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MI | 11.04.2012
Auschwitz Gedenktafel (Bild: dpa/Martin Schutt)
KULTUR
Stakkato des Grauens im "Tanzcafe Treblinka"
2001 wurde am Stadttheater Klagenfurt Werner Koflers "Tanzcafe Treblinka" uraufgeführt. Jetzt feierte das Stück über den an der Judenvernichtung beteiltigten SS-Mann Ernst Lerch, der in Klagenfurt das beliebte "Tanzcafe Lerch" leitete, in Wien Premiere.
KZ Auschwitz-Birkenau vor 65 Jahren befreit
Heute vor 65 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreit. Zeitzeugen gibt es immer weniger und auch die Täter sterben aus. 1997 etwa starb der als Mitarbeiter von Odilo Globocnik an der Judenvernichtung beteiligte ehemalige SS-Mann Ernst Lerch.

In Anlehnung an diese historische Figur schuf der Kärntner Autor Werner Kofler im Auftrag des Stadttheaters sein "Tanzcafé Treblinka". Das "Sprechstück mit Musik" wurde am Dienstag im Wiener Theater "Nestroyhof Hamakom" wieder aufgeführt.
Regen als Projektionsfläche für Geschichte
Musik gibt es in der minimalistischen Inszenierung von Frederic Lion keine, dafür Regen. Ein Regenvorhang dient als Projektionsfläche für historische Schwarz-Weiß-Filmausschnitte - von der "Kriegswinterzauberflöte" oder von NS-Aufmärschen.
83-jährige Erni Mangold in einer Hauptrolle.
SA, SS, Ernst Lerch - Who?
Erni Mangold, die an diesem Abend ihren 83. Geburtstag feiert, sitzt dahinter an einem Schreibtisch, blättert in einem Manuskript, das Erinnerungsalbum und Zeitgeschichtslexikon in einem ist. In rascher Folge entnimmt sie den Unterlagen Namen und Begriffe und schleudert sie dem Publikum ins Gesicht. Doch an "SA", "SS" oder "Aktion Reinhard" will sich das imaginäre Gegenüber ebenso wenig erinnern wie an die Filme "Hitlerjunge Quex" oder "SA-Mann Brandt" und an Namen wie Franz Stangl, Hans Albin Rauter, Kurt Franz oder eben Ernst Lerch schon gar nicht.
Kommandant: "Schöne Zeiten in Treblinka"
In den präsentierten Erinnerungen schwingt jene Anekdotenhaftigkeit mit, die man sich gut auf dem Ulrichsberg an anderen spezifischen Gedenkorten beheimatet vorstellen kann. Als Sprech-Stakkato gegen das Vergessen und Verdrängen ließe sich der 80-minütige Abend noch eindringlicher, unerbittlicher denken, doch jene Momente, die wirklich unter die Haut gehen, kommen aus der dem Schrecken innewohnenden Idylle.

Jene heiter erzählte Geschichte einer durch Verwesungsvorgänge buchstäblich überquellende Leichengrube etwa, oder der Titel des bei Kurt Franz gefundenen Fotoalbums über seine Zeit als Treblinka-Kommandant: "Schöne Zeiten".
Die Jungen kümmert nicht, was war
Nach zwei Dritteln übernimmt dann Hanno Koffler. Als Vertreter der jungen Generation, die mehr an Beachvolleyball als an der Geschichte interessiert ist, stellt er sich in den Regen und hat auf die Liste des Schreckens nur einsilbige Antworten, die ein Nachdenken gar nicht zulassen: "Nicht bekannt!", "Nie gehört!". Und "selbst wenn": "Schnee vom vergangenen Jahrtausend."

Die eine zimmert sich ihre eigene Geschichtslüge über die selbst erlebte "entbehrungsreiche Zeit" zurecht, der andere will am liebsten von alledem gar nichts hören, weder die Wahrheit noch die Lüge. Wohl niemand kann ernsthaft behaupten, dass dieser Befund von "Tanzcafé Treblinka" heute nicht mehr aktuell ist.
Information
Tanzcafé Treblinka" von Werner Kofler, Eine Produktion von Theater "Nestroyhof Hamakom", Wien 2, Nestroyplatz 1, Nächste Vorstellungen: 27.- 30. Jänner, 2.- 4. Februar, 20.00 Uhr.
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