Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
elsner_ankunft_rehab (Bild: APA)
IN grüne Decke gehüllt
Elsner unter Buhrufen in Klinik angekommen
Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner ist Montagvormittag begleitet von Buhrufen im Reha-Zentrum Althofen angekommen. Die politischen Reaktionen: Elsner wird als "Persona non grata" (SPÖ), sein Aufenthalt als "roter Affront" (BZÖ) bezeichnet.
Transport im Krankenwagen
Elsner wurde liegend in einem Krankenwagen vom Grünen Kreuz nach Althofen transportiert. Als er den Krankenwagen verließ, machten andere Patienten ihrem Unmut Luft: Es hagelte Pfui- und Buhrufe.

Elsner war nur kurz zu sehen, sofort nach seinem Aussteigen wurde er von Beamten umringt und in eine grüne Decke gehüllt, um dann im vierten Stock des Therapiezentrums sein Zimmer zu beziehen.
Helmut Eder: "Ich werde ihn nicht umarmen ..."
Ankunft Elsners: Ein Staatsgeheimnis
Der genaue Zeitpunkt seines Eintreffens war wie eine Art Staatsgeheimnis gehandelt worden. Der Geschäftsführer des Reha-Zentrums, Helmut Eder, hatte im Vorfeld bekräftigt, Elsner jedenfalls nicht selbst begrüßen zu wollen:

"Ich werde ihn natürlich nicht umarmen. Ich werde nicht dabei sein, das ist Sache der Justiz."
"Arbeiter müssen Kur selbst bezahlen"
elsner_ankunft_rehab (Bild: APA/Eggenberger)Andere Patienten in Althofen zeigten wenig Freude über den Aufenthalt Elsners. Eine Patientin sagte, "auf der einen Seite ist er ein Mensch, auf der anderen Seite ist es eine Frechheit: Kur auf Kosten der Steuerzahler".
Ein anderer Patient: "Normalerweise müsste der Elsner das selbst bezahlen. Wir normalen Arbeiter müssen ja auch selbst für unsere Kur zahlen."
Politischer Widerstand gegen Elsner-Aufenthalt in Kärnten.
"Gschisti-Gschasti" und "roter Affront"
Auch von Seiten der Politik begann sich am Montag Widerstand gegen Elsners Reha-Aufenthalt zu regen. Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ) bezeichnete die Wahl Kärntens für die Rehabilitation Elsners in einer Aussendung als "roten Affront gegenüber unserem Bundesland".

Für SPÖ-Landesgeschäftsführer Gerald Passegger ist laut einer Aussendung das "Gschisti-Gschasti um Elsner eine Zumutung für die übrigen Kurgäste".
Haider: "Elsner gehört in Wiener Gefängnis"
Haider übte heftige Kritik daran, dass man "den Hauptverantwortlichen für den größten Wirtschaftskriminalfall der Zweiten Republik mit Steuergeld ausgerechnet auf Kur nach Kärnten schickt". Er forderte Justizministerin Maria Berger (SPÖ) dazu auf, Elsner dorthin zu verfrachten, wo er hingehöre: "In ein Wiener Gefängnis".
"Persona non grata" für SPÖ-Passegger
Passegger erklärte den 71-jährigen U-Häftling überhaupt zur "Persona non grata" und verlangte, Elsner, der wie ein Staatsgast behandelt werde, solle die Kosten für seinen Aufenthalt und seine Bewachung selbst bezahlen. "Jeder normale Arbeiter muss ja auch selbst für seine Kur aufkommen", hieß es.
ÖVP: Elsner soll die Kosten mit seiner Pension bestreiten.
ÖVP: Ruf Kärntens als Urlaubsland ist ruiniert
Auch die ÖVP sparte nicht mit Kritik an Elsners Reha-Behandlung in Althofen: Landesgeschäftsführer Siegfried Torta (ÖVP) forderte in einer Aussendung, die Steuerzahler dürften nicht für Elsners "Luxus-Rehab" herangezogen werden. Kärntens Ruf als Urlaubsland sei durch Elsners bloße Anwesenheit "ruiniert", so Torta. Elsner solle die Kosten mit seiner Pension bestreiten.
Justiz: Keine bevorzugte Behandlung
Schon vor Elsners Ankunft hatten die Leitung des Reha-Zentrums und die Justiz Vorwürfe zurückgewiesen, wonach Elsner besser als der "Normalbürger" behandelt werden würde.

Für Primarius Josef Sykora, Leiter der Herz-Rehab in Althofen, ist eine Therapie "fixer Bestandteil" der Behandlung schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die praktisch jeder Österreicher erhalte. Der Schwerpunkt liege bei einem Bewegungstraining und der Verringerung der Risikofaktoren.
Aufenthalt könnte sich um höchstens zwei Wochen verlängern.
9.000 Euro Gesamtkosten
Die Therapie für Elsner kostet 316 Euro am Tag. Die Gesamtkosten für vier Wochen Aufenthalt liegen also bei knapp 9.000 Euro. Elsner wird in Althofen ein Einzelzimmer beziehen, wo er rund um die Uhr bewacht wird.

Die Dauer der Therapie richte sich aber nach den gesundheitlichen Fortschritten des 71-Jährigen. Sie könnte sich auch um eine oder maximal zwei Wochen verlängern, sagten die Ärzte.
Elsners Zimmer wird videoüberwacht
In Elsners Zimmer wurde auch eine Kamera montiert. Der Leiter der Justizanstalt Klagenfurt, Peter Bevc, begründete diese Maßnahme mit der Erleichterung der Überwachung des Untersuchungshäftlings vor allem während der Nachtstunden.

Elsner wurde ein Handy genehmigt, mit dem er 15 Minuten pro Tag telefonieren darf. Der Ex-Bankdirektor darf auch Besuch erhalten, der Personenkreis wurde vorher festgelegt.
Elsners Bewacher tragen weiße Mäntel, um andere Patienten nicht zu verunsichern.
Uniformierte Beamte: Unzumutbar
Der U-Häftling wird keine Gruppentherapien erhalten, um den normalen Betrieb in der Klinik nicht zu stören. Seine Bewacher tragen weiße Mäntel - eine Maßnahme, die laut Bevc nicht ungewöhnlich ist. Es wäre den anderen Patienten in der Klinik wohl nicht zumutbar, dass uniformierte und bewaffnete Wachebeamte im Haus unterwegs seien, so Bevc.
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