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MI | 11.04.2012
Slowenenorganisationen, Logos
Volksgruppen-Vertretung
Slowenen-Organisationen in Kärnten
Wer sich als Kärntner Slowene vertreten lassen will, hat die Wahl: Drei Organisationen sehen sich - nicht zuletzt in der Frage der zweisprachigen Ortstafeln - als offizielle Stimme ihrer Volksgruppe. Ein Überblick der APA.
Drei Slowenenorganisationen in Kärnten
Die Volksgruppe in Kärnten hat viele Stimmen: Den Rat der Kärntner Slowenen (NSKS), den Zentralverband slowenischer Organisationen Kärntens (ZSO) und die erst seit 2003 existierende Gemeinschaft der Kärntner Slowenen und Sloweninnen (SKS), die kleinste Organisation aller drei.

Dazu kommt als "Sammelpartei" der slowenischen Volksgruppe noch die slowenische Einheitsliste (EL), die aus dem Klub der slowenischen Gemeinderäte hervorgegangen ist.
Koordinations- und Verbindungsausschuss
Gemeinsames Gremium von Rat und Zentralverband ist der "Koordinationsausschuss" (KOKS): Der engere Koordinationsausschuss besteht aus jeweils drei Mitgliedern beider Organisationen und versucht, vorerst übereinstimmende Beschlüsse festzulegen, die nach außen vertreten werden.

Der erweiterte Koordinationsausschuss wird vor allem bei grundlegenden Fragen der slowenischen Volksgruppe zu Rate gezogen und gilt daher als "slowenisches Parlament in Kärnten".

Brücke zwischen Zentralverband und Gemeinschaft ist hingegen der "Verbindungsausschuss".
Mattheus Grilc  (Bild: ORF)
Matthäus Grilc
Der Rat der Kärntner Slowenen
Der Rat wurde 1949 als Sammelbecken der christlichen Bevölkerungsmehrheit unter den Kärntner Slowenen gegründet und sieht sich als "eine dem christlichen Weltbild verbundene Organisation".

Seit 1995 werden im Rat der Obmann und der Volksgruppentag vom Volk direkt in geheimer Wahl gewählt. Der Volksgruppentag ist das höchste Beschluss- und Entscheidungsgremium (48 Mitglieder, die auf Wahlsprengel- und allgemeinen Kandidatenlisten gewählt werden). Obmann ist seit 2005 Matthäus Grilc.

Wegen seiner "eingeschränkten Kompetenzen" setzt sich der Rat der Kärntner Slowenen für eine Reform des 1976 im Volksgruppengesetz festgeschriebenen Volksgruppenbeirates des Bundeskanzleramtes ein. Dieser diene derzeit lediglich "zur Verteilung der Förderungsmittel", ein politischer Einfluss sei dem Beirat bisher verwehrt geblieben.
Marjan Sturm (Bild: ORF)
Marjan Sturm
Zentralverband der Slowenen
Der ursprünglich linksgerichtete Zentralverband der Slowenen wurde 1955 gegründet und geht aus mehreren Widerstandsbewegungen gegen den Nationalsozialismus hervor. Die Mitgliederorganisationen nominieren alle vier Jahre ihre Delegierten, die auf der Hauptversammlung aktives und passives Wahlrecht besitzen.

Mitglieder der Dachorganisation sind unter anderem der Slowenische Kulturverband, der Schulverein, der Verband der ausgesiedelten Slowenen, der Verband der Kärntner Partisanen, Slowenischer Alpenverein und Slowenischer Frauenverband. Obmann ist seit vielen Jahren Marjan Sturm, gleichzeitig Vorsitzender des Volksgruppenbeirates.
Bernhard Sadovnik, Gemeinschaft der Kärntner Slowenen (Bild: ORF) Gemeinschaft der Kärntner Slowenen
Im Sommer 2003 kam es im "Rat der Kärntner Slowenen" zum Knalleffekt. Der damalige Obmann Bernhard Sadovnik war einige Wochen zuvor wegen "schwerer Differenzen" mit anderen Mitgliedern von seiner Funktion zurückgetreten - es folgte die Gründung der "Gemeinschaft der Kärntner Slowenen und Sloweninnen" (Skupnost koroskih Slovencev in Slovenk, SKS).

Sadovnik berief sich auf die "Fortsetzung des konstruktiven Dialoges" in der Ortstafelfrage, die für ihn im Rat nicht mehr möglich schien und strebte die Schaffung einer "Dachorganisation" an, in der sich alle Fraktionen innerhalb der Volksgruppe finden sollten. Diese Forderung sollte er immer wieder erneuern, zuletzt 2005 in Laibach, wo man sich gemeinsam mit dem "Rat der Kärntner Slowenen" für die "Überbrückung ideologischer und politischer Auseinandersetzungen" aussprach.

Die Aufnahme in der Gemeinschaft in den Koordinationsausschuss wird laut Sadovnik vom Rat blockiert. Damit gibt es derzeit auch kein Gremium, in dem die Standpunkte aller drei Slowenenvertretungen koordiniert werden.
Vladimir Smrtnik, EL (Bild: Enotna Lista) Die Einheitsliste (EL)
Bereits ab 1950 kandidierten slowenische Listen regelmäßig auf Gemeindeebene. Die diversen slowenischen Gemeinderatsfraktionen wurden im Jahre 1973 im "Klub der slowenischen Gemeinderäte", der 1991 in Einheitsliste (EL) umbenannt wurde, überregional zusammengeschlossen.

Die EL bezeichnet sich als "weltanschaulich ungebunden" und versteht sich als Sammelpartei und Interessensvertretung der slowenischen Volksgruppe. Die EL hat derzeit in Kärnten in den 24 Gemeinden in denen sie antrat, immerhin 52 Gemeinderäte und ist in der Landwirtschaftskammer und in der Arbeiterkammer (dort in Kooperation mit den Grünen) vertreten. Die EL vertritt die slowenische Volksgruppe auch im Vorstand des Kärntner Gemeindebundes.
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