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MI | 11.04.2012
Peter Handke (Bild: ORF)
KULTUR
Peter Handke erhielt "Vinzenz-Rizzi"-Preis
Peter Handke hat Freitagabend in Neuhaus/Suha (Bezirk Völkermarkt) den "Rizzi-Preis" des Zentralverbandes Slowenischer Organisationen und vom Slowenischen Kulturverband entgegen genommen.
Vinzenz Rizzi vor 150 Jahren: Das Slowenische soll gelernt, nicht unterdrückt werden
Verdienste um die Rechte der Minderheit
Mit dem Preis werden Persönlichkeiten geehrt, die sich um die Einhaltung der Minderheitenrechte besonders verdient gemacht haben. Benannt ist die Auszeichnung nach dem 1816 geborenen Humanisten und literarischen Vorkämpfer des Vormärzes, Vinzenz Rizzi, der bereits vor 150 Jahren gefordert hatte, dass die slowenische Sprache nicht unterdrückt, sondern erlernt werden solle.
Peter Handke (Bild: ORF)
Partisanen-Epos: "Storm still"
Bei der Preisverleihung las Handke aus der slowenischen Übersetzung seines Werkes "Immer noch Sturm/Storm still" vor und vergewisserte sich immer wieder beim Publikum, ob er sich auch richtig an die deutschen Wörter "erinnere". Fast beiläufig fiel der Satz: "Ich war ja nie in dem Sinn Slowene wie ihr alle es hoffentlich immer bleiben werdet".
Storm still_Peter Handke_Buchcover (Bild: ORF)
Plädoyer gegen Nationalismus und Intoleranz
In "Storm still", dem Epos über die slowenischen Partisanen, prangere Handke das österreichische Kurzzeitgedächtnis an und plädiere "für eine Erinnerungs- und Gedächtniskultur, die ein widerständiges Bewusstsein gegen Nationalismus und Intoleranz fördert", wie es in der Begründung für den "Rizzi-Preis" an Handke hieß.
Peter Handke war zur Tanzenberger Zeit nicht nur mit Büchern beschäftigt.
Handke: "Ich war ein guter Linksaußen"
Der Kärntner Slowene und Schriftsteller Florjan Lipus erinnerte sich seiner Laudatio auch an die gemeinsame Schulzeit im Knabenseminar Tanzenberg - an Peter Handke, den Mitschüler mit einem Buch unter dem Arm. Handke sagte, auf diese Laudatio angesprochen: "Ich habe mich gefreut - Florjan Lipus ist ja ein sehr distanzierter Mensch und bewahrt immer den Abstand. Ich habe mich gefreut, dass er zum ersten Mal einen anderen Schriftsteller so genau und fein wahrnimmt. Obwohl er das natürlich idealisiert hat, dass ich immer nur mit einem Buch unterwegs war - ich habe genauso gern Fußball und Basketball gespielt. Ich war ein guter Linksaußen".
Peter Handke (Bild: ORF)
Lipus-Laudatio.
"Der Versuch einer slowenischen Verneigung"
Neben Peter Handkes aufrechter menschlicher Haltung sind es für Florjan Lipus Handkes Bücher, die zählen - Bücher wie "Immer noch Sturm" über die Kärntner Partisanen im Widerstand gegen Hitler.

"Der Preis, benannt nach dem Humanisten und Verfechter der Gerechtigkeit und der Sprachen und Nationen, Vinzenz Rizzi, ist der Versuch einer slowenischen Verneigung. Er ist das Zeichen unserer aller Hochachtung vor Handkes Werk - Hvala lepa - Dankeschön", so Lipus.
Florjan Lipus (Bild: ORF)
"Die Literatur und die Künste werden immer eine andere Macht haben", so Peter Handke.
Handke: "An das andere Kärnten glauben"
Nur in einer aufgeklärten Welt des wachsenden Wissens und der Toleranz, so Marjan Sturm, der Obmann des Zentralverbandes slowenischer Organisationen, sei diese gemeinsame Erfahrung möglich. Kann man an dieses andere Kärnten glauben, Peter Handke?

"An das muss man glauben, dass ist schon da. Das erste Kärnten gibt es gar nicht, das eigentliche Kärnten ist verborgen und läuft woanders ab. Es wird nie die Macht gewinnen -aber es gibt andere Mächte als die Hauptmacht. Die Literatur und die Künste werden immer eine andere Macht haben - diese wird eben nie auf einem Thron sitzen".

Oder, wie Vinzenz Rizzi es formulierte: "Wie der einzelne Mensch nur durch andere gebildet wird, so wird auch ein Volk nur durch die Anregung eines anderen gebildet".
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