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MI | 11.04.2012
Franz Wurst (Bilder: ORF)
Fall Franz Wurst
Zahlreiche Missbrauchsopfer entschädigt
Der Kinderarzt Franz Wurst, der wegen Anstiftung zum Mord und wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt worden war, ist wieder frei. Unzählige Opfer waren von Wurst einer "Zuwendungstherapie" unterzogen worden.
Geständnis eines Kindes brachte Fall ins Rollen
Das Geständnis eines Patenkindes von Franz Wurst hat dem Fall vor Jahren die enorme Dimension gegeben. Der Jugendliche sprach vor Gericht, davon, vom heute 87 Jahre alten Kinderpsychiater sexuell missbraucht worden zu sein und erzählte, dass er dafür auch Geld bekommen habe.
48 Opfer wurden im Nachhinein entschädigt
Im Lauf der Zeit hatte sich dann herauskristallisiert, dass unzählige Jugendliche von Wurst sexuell missbraucht worden waren - er nannte das "Zuwendungstherapie". Die Aussagen von insgesamt 48 Opfern wurden zusammengetragen, sie wurden mittlerweile entschädigt.
Mehr als eine halbe Million haben das Land und die KABEG an die Opfer gezahlt.
Schwierigkeit war die Verjährungsproblematik
Die Zahlungen an die Missbrauchsopfer sind dabei in unterschiedlicher Höhe ausgefallen. Insgesamt seien vom Land und von der Krankenanstalten-Betriebsgesellschaft 540.000 Euro gezahlt worden, sagte der ehemalige Anwalt der Opfer, Georg Schuchlenz.

"Wir haben einen großen Vergleich abgeschlossen, da waren knapp 40 Personen von mir vertreten. Die haben etwas mehr bekommen, weil in diesen Fällen die Verjährungsproblematik nicht so groß war."

Nachdem dieser Vergleich publik geworden war, meldeten sich etliche weitere Opfer. Sie hätten nicht so viel bekommen, sagte der Anwalt, schlussendlich seien aber alle zufrieden gewesen, dass die Angelegenheit ohne einen aufsehenerregenden Prozess abgeschlossen werden konnte.
"Es kommt gelegentlich vor, ist aber nur mit gesundheitlichen Argumenten zu rechtfertigen".
"Häftlinge ins Pflegeheim ist nicht die Regel"
Dass Franz Wurst - anstatt seine Haftstrafe abzusitzen - seinen Lebensabend in einem Pflegeheim verbringen könne, das sei nur mit gesundheitlichen Argumenten zu rechtfertigen, betonte Bernd Lutschonig vom Landesgericht Klagenfurt. Bei Häftlingen, die eine mehrjährige Strafe verbüßen müssen, komme das gelegentlich vor, die Regel sei es aber nicht.

"Es ist generell eher selten, dass solche nachträglichen Strafaufschübe gewährt werden. In Kärnten war im letzten Jahr nur ein einziger solcher Fall zu eruieren, ein weiterer Fall ist im heurigen Jahr anhängig, aber noch nicht entschieden."

Andererseits gebe es 90 Jahre alte Strafgefangene, die sich noch in Haft befinden würden, sagte Lutschounig. "Es ist also nicht ganz auszuschließen, dass auch Franz Wurst wieder in Haft kommen kann."
Der wegen Mordes verurteilte Patensohn wurde zu einer Haftstrafe verurteilt, die noch bis 2012 dauert.
Verurteilter Patensohn in Stein inhaftiert
Am Donnerstag bestätigte das Justizministerium, dass jenes Patenkind von Franz Wurst, das den Mord an der Frau des Arztes begangen hatte, noch immer in der Haftanstalt Stein in Niederösterreich einsitzt. Er wird, sofern er nicht aufgrund guter Führung früher entlassen wird, bis Dezember 2012 in der Haftanstalt seine Strafe verbüßen müssen.
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