Kärnten ORF.at
wetter.ORF.at
DI | 14.02.2012
AvW-Zentrale in Krumpendorf (Bild: ORF)
Firmensitz AvW
WIRTSCHAFT
AvW-Group hofft auf Landeshilfe
Heftige Diskussionen gab es Mittwochabend bei einer Anlegerversammlung der Kärntner AvW-Group. Die Anwälte der Geschädigten fordern den Konkurs der Gruppe, bei AvW hofft man hingegen auf eine Unterstützung des Landes.
70 Anleger hatten sich versammelt.
Anlegeranwälte wollen Schließung von AvW
Die Anlageranwälte Andreas Pascher und Werner Schostal - sie hatten zu der Veranstaltung in unmittelbarer Nähe zum AvW-Firmensitz geladen - bekräftigten ihre Forderung nach einer Betriebsschließung und der Verwertung der Immobilien des angeschlagenen Finanzdienstleisters.

Pascher: "Einstellung des Betriebs, Reduzierung des Betriebsaufwandes, die sofortige Immobilienverwertung und Beteiligungen lassen und auf eine Besserung beim Kapitalmarkt warten."

AvW-Vorstandsmitglied Arnulf Komposch widersprach heftig, musste sich aber auch heftige Kritik von rund 70 versammelten Anlegern gefallen lassen.
Anwälte wollen Firmenvermögen zu Geld machen.
Immobilien sollen veräußert werden
"Es ist wichtig, dass der Betrieb nicht fortgeführt wird", sagte Pascher. Der Immobilienbesitz der Firma - er ist laut Angaben der AvW etwa zehn Millionen Euro wert - müsse rasch veräußert werden, die Beteiligungen der AvW müssten wegen der aktuellen Finanzkrise allerdings gehalten werden, meinte der Jurist.
12.000 Genussschein-Besitzer
Die Anwälte vertreten rund 300 angeblich Geschädigte, jeder zweite von ihnen ein Kärntner. Insgesamt sollen 12.000 Personen auf ihren Genussscheine sitzen geblieben sein. Sie warten darauf, bis die Krumpendorfer Firma die Papiere wieder handelt. 152.000 Genussscheine gab das Unternehmen aus, im Oktober 2008 wurde der Wert eines Scheins mit 3.275 Euro angegeben. Geschätzte 300 Millionen Euro sollen so hereingekommen sein, mit denen sich das Unternehmen dann an anderen Firmen beteiligte.

Doch im Herbst gab es zwei große Einschnitte: einerseits die Börsenkrise und andererseits ein angeblicher Betrugsfall im Unternehmen selbst. Behaupteter Schaden: 50 Millionen Euro. Die Folge: Firmenchef Wolfgang Auer-Welsbach - viele kennen ihn noch unter seinem Jugendnamen Wolfgang Schurian - zog die Notbremse. Der Rückkauf der Genussscheinen wurde eingestellt, wann er wieder aufgenommen wird, steht nicht fest.
Arnulf Komposch (Archivbild: ORF)
Komposch sieht die Krise in zwei, drei Jahren überwunden.
Konkurs kommt für AvW nicht in Frage
Ein Konkurs kommt für die AvW nicht in Frage. Sprecher Arnulf Komposch, einst Polizeijurist und Kripochef in Villach, dann Beamter im Sozialministerium und seit Februar Vorstandsmitglied der AvW-Gesellschaften mit (laut eigenen Angaben) einem Monatsbezug von 13.000 Euro, versuchte die aufgebrachten Genussschein-Eigner zu beruhigen.

Die AvW sei derzeit rund 100 Mio. Euro wert, erklärte Komposch. Vor Ausbruch der Krise waren es noch etwa 500 Mio. Euro. Komposch zeigte sich zuversichtlich, dass die Firma das aktuelle Tief in "zwei bis drei" Jahren überwinden könne.

Auch die Avw-Anwälte lehnen den Konkurs strikt ab: Die Forderung sei grotesk. Einerseits werde mehr Tranparenz gefordert, auf der anderen Seite solle das Unternehmen geschlossen werden. Zudem arbeite AvW im Dienste der Anleger daran, von Banken Schadenersatz zu bekommen.
"Land sollte ein Interesse haben"
Wenn alle Probleme gemeistert seien, würden die Papiere wieder gehandelt, versicherte er. Wann dies der Fall sein werde, konnte er nicht sagen. Bis dahin hofft Komposch auf die Mithilfe des Steuerzahlers. Er will Finanzreferent Harald Dobernig (BZÖ) zu einer Landeshaftung bewegen.

Komposch: "Wir hoffen, vom Land in irgendeiner Form eine Unterstützung zu bekommen, in Form einer Haftung, die wir natürlich mit Wertpapieren abdecken, oder auch als Kredit und wie auch immer. Da über 1.200 Kärntner zu unseren Kunden gehören und die momentan einen Verlust von 27 Millionen Euro haben, denke ich, dass es für das Land von Interesse wäre, uns eine Unterstützung zu geben. Wie gesagt, nicht gratis, sondern bedeckt, um uns über die erste schwierige Zeit hinwegzukommen."

Anleger-Anwalt Pascher bezweifelt, dass sich das Land zu einer Haftung breit schlagen lässt.
Haben Kontrollen versagt?
Zuallererst müsse auch das Verfahren gegen einen ehemaligen Prokuristen der AvW abgewartet werden, der nach Komposchs Meinung die Hauptschuld an der Misere trägt. "Es ist derzeit seitens der Anleger derzeit kontraproduktiv Zivilprozesse zu führen", meinte Komposch. Wer das tue, schädige das Unternehmen und damit letztlich auch die Genussscheinbesitzer.

Diese Argumente ließen die Anlegeranwälten allerdings nicht gelten. Sollte tatsächlich besagter Prokurist die Schuld an der Misere haben, hätte das innere Kontrollsystem der AvW kläglich versagt, meinte Rechtsanwalt Schostal.
AvW hätte laut Anlegern versprochen, Genussscheine zurückzukaufen.
Anleger fühlen sich betrogen
Auch die versammelten Anleger zogen mit Komposch hart ins Gericht. Viele fühlen sich betrogen, da ihnen ihrer Meinung nach versprochen worden war, dass die AvW Genussscheine garantiert jederzeit zurückgekauft würde, was letztendlich jedoch nicht geschehen war.

Für besonderen Unmut sorgte die Information, dass die angeschlagene Firma monatlich noch immer 1,4 Mio. Euro an Betriebsaufwand verbucht, was von Komposch allerdings bestritten wurde.
AvW: Aufwendungen von 150.000 Euro
In einer Aussendung nahm AvW am Donnerstag Stellung zu den von den Anlegeranwälten Schostal und Pascher angeführten monatlichen Aufwendungen von angeblich 1,4 Millionen Euro. AvW: "Von den Anlegeranwälten wurde der AvW-Geschäftsbericht bewusst falsch interpretiert. Die tatsächlichen monatlichen Aufwendungen betrugen im Jahr 2008 rund 300.000 Euro. Im Zuge der durchgeführten Einsparungen ergibt sich ein monatlicher Aufwand für 2009 von rund 150.000 Euro. Dieser Betrag liegt im Interesse der AvW-Anleger weit unter dem branchenüblichen Durchschnitt."
SPÖ: Keine Haftungsübernahmen für AvW
"Als Unverfrorenheit" bezeichnet LR Peter Kaiser (SPÖ), die AvW-Forderung nach einer Haftungsübernahme des Landes: "Da versprechen die AvW-Verantwortlichen das Blaue vom Himmel herunter. Und jetzt, wo ihr ganzes Luftschloss zusammenbricht, wollen sie, dass die Kärntner Steuerzahler den Karren mit einer millionenschweren Haftungsübernahme aus dem Dreck ziehen", zeigt sich Kaiser empört. Er verlange jedenfalls eine eindeutige Absage seitens der BZÖVP-Koalition an diesbezügliche Wunschvorstellungen.
Ganz Österreich
Kärnten News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News