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MI | 11.04.2012
Kreuz von Gedenkstätte bei Liescha in Slowenien (Bild: ORF)
CHRONIK
Massengrab bei Liescha: 50 Kärntner Opfer
Nach der Untersuchung des Massengrabes bei Liescha in Slowenien gehen die Experten von bis zu 700 Toten aus. Dazu dürften auch etwa 50 Kärntner zählen, die nach Kriegsende von kommunistischen Partisanen verschleppt wurden.
Erste Leichen in 40 Zentimeter entdeckt
Ein Kreuz erinnert sein einigen Jahren an die Opfer, die Partisanen im Wald beim Dorf Liescha Mitte Mai 1945 ermordet haben. Das Massengrab wurde erst jetzt sondiert, wobei die Experten bereits in einer Tiefe von 40 Zentimetern auf die ersten Leichen stießen.

Einige Menschen wurden durch Kopfschuss getötet, andere wurden offensichtlich einfach erschlagen.
Massengrab bei Liescha in Slowenien (Bild: ORF)
13 Täter namentlich bekannt.
Spezialeinheiten für "Säuberungen" zuständig
Zu den Tätern sagt Marjan Linasi, der Direktor des Bezirksmuseums von Slovenj Gradec, dem alten Windischgrätz: "13 Täter sind namentlich bekannt, doch sicher ist, dass mehr daran beteiligt waren. Hier ist die Rede von Spezialeinheiten, die im Rahmen des Kärntner Bataillons für Volksverteidigung aufgestellt worden waren und die Aufgabe hatten, Säuberungen durchzuführen."
Leichen erst später von Einheimischen vergraben.
Verwesungsgeruch erfüllte das ganze Tal
Die Täter sind bereits alle verstorben. Mitte Mai 1945 machten sie sich offensichtlich keine Mühe, ihre Morde zu verbergen, erzählt Benjamin Kumprej: "Die Leichen waren nicht bedeckt, nur Geäst lag darüber, daher hat es im ganzen Tal gestunken. Doch später kamen zwei Einheimische, Vater und Sohn, die sie vergraben haben, aber nicht sehr tief."

Kumprej lebt in einem Gehöft, das direkt beim Wald von Liescha liegt. Der 58-Jährige hat einige Täter und Zeitzeugen noch selbst gekannt.
Foto von Schädelfund in Massengrab bei Liescha (Bild: ORF)
Überreste von Frauenkleidung gefunden.
Frauen und Männer unter den Ermordeten
Mit großer Wahrscheinlichkeit dürften zu den Opfern etwa 50 Verschleppte aus Kärnten zählen. Insgesamt werden noch immer mehr als 100 Kärntner und 100 Steirer vermisst, die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg nach Jugoslawien verschleppt wurden.

Sicher ist, dass nicht nur Männer ermordet wurden, erläuterte in Laibach Marko Strovs, der im Arbeitsministerium für Kriegsgräber zuständig ist: "Wir haben in Liescha auch weibliche Knochenteile gefunden und Stoffreste, die wahrscheinlich Frauenkleider gewesen sind."
Rund 100.000 Tote in 500 Massengräbern
In Slowenien sind mehr als 500 Massengräber verzeichnet und die Zahl der Toten wird auf 100.000 geschätzt. Sie wurden zwischen Mai und August 1945 ermordet.

Der Opfer von Liescha wird jedes Jahr Ende Mai gedacht. Im Vorjahr nahm zum ersten Mal auch ein Vertreter der Kärntner Slowenen als dieser Feier teil.
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