Kärnten ORF.at
MI | 11.04.2012
Soldat schießt mit Panzerfaust im 2. Weltkrieg (Bild: ORF)
Symbolbild
WISSENSCHAFT
Neue Erkenntnisse zu Partisanengewalt
Der Kärntner Historiker Florian Rulitz hat die zwei Wochen nach Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Abzug der Tito-Partisanen am 21. Mai erforscht. Er konnte Zeitzeugen und mögliche, bisher unbekannte Gräber ausfindig machen.
Unter den Opfern waren Kärntner, Kroaten, Slowenen, Serben, Russen und Deutsche.
1.000 Personen von Partisanen getötet
In Kärnten endete der Zweite Weltkrieg nicht am 8. Mai, sondern erst mit dem Abzug der Tito-Partisanen am 21. Mai. In diesen zwei Wochen wurden in Südkärnten etwa 1.000 Personen von Partisanen getötet und ermordet.

Neben den noch immer 130 verschleppten Kärntnern waren das vor allem flüchtige Kroaten und Slowenen, aber auch Serben und Russen, sowie heimkehrende deutsche Soldaten. In einigen Fällen ermittelt nun auch die Staatsanwaltschaft Klagenfurt wegen des Verdachts der Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Augenzeuge berichtet von Vorfall in Wald
Diese Gewalttaten hat nun der junge Kärntner Historiker Florian Thomas Rulitz in vierjähriger Forschung aufgearbeitet, wobei er noch einige Zeitzeugen und mögliche bisher unbekannte Gräber ausfindig machen konnte.

Einer der Betroffenen, den Florian Thomas Rulitz im Zuge seiner Forschung interviewte, ist Johann Neubersch. Er schilderte eine Begebenheit, die sich im Mai 1945 in einer unscheinbaren Kurve an der Straße von Bleiburg nach Slowenien, etwa drei Kilometer von der Grenze entfernt, zugetragen haben soll.
Leichen und Tierkadaver unterhalb der Straße von Bleiburg nach Slowenien verscharrt.
Partisanen erschossen Kroaten und Pferde
Vom Wald aus hatte der damals 15 Jahre alte Bauernbub beobachtet, wie kommunistische Partisanen dort einige Kroaten und Pferde erschossen und unterhalb der Straße verscharrten.

Auch mehr als 65 Jahre später erinnert sich der Zeitzeuge noch genau an das Szenario: "Es waren drei oder vier Pferde und fünf oder sechs Ustascha; die waren unterhalb und die Pferde haben sie über sie geworfen. Da drinnen, bei den großen Bäumen, da war so ein Loch."
Damals 15-Jähriger musste Opfer begraben
Das sumpfige Gelände unter der Kurve ist nicht das einzige, wo noch Tote liegen dürften. Oberhalb der Straße im Wald half der damals 15 Jahre alte Johann Neubersch im Frühommer 1945 selbst mit, ein Opfer zu begraben. Ein Kleinbauer hatte seinen Vater über den Toten informiert.

"Er war voller Würmer. Da hat man keine Haute mehr gesehen, gar nichts. Wir haben auf der Seite 30 Zentimeter hinein gegraben und ihn mit zwei Schaufeln hineingeworfen – auf dem Bauch, anders konnten wir das nicht machen", so Johann Neubersch.
Chroniken berichten über 200 Mordfälle
Zu den besten Quellen aus dieser Zeit zählen Pfarr- und Gendarmerie-Chroniken. Einige davon hat der Historiker Florian Thomas Rulitz für seine Doktorarbeit an der Uni Klagenfurt ausgewertet. Darin fand er mehr als 200 dokumentierte Mordfälle.

Dazu zählt ein Eintrag im Pfarrbuch von Glainach, der von 16 slowenischen Flüchtlingen berichtet, die Partisanen ermordet hatten. Am Pfarrfriedhof von Glainach liegen sie begraben – ihnen gegenüber liegen Partisanen, die in den Kämpfen bei Ferlach zwischen 10. und 13. Mai fielen. Dabei ging es um den Drauübergang, den die Partisanen verhindern, die bunt zusammengewürfelten Flüchtlinge aber erzwingen wollten.
75.000 Flüchtlinge kamen über den Loiblpass nach Kärnten.
Insgesamt rund 250.000 Flüchtlinge
"75.000 Flüchtlinge sind über den Loiblpass gekommen - davon waren etwa 20.000 Slowenen. Die restlichen Zahlen beziehen sich auf andere slawische Flüchtlinge, die aus Furcht vor den Kommunisten flüchteten und der Rest waren Wehrmachtseinheiten bzw. Verbände der Waffen-SS", erläutert Florian Thomas Rulitz.

Die Gesamtzahl der Flüchtlinge war noch viel größer, betont Rulitz: "Man muss in Kärnten von etwa 250.000 Flüchtlingen ausgehen, die es geschafft haben, die jugoslawisch-österreichische Grenze zu überqueren. Davon wurden in etwa 200.000 repatriiert [Repartiierung: Rückführung von Flüchtlingen, verschleppten Personen und Kriegsgefangenen nach ihrer nationalen Zugehörigkeit in ihre Heimatländer], bzw. von den Briten abgewiesen."
Gedenkstätten in Viktring und bei Bleiburg
Während Viktring als Synonym für die slowenische Tragödie gilt, ist für die Kroaten das Bleiburger Feld der Ort, an dem jedes Jahr der Verbrechen unmittelbar nach Kriegsende gedacht wird, denen auch mehr als 100 Kärntner Verschleppte zum Opfer fielen.
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