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MI | 11.04.2012
Suchtkranker (Bild: ORF)
OIKOS HILFT
Wege aus der Sucht
Weihnachten ist auch die Zeit, an die vielen Menschen zu denken, denen es nicht gut geht: Der Verein Oikos kümmert sich um Suchtkranke. Nach einer finanziellen Krise hat sich die Hilfsorganisation jetzt mit Hilfe des Landes wieder erholt.
Oikos beschäftigt 13 Angestellte und etliche freie Mitarbeiter.
Schulden, weil Gericht Therapie nicht zahlte
Der Verein hatte 8.000 Euro Schulden, weil das Gericht für die Therapie etlicher suchtkranker Straftäter nicht bezahlt hatte. Mit viel Überzeugungsarbeit hat es das Oikos-Team geschafft und den Schuldenberg abgebaut. Das Land Kärnten ist helfend dabei eingesprungen.

13 Angestellte und etliche freie Mitarbeiter betreuen die Klienten in der Beratungsstelle in Klagenfurt oder im "Haus 90" am Wörthersee-Südufer.
Oikos: Therapie unter vier Augen
Oikos (Bild: Oikos)Man setzt auf eine "Eins zu eins-Betreuung", so Geschäftsführerin Maria Magdalena Witting im Radio Kärnten Mittagsjournal.
Suchtkranker muss sich Arbeit suchen
"Zuerst wird ein individueller Therapieplan ausgearbeitet. Eine Voraussetzung ist, dass sich der zu Betreuende eine Arbeit suchen muss. In der letzten Therapiephase wird dann schon gearbeitet. Auch die Kontakte mit der Familie sollen wieder hergestellt werden. Darüber hinaus wird ein Gesundheitsfahrplan - wie etwa zur Zahnsanierung - entworfen", so Wittig.
Süchtige bleiben bis zu eineinhalb Jahre im "Haus 90".
Nur wenige wagen überhaupt den Entzug
Wie hoch die Aussichten auf einen nachhaltigen Therapie-Erfolg wirklich sind, lässt sich noch nicht sagen: Das neue Konzept wird erst seit 2004 umgesetzt.

Im "Haus 90" bleiben suchtkranke Klienten sechs, zwölf oder 16 bis 18 Monate lang - aber nur ein Bruchteil der Suchtkranken wagt den Schritt in den Entzug und noch weniger schaffen den Ausstieg.
Nur ein Drittel der Süchtigen tritt Therapie an.
Wittig: Hälfte bricht Therapie vorzeitig ab
"Von denen die sich anmelden und um einen Therapieplatz anfragen, landet letztlich nur ein Drittel wirklich bei uns. Von diesem Drittel bricht etwa die Hälfte die Therapie ab. In letzter Zeit ist es weniger geworden, weil wir viele `Therapie statt Strafe-Klienten` haben - die Motivation ist eine andere, weil sie nicht ins Gefängnis wollen. Hier brechen nur ganz wenige ab", so Wittig.
Kein Abstinenzwille? Kärntner zurückhaltend
Der Großteil der Klienten kommt aus anderen Bundesländern. Die Kärntner - zur Zeit
sind rund 350 Suchtkranke registriert - zeigen sich eher zurückhaltend.

"Vielleicht geht hier der Ansatz nicht hin zur "Abstinenz", sondern zur Substitution - das scheint mir momentan der vorherrschende Weg in Kärnten zu sein", vermutete Wittig.
Ein geordneter Alltag ist Erfolgsvoraussetzung
Das Ziel, das sich Oikos für seine Klienten setzt, ist klar: Die Rückkehr in einen geordneten Alltag mit Familie, Arbeit und Wohnung.

Denn, so die geschäftsführerin: "Wenn dieser Schuldenberg auf die Menschen wartet - kein Job, keine Wohnung - dann gibt es keinen Grund, die Dinge klar sehen zu wollen."
Zwölf Suchtkranke warten auf Therapie
Zurzeit warten zwölf Suchtkranke auf eine Therapie bei Oikos. Zugebaut kann zum "Haus 90" im Natura 2000 Gebiet am Südufer des Wörthersees wahrscheinlich nicht.

Dennoch: Oikos will wachsen, für Therapiewillige und Langzeitabhängige, die nicht mehr lange ohne Hilfe selbständig leben können.
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