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MI | 11.04.2012
HAAB-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Kulterer (Bild: APA/Jäger)
Wolfgang Kulterer
Werdegang eines Bankers
Mehr als 15 Jahre lang stand Wolfgang Kulterer an der Spitze der Kärntner Hypo Bank. In dieser Zeit hat er die mäßig erfolgreiche Provinzbank zu einem internationalen Konzern ausgebaut, vor allem durch die Expansion nach Südosteuropa.
Gilt als extrem ehrgeizig
Um so überraschender kam im Frühjahr 2006 die Meldung, das Unternehmen habe mehr als 300 Miillionen in den Sand gesetzt. Der Versuch, diese Spekulationsverluste in der Bilanz zu vertuschen, hat den als extrem ehrgeizig geltenden Kulterer nun doch zu Fall gebracht.

Kulterer wurde am 17. Dezember 1953 geboren, die Volksschule besuchte er in seinem Heimatort Hörzendorf bei St. Veit/Glan. Nach vier Jahren Gymnasium in Klagenfurt absolvierte er die Höhere Bundeslehranstalt für Landtechnik und Landwirtschaft in Wieselburg in Niederösterreich (Bezirk Scheibbs), wo er 1974 die Matura machte. Es folgte ein Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien, das er 1979 abschloss.
Geschäftsführer der RLB
Seine Berufslaufbahn begann Kulterer bei der Firma Waagner-Biro in Wien, nebenbei schrieb er seine Doktorarbeit. Im Sommer 1981 schnupperte er erstmals Bankenluft: Als Trainee in der Raiffeisen Zentralbank in Wien. Nach einem Post-Graduate-Studium an der Harvard Business School in Lausanne 1986 wurde er von der RLB als Sanierungsmanager in eine lokale Kärntner Raiffeisenbank entsandt.

1988 wurde Kulterer Geschäftsführer in der RLB Kärnten, zuständig für das Eigenbankgeschäft und die Sanierung der Lagerhaus-Betriebe.
Zernatto holte ihn in die Landeshypo
Im November 1992 holte ihn der damalige ÖVP-Landeshauptmann Christof Zernatto in den Vorstand der Kärntner Landeshypotheken-Bank.

Das Geldinstitut hatte knapp davor die Grazer Wechselseitige Versicherung als Partner ins Boot geholt. Die Bilanzsumme der Bank belief sich zu diesem Zeitpunkt auf 1,87 Mrd. Euro (25,8 Mrd. Schilling). Die damalige FPÖ Jörg Haiders kritisierte die Bestellung als "rot-schwarze Packelei".
Konzentration auf Südeuropa
Die Hypo wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, Kulterer trieb die Expansion gemeinsam mit seinem "roten" Vorstandskollegen Jörg Schuster beharrlich voran. Nach dem Zerfall Jugoslawiens setzte er bald auf die Nachfolgestaaten, 1995 wurde das Institut in Hypo Alpe-Adria-Bank umbenannt.

Die Expansion begann vorerst mit Leasing-Gesellschaften in Slowenien und Kroatien, wo 1997 die kroatische Hypo-Tochter ins Leben gerufen wurde. In rascher Folge wurden weitere Beteiligungen eingegangen und Bankentöchter gegründet, stets war Kulterer die treibende Kraft. 2005 wurde eine Bilanzsumme von 24,23 Mrd. Euro erzielt.
Spekulationsverlust von 328 Mio. Euro
Seit März dieses Jahres ist alles anders: Da wurde bekannt, dass die Bank 328 Mio. Euro an Spekulationsverlusten nicht in die Bilanz 2004 aufgenommen hat, die Prüfer zogen ihr Bilanztestat zurück, FMA und Staatsanwaltschaft nahmen die Ermittlungen auf.

Kulterer zeigte sich zuerst kampfbereit und schloss einen Rücktritt aus. Rückendeckung erhielt er von Landeshauptmann Haider, der sich auf die FMA einschoss.
Privatleben bleibt privat
Sein Privatleben hält der Banker möglichst aus dem Scheinwerferlicht, auch Society-Termine sind nicht seine Sache. Bekanntheit erlangte er in einem ganz anderen Gebiet: Kulterer ist passionierter Reiter, der auch bei internationalen Bewerben gute Figur machte.
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