dem Loibacher Feld bei Bleiburg (Völkermarkt) am vergangenen Sonntag hatten Kroaten Symbole der ehemaligen faschistischen "Ustascha"-Bewegung getragen.

Er, Mesic, sei sei verwundert, dass die österreichische Polizei nicht reagiert habe, zitierten kroatische Zeitungen am Mittwoch den Brief in Berufung auf ungenannte "diplomatische Quellen".

Auch das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem protestierte laut kroatischen Medienberichten bei der österreichischen Botschaft in Jerusalem wegen der "Ustascha"-Symbole, die mehrere Teilnehmer der Feier getragen hatten.
"Bleiburger Tragödie"
Am Sonntag hatten sich traditionell mehrere tausend Kroaten versammelt, um der "Bleiburger Tragödie" des Jahres 1945 zu gedenken. Im Mai 1945 war es in der Region um Bleiburg zu einem der letzten Gemetzel des Zweiten Weltkriegs gekommen.

Bereits nach der Kapitulation Nazi-Deutschlands flüchteten rund 40.000 kroatische Zivilisten und Soldaten, darunter auch Mitglieder der faschistischen "Ustascha"-Verbände, die mit den Achsenmächten kollaboriert hatten, auf österreichisches Gebiet.

Dort ergaben sie sich der britischen Besatzungsmacht. Die Briten entschlossen sich aber, die Flüchtlinge trotz flehentlicher Bitten ihrer Generäle an die neuen kommunistischen Machthaber in Jugoslawien auszuliefern und schickten sie zurück. Die Partisanen töteten zahlreiche Flüchtlinge noch an Ort und Stelle oder auf dem Rückweg nach Kroatien.
In Bleiburg wird Gedenkzentrum errichtet
Seit 1945 werden alljährlich Gedenkmessen auf dem Feld bei Bleiburg zelebriert, zunächst von kroatischen Emigranten und nach dem Ende des kommunistischen Regimes auch unter Teilnahme von offiziellen Regierungsvertretern aus Zagreb.

Heuer war dort bereits ein renoviertes und erweitertes Denkmal für die Bleiburg-Opfer enthüllt geworden. Das Gedenkzentrum soll auch ein Museum, einen Gedenkpark, eine Kapelle und weitere Gebäude erhalten.
"Ustascha"-Symbole sind in Kroatien verboten
Die 1929 von Ante Pavelic gegründete "Ustascha"-Bewegung herrschte in Kroatien von 1941 bis 1945 als Handlangerin der deutschen Nazis und der italienischen Faschisten.

Dem Ustascha-Regime werden Gräueltaten und Massenmorde, insbesondere in dem Konzentrationslager Jasenovac angelastet. Hunderttausende Serben, Juden und Roma wurden umgebracht. Ustascha-Symbole werden in Kroatien wie Nazi-Symbole gesehen, es ist Kroaten nicht erlaubt, diese zu tragen.
Ganz Österreich
Kärnten News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News