Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
News-Skandal
FPÖ wollte Haider bespitzeln lassen
Das Nachrichtenmagazin "News" berichtet in seiner aktuellen Ausgabe von einer Spitzelaktion der FPÖ, um das Privatleben von LH Jörg Haider auszuspionieren. FPÖ-Funktionär Klement bestätigte einen Detektiv-Auftrag für Hypo-Belange.
Klement bestätigte Zahlung an Detektiv
FPÖ-Funktionär Karlheinz Klement bejahte Mittwochabend gegenüber der APA, dem Detektiv Dietmar Guggenbichler 10.000 Euro bezahlt zu haben. Dieses Geld sei aber ausschließlich für Informationen in Zusammenhang mit der Geschäftsgebarung der Hypo Alpe-Adria-Bank geflossen, das Privatleben des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider zu bespitzeln, sei nicht Teil des Auftrages gewesen.
Funktionäre bezahlten aus Privatkasse
Die FPÖ habe mit der Guggenbichler-Aktion nichts zu tun, erklärte Klement in einer Pressekonferenz. Vielmehr hätten er und der Völkermarkter Bezirksparteichef Franz Jamnig an den Detektiv je 5.000 Euro aus ihrer Privatkasse bezahlt. Dieser habe die Informationen über die Hypo mit dem Hinweise angeboten, es bestehe der Verdacht auf Korruption und Schmiergeldaffären.
Kontaktmann: Josef Feinig
Der Kontakt zu Guggenbichler sei laut Klement durch den früheren FPÖ-Funktionär Josef Feinig hergestellt worden. Dieser, ehemaliges Ersatzmitglied der Landesparteileitung, sei mittlerweile aber wegen diverser "Intrigenspiele" aus der Partei ausgeschlossen worden.
Funktionäre wiesen Spitzelvorwurf zurück
Die Vorwürfe des BZÖ, die FPÖ hätte über einen Privatdetektiv Haider bespitzeln lassen wollen, wurden sowohl von Klement als auch von Landesparteichef Franz Schwager vehement zurückgewiesen. "Die Unterlagen haben ausschließlich mit der Hypo und nichts mit der Person Haider zu tun", betonte Klement.

Weiters versicherte er, dass auf einer den Medien zugespielten angeblichen Zahlungsbestätigung die Unterschriften Jamnigs und Guggenbichlers gefälscht seien. Als Beweis dafür übergab er an Journalisten eidesstattliche Erklärungen der beiden Betroffenen.
News-Skandal
Landeshauptmann sollte überwacht werden
Der als Lucona-Aufdecker bekannte Kärntner Privatdetektiv Dietmar Guggenbichler erhielt im April 2006 von der amtierenden FPÖ-Führung den Auftrag, Haider zu überwachen, berichtete das Nachrichtenmagazin "News".

Dieser Auftrag bezog sich zunächst auf Haiders Tätigkeit als Landeshauptmann. Guggenbichler hatte den Auftrag erhalten, "belastendes Material im Zusammenhang mit dem Hypo Alpe-Adria-Skandal zu beschaffen und sodann Haiders Rolle als Präsident von Hypo FC Kärnten zu durchleuchten".
Detektiv sollte Privatleben ausspionieren
In weiterer Folge sollte Haider bei einer Kapitalgewährung (durch das Land Kärnten) für die finanziell ins Trudeln geratene Fluglinie Styria Spirit durchleuchtet werden. Nach wenigen Recherchetagen habe Guggenbichler ein Zwischenergebnis geliefert, so "News".

Daraufhin wurde er vom Auftraggeber aufgefordert, seine Recherchen auf das Privatleben Haiders auszudehnen und "Informationen zu besorgen, die LH Haider zum Rücktritt zwingen sollen". Nach kurzer Überlegung habe der Detektiv dieses Ansinnen abgelehnt.
Guggenbichler: "Ging unter die Gürtellinie"
Der Detektiv bestätigte gegenüber der APA diese Darstellung. Man habe "etwas Bestimmtes" von ihm gewollt, bestätigte Guggenbichler, ohne aber genau zu sagen was. "Darüber möchte ich nicht reden, was unter die Gürtellinie geht, ist nicht mein Ding", sagte der Detektiv.
Honorar sollte schwarz ausbezahlt werden
Für bereits erbrachte Leistungen erhielt er laut "News" ein Honorar von 10.000 Euro. Dieses sollte nach Angaben des Detektivs gegenüber der APA "zunächst schwarz" ausbezahlt werden. Dazu beauftragte der geschäftsführende Kärntner FP-Parteiobmann Karlheinz Klement im Mai 2006 zwei FPÖ-Funktionäre, "die Sache finanziell zu regeln", so Guggenberger.
Gesamte FPÖ Führungsspitze involviert?
Laut vertraulichen Informationen von "News" sollen nicht nur Klement, sondern die gesamte Kärntner FPÖ-Führungsspitze, unter ihnen der frühere NR-Abgeordnete Alois Huber, die frühere Landtagspräsidentin Kriemhild Trattnig und der Abgeordneter Franz Schwager sowie Volksanwald Ewald Stadler von der Auftragserteilung an den Detektiv gewusst haben.

Stadler ließ in einer Aussendung verlauten, es handle sich bei der Newsgeschichte um eine "infame Lüge", er werde bei Aufrechterhaltung der Behauptung das Magazin klagen.
Haider: Von der FPÖ "enttäuscht"
Haider zeigte sich vom Vorfall "persönlich getroffen", er habe in seinen "30 Jahren in der Politik schon Vieles erlebt, aber etwas Vergleichbares" sei ihm noch nicht untergekommen". Jedenfalls sei er sehr enttäuscht, "dass die Alt-FPÖ so weit geht", so der Landeshauptmann zur APA.
Die FPÖ dementierte "Spitzelauftrag"
Die FPÖ dementierte, den "Spitzel-Auftrag" für Haider erteilt zu haben. Haider nehme sich selbst viel zu wichtig, hieß es von der FPÖ. In "einschlägigen Milieus" wären seine "Privateskapaden ohnehin hinlänglich bekannt, dafür noch einen Euro auszugeben, wäre alles andere als eine gute Investition", so der FPÖ-Obmann Klement.
Klement: "Zustand Haiders ist fragwürdig"
Angesicht dieses "neuen Paranoia-Anfalls" habe SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer "mit seiner Beurteilung des psychischen Zustandes von Haider offenbar nicht ganz unrecht", so Klement in Anspielung auf eine frühere Aussage Gusenbauers, wonach Haider "nur noch frei herum" laufe, "weil wir in Österreich die offene Psychiatrie haben".

Klement verwies weiters auf frühere "Paranoia-Anfälle" des Landeshauptmanns aus den Jahren 1989, 1992, 1994, 1998 und 2005, bei denen Haider wiederholt den Verdacht geäußert haben soll, abgehört worden zu sein.

Die "Inszenierung einer neuen Verfolgungsstory gegen seine eigene Person" entspringe, so die FPÖ, "Haiders Paranoia". Dies sei nur ein Teil einer "langen Geschichte".
Strache: "Beschäftige mich nicht mit Haider"
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bestreitet ebenfalls, von einer "Spitzelaktion" gegen Haider gewusst zu haben. Am Rande einer Sitzung des Verfassungsausschusses in Wien meinte er gegenüber Journalisten, es handle sich um "paranoide Vorwürfe". Mit "den Wahnvorstellungen und dem Verfolgungswahn des Herren Haider" beschäftige er sich nicht.
Feinig: "Guggenbichler erhielt 10.000 Euro"
Laut einem der beiden in die Causa involvierten FP-Funktionäre, Josef Feinig, sei der Privatdetektiv Dietmar Guggenbichler von sich aus an die FPÖ herangetreten, um Material über Haiders Privatleben, sowie über die Hypo-Alpe-Adria anzubieten. Dafür habe man Guggenbichler 10.000 Euro gegeben, sagte Feinig am Mittwoch gegenüber der APA.
Unterschrift auf Auftrag war Fälschung
Die schriftliche "Bestätigung" der Auftrags-Abwicklung durch Feinig und einen zweiten Kärntner FPÖ-Funktionär, den Völkermarkter Bezirksobmann Franz Jamnig, wurde laut Feinig - zumindest in der den Medien zugespielten Form - gefälscht. Er selbst habe das Papier zwar verfasst und unterschrieben. Die Unterschrift Jamnigs sei aber offenbar im Nachhinein gefälscht worden. Jamnig habe das Papier nämlich nicht unterzeichnet.
Jamnig: "Detektiv kam von selbst"
Auch Jamnig versicherte im Gespräch mit der APA, keine Bestätigung unterzeichnet zu haben. Er räumte zwar ein, Guggenbichler 5.000 Euro übergeben zu haben. Seines Wissens nach sei der Privatdetektiv aber von sich aus an die Partei herangetreten und nicht von der FPÖ mit Recherchen über Haider beauftragt worden.
Ganz Österreich
Kärnten News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News