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MI | 11.04.2012
Soldat schießt mit Panzerfaust im 2. Weltkrieg (Bild: ORF)
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Dissertation zu Partisanen: Viel mehr Tote
Am Montag ist die Dissertation des Historikers Florian Thomas Rulitz zur Partisanengewalt in Kärnten präsentiert worden. Die Gesamtzahl der Getöteten sei mit rund 1.000 weit höher als bisher angenommen.
In Familie mit Thema konfrontiert
Florian Thomas Rulitz untersuchte für seine Dissertation "Die Tragödie von Bleiburg und Viktring. Partisanengewalt in Kärnten" an der Universität Klagenfurt jene zwei Wochen zwischen dem Ende des 2. Weltkriegs und dem Abzug der Tito-Partisanen am 21. Mai. Dafür befragte er Zeitzeugen und forschte in verschiedensten Archiven.

Vier Jahre lang arbeitete er an der Dissertation über die Partisanen in Kärnten. Aufgewachsen in Ferlach, wurde er schon früh mit der Geschichte der Partisanen konfrontiert, sagte Rulitz. Partisanendenkmäler und die Erzählungen seiner Großeltern weckten in ihm das Interesse für das Thema.
Mehr als 1.000 Getötete
Durch die Befragung von Zeitzeugen und das Forschen in den Chroniken von Gemeinden, Pfarren und Gendarmerie förderte er neue, erschütternde Details zu Tage.

Rulitz: "Bisher ist man in Österreich von 130 getöteten Verschleppten während der Partisanenbesatzungszeit in Kärnten ausgegangen. Ich konnte in den Pfarr- und Gendarmeriechroniken im Zeitraum zwischen 8. und 23. Mai alleine 350 Tote ausfindig machen, die hier auch begraben sind."

Die Gesamtzahl der Getöteten im Zusammenhang mit den Partisanen sei um Einiges höher, man komme auf weit über 1.000 Personen, so Rulitz.
Noch mehr Massengräber vermutet
Neben den verschleppten Kärntnern befanden sich unter den Opfern vor allem Kroaten und Slowenen, aber auch Serben, Russen und deutsche Soldaten. Viele dieser Toten wurden über die Grenze ins damalige Jugoslawien gebracht und dort in Massengräbern verscharrt.

Einige dieser Massengräber diesseits und jenseits der Grenze sind bereits bekannt bzw. geöffnet. Laut Zeitzeugen gebe es aber noch viel mehr, so Rulitz - vor allem im Raum Eisenkappel, Ferlach, Bleiburg und Lavamünd. Neben den neuen Fakten gewann Rulitz bei seinen Nachforschungen noch eine Erkenntnis.
"Geschichte ist nicht schwarz-weiß"
Rulitz: "Es gibt in Kärnten zwei bestehende Mythen: Slawe gleich Partisan und Deutschkärntner gleich Deutschnational oder Nazi. Man kann in meiner Arbeit sehen, dass Geschichte nicht so schwarz weiß ist, wie manche Leute es gerne haben möchten."

Bei der Präsentation des Buches mit dabei war auch der ORF-Journalist Christian Wehrschütz, der dieses Thema immer wieder in seinen Berichten behandelt. Für ihn ist die Aufarbeitung diese Teils der Geschichte noch lange nicht abgeschlossen.

Kärnten aber auch die Steiermark müssten das Thema in grenzüberschreitenden Projekten aufarbeiten, fordert er. Um die Geschichte auch für die Nachwelt nachvollziehbar zu machen, müssten rasch die noch lebenden Zeitzeugen befragt und ausführlich dokumentiert werden, so Wehrschütz.
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