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MI | 21.03 | 16:36
Rot-Kreuz-Zentrale (Bild: ORF)
Rotes Kreuz
Kind verletzt - wie handle ich richtig?
Neben zahlreichen Notfall- und Erste-Hilfe-Kursen bietet das Rote Kreuz auch einen "Kindernotfallkurs" an. Gut investierte Zeit für alle, die mit Kindern in einem Haushalt leben oder beruflich mit Kindern zu tun haben und wissen wollen, wie sie im Notfall helfen können.
"Das einzig Falsche ist das Nichtstun"
Trainer Peter Wassertheurer ist seit 20 Jahren ehrenamtlich beim Roten Kreuz tätig und viel gesehen.

Quintessenz seines Vortrages: Das einzige, was man im Notfall falsch machen kann, ist es, gar nichts zu tun. Denn der Ersthelfer ist vor den Rettungskräften beim Verletzten. Die paar Minuten des Wartens auf Retter und Notarzt könnte bereits den Tod des Patienten bedeuten, zum Beispiel bei einem Atemstillstand.
Wassertheurer: "Es gibt eine Checkliste, die man im Kopf haben soll, man geht immer gleich vor, damit gibt es keine Verwirrung." Diese Checkliste kommt immer dann zum Einsatz, wenn eine Person reglos daliegt, egal ob Erwachsener, Baby oder Kind.

Zunächst muss das Bewusstsein geprüft werden.
Ansprechen, Berühren, Zwicken, Atmung kontrollieren. Ansprechen und anfassen
Ansprechen: "Was ist denn los, schau mich an" o.ä.
Anfassen: Arm oder Schulter streicheln, Körperkontakt herstellen. Reagiert der Patient, ist er bei Bewusstsein.

Reagiert der Patient nicht auf Anfassen oder Ansprechen, kommt die Schmerzprobe. In den Handrücken zwicken, oder ein Baby in die Bauchhaut zwicken. Kommt eine Reaktion, handelt es sich vielleicht um eine Ohnmacht, aber keine Bewusstlosigkeit.

Kommt keinerlei Reaktion, muss man feststellen, ob es eine Atmung gibt. Man beugt sich über Mund und Nase und horcht und sieht genau hin. Ist keine Atmung festzustellen, muss man beatmen - handelt man nicht und wartet auf die Retter, ist es nach drei bis vier Minuten für den Patienten zu spät.

Atmet das Kind (oder der Erwachsene), ist aber bewusstlos, auf jeden Fall auf die Seite drehen. Stichwort "stabile Seitenlage", das verhindert das Ersticken oder dass Erbrochenes in die Lunge gerät.
Wasserstheurer: "Keine Angst haben, dass man etwas falsch macht. Das einzig Falsche ist, gar nichts zu machen und abzuwarten. Selbst wenn eine Rippe gebrochen wird, oder man sich beim Beatmen und der Herzmassage verzählt. Egal, Hauptsache, man tut etwas, bis die Retter eintreffen oder die Person zu atmen beginnt."
Kleine Puppen als Trainingsobjekte
Zwei Puppen liegen auf dem Boden - eine Babypuppe und eine mit der Gestalt eines etwa dreijährigen Kindes. Der Trainer zeigt das Beatmen vor:

"Beim Baby oder Kind fünf Mal beatmen, dann wieder auf Atmung horchen. Kommt keine Atmung oder verändert sich die Gesichtsfarbe gar nicht, folgt 30 Mal Herzmassage, dann zwei Mal Beatmung und immer so weiter bis Hilfe kommt."
Babys werden durch Mund und Nase beatmet. Größere Kinder nur durch den Mund. Und wenn das mein Kind wäre?
Das Üben an der Babypuppe löst seltsame Gefühle aus - wenn es sich hier um das eigene Kind handelt? Doch das Üben macht auch sicher, man fühlt sich besser gerüstet für den Notfall, der hoffentlich nie kommt. Vorsichtige Herzmassage mit zwei Fingern beim Baby, Beatmung über Mund und Nase. Mit dem Ballen nur einer Hand massiert man das Herz des älteren Kindes und beatmet - wie beim Erwachsenen - den Mund.
"Panik hilft niemandem"
Wird man im Fall des Falles noch wissen, was zu tun ist? Weiterüben, der Trainer korrigiert und leitet an. Wichtig sei es, die Ruhe zu bewahren, tief durchatmen und sich sammeln, denn Panik hilft niemandem. Nicht dem Helfer und nicht dem Patienten. Weitermassieren, 30 Mal, Beatmungspause zwei Mal.
Retter geben per Telefon Tipps
Idealerweise weist man eine andere anwesende Person an, die Rettung anzurufen. Doch meistens ist man mit dem Kind alleine, wie teilt man sich die Zeit ein?

Wassertheurer: "Eine Minute Notfallmaßnahmen durchführen, dann die Rettung 144 anrufen. Am besten ein Handy auf Lautsprecher schalten und neben sich hinlegen, dann mit dem Beatmen und der Herzmassage weitermachen. Die Person in der Zentrale kann wertvolle Tipps geben."
Je ruhiger die Eltern bleiben, desto eher helfen sie ihrem verunfallten Kind. Weiche Knie darf man später bekommen. Kleine Ursache, gefährliche Wirkung
Doch neben dem absoluten Notfall des Atemstillstandes gibt es viele kleinere Unfälle, die Kindern passieren können. Stürze, Verschlucken kleiner Objekte, Insektenstiche, giftige Pflanzen. Die Liste der möglichen Gefahren scheint endlos. Doch langsam weicht das Gefühl der Hilflosigkeit, denn es sind immer ganz einfache, klare Maßnahmen, die eine Tragödie verhindern könnten.
Das Anschwellen, vor allem im Halsbereich, nach Insektenstichen sollte durch Kühlen verzögert werden. Bei Insektenstichen vor allem beruhigen
Gefürchtet sind vor allem Insektenstiche im Rachenbereich. Laut Wassertheurer geht es in erster Linie darum, die Zeit, bis der Hals so zu schwillt, dass die Atmung massiv beeinträchtigt oder sogar verhindert wird, hinauszuzögern bis Hilfe kommt. Das heißt, kühlen von außen und innen, dem Kind kaltes Wasser oder Eis geben, kalte Umschläge um den Hals legen, beruhigen, den Herzschlag ruhig halten.

Je schneller das Herz des verängstigten Kindes schlägt, desto rascher schwillt die Stichstelle an. Eskaliert die Situation und bekommt das Kind keine Luft mehr, muss man beatmen und hoffen, dass etwas Luft durchkommt, bis die Retter da sind.
Auch eine zu heiße Wärmflasche kann Babyhaut verbrennen. Verbrennungen auch durch Wärmflaschen
Ein wichtiges Kapitel vor allem bei kleinen Kindern, sind Verbrennungen und Verbrühungen. Wassertheurer: "Man denkt da gleich an rasche Verbrennungen durch Feuer oder kochendes Wasser, aber man kann ein Kind auch mit einer zu heißen Wärmflasche langsam verbrennen. Deshalb immer vorher prüfen, denn Kinder haben eine dünnere Haut."
Verbrennungen nicht mit Eiswürfeln behandeln. Kühles Wasser reicht. Kühlen, kühlen, kühlen
Notfallmaßnahme: Kühlen, kühlen, kühlen. Mit kaltem, aber nicht eiskaltem Wasser und vor allem nicht mit Eiswürfeln, denn diese schädigen die Haut durch Kälte. Das Kind entweder mitsamt der Kleidung in der Badewanne abbrausen oder z.B. den Arm unter fließendes Wasser halten. Auch Mineralwasser ist geeignet.

Kleidung nur vorsichtig abnehmen, nicht reißen oder ziehen. Nach 15 Minuten Wasserkühlung droht bei Kindern eine Unterkühlung, dann kann man auf feuchte Tücher zurückgreifen.

Wassertheuerer: "Auch hier hat der Ersthelfer eine wichtige Funktion, denn durch richtige Erstmaßnahmen können schwere Narben unter Umständen vermieden werden."
Wichtig: Den Unfallort überprüfen
Noch eine Checkliste ist Wassertheurer wichtig: "Bevor man mit Rettungsmaßnahmen beginnt, muss man erst einmal schauen, wo der Patient liegt. Gibt es eine Gefahrenzone, aus der man ihn zuerst bringen muss? Also zuerst die Stelle absichern, dann bergen, dann erst Bewusstsein und Atmung prüfen."

Es scheint im Kurs logisch: Was hilft die Beatmung, wenn ein nachfolgendes Auto in die Unfallstelle kracht und Patienten und Helfer gefährdet. Doch wird man auch im "richtigen Leben" daran denken?
Ein Schock darf nicht unterschätzt werden. Die Organe könnten versagen. Wichtig: Gutes Zureden. Schock kann zum Tod führen
Ein wichtiger Punkt im Kurs ist auch die Schockbehandlung. Denn ein Schock ist eine schwere Kreislaufstörung, die zum Kreislaufversagen und sogar zum Tod führen kann. Bei einem Menschen im Schock fühlt man fast immer kalten Schweiß, die Gesichtsfarbe sieht gefühlsmäßig einfach schlecht aus, Schockierte atmen flach und schnell.

Maßnahmen: Mit einer Decke wärmen, sie beruhigen, zum tiefen, langsamen Atmen anhalten. Langsam auf den Boden legen und die Beine hoch lagern. Das sichert die Durchblutung der lebenswichtigen Organe. Wassertheurer: "Eine wichtige Maßnahme bei der Schockbekämpfung ist auch das gute Zureden."
Verbandszeug muss man immer zuhause haben. Wissen Sie, was in der Autoapotheke drin ist?
Der erste Weg nach einem solchen Kurs führt in die Apotheke, das richtige Verbandszeug kaufen. Und vielleicht sollte man einmal einen Blick in die Autoapotheke werfen, denn nur, wenn man weiß, was drin ist, findet man es auch im Notfall und wendet es richtig an.

Der Kindernotfallkurs gibt ein Stückchen Sicherheit, seinem Kind helfen zu können, bis die Profi-Helfer eintreffen. Fazit: Sehr empfehlenswert, die 15 Euro Kurs-Beitrag sind gut investiert. (Petra Haas/kaernten.ORF.at)