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MO | 13.02.2012
Begräbnis Karl Friedrich Flick (Bild: ORF - Karl Schrott)
CHRONIK
Leichnam von Milliardär Flick gestohlen
Der Sarg mit dem Leichnam des vor zwei Jahren verstorbenen Milliardärs Friedrich Karl Flick ist vom Friedhof Velden gestohlen worden. Ob möglicherweise Lösegeldforderungen der Hintergrund sind, steht noch nicht fest.
Sarg und Leiche von Friedrich Karl Flick gestohlen (Bild: APA/Gert Eggenberger)
Das Mausoleum von Friedrich Karl Flick.
Noch keine konkreten Anhaltspunkte
Das Mausoleum wurde vermutlich vergangenes Wochenende geschändet. Polizeipressesprecher Gottlieb Türk erklärte im Radio-Kärnten-Abendjournal, das Landeskriminalamt ermittle auf Hochtouren in alle Richtungen. Konkrete Anhaltspunkte gebe es vorerst aber nicht.

Die Ermittler wollten auch die Möglichkeit einer Erpressung nicht ausschließen. Offiziell gab es zum Stand der Ermittlungen keinerlei Auskünfte. Bis Mittwochabend waren jedenfalls keine finanziellen Forderungen eingelangt.
Auf dem Grab des Verstorbenen fehlen zwei Ziffern des Todesjahres.
Zeuge bemerkte beschädigte Granitplatten
Außer ein paar Kratzern am Granitstein gibt es keinerlei Spuren. Die Beschädigungen an den Platten, die in dem Mausoleum den Sarg abdecken, waren aber Anlass für eine genauere Untersuchung der Grabstätte. Diese waren von einem Zeugen bei der Polizei angezeigt worden. Eine Überprüfung ergab, dass der Sarg verschwunden war.
Sarg und Leiche von Friedrich Karl Flick gestohlen (Bild: APA/Gert Eggenberger)
Zwei Ziffern des Todesdatums vom Grabstein wurden abgerissen.
Granitplatten wiegen einige 100 Kilogramm.
Ermittler gehen von mehreren Tätern aus
Die Ermittler gehen von mehreren Tätern aus, da die Granitplatten einige 100 Kilogramm schwer sind. Der Sarg mit den sterblichen Überresten Flicks dürfte mit einem Lkw weggebracht worden sein, Augenzeugen gibt es jedoch nicht.
Begräbnis von Friedrich Karl Flick am Ortsfriedhof in Velden (Bild: APA/Gert Eggenberger) Störung der Totenruhe und Sachbeschädigung
Strafrechtlich handle es sich bei dem Delikt um Störung der Totenruhe, aber auch um schwere Sachbeschädigung, erklärte der Leiter der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, Gottfried Kranz, auf Anfrage der APA. Bei Störung der Totenruhe liegt die Höchststrafe bei sechs Monaten Haft, bei schwerer Sachbeschädigung beträgt sie zwei Jahre, wenn der Schaden unter 50.000 Euro liegt. Bei höherem Schaden erweitert sich der Strafrahmen auf fünf Jahre Haft.
Begräbnis von Friedrich Karl Flick am Ortsfriedhof in Velden (Bild: APA/Gert Eggenberger)
Die Grabstätte von Friedrich Karl Flick auf dem Ortsfriedhof in Velden beim Begräbnis 2006.
Karl und Ingrid Flick am Opernball 1997 (Bild: dpa/Votava)
Karl und Ingrid Flick am Opernball 1991.
Wahlheimat Kärnten
Flick hatte Kärnten zu seiner Wahlheimat erkoren, im Jänner 1991 heiratete er die aus dem Lavanttal stammende Ingrid Ragger. Im Dezember 1991 war der Bruder seiner Frau entführt worden, mehr als fünf Millionen Euro Lösegeld wurden gefordert. Die Entführung endete unblutig, die Täter wurden verhaftet und verurteilt.

Der Milliardär kaufte sich am Südufer des Wörthersees eine Villa, die er zu einer veritablen Festung ausbauen ließ. Er war auch stets in Angst vor weiteren Entführungen, seine Kinder wurden von Leibwächtern zur Schule begleitet.
Flick starb 2006 nach schwerer Krankheit.
Kinder erbten sechs Milliarden Euro
Flick war am 5. Oktober 2006 in seiner Villa am Südufer des Wörthersees nach schwerer Krankheit im 79. Lebensjahr verstorben. Er hinterließ seine Frau und vier Kinder. Die vier Kinder erbten das auf fünf bis sechs Milliarden Euro geschätzte Vermögen zu gleichen Teilen.
Flick erbte Industrieimperium.
Sieben Jahre Haft wegen NS-Verstrickung
Das Vermögen der Familie trug Vater Friedrich Flick (1883 - 1972) zusammen: Die Erfolgsgeschichte der Familie begann in der Weimarer Zeit und endete zunächst vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal, das ihn wegen seiner NS-Verstrickung zu einer sieben Jahre langen Gefängnisstrafe verurteilte. Nach seiner Begnadigung nach drei Jahren Haft ordnete Flick das Imperium neu.

Friedrich Karl trat 1957 in das Unternehmen ein. Nach dem Tod des Vaters erbte er 1972 das Industrieimperium. Sein älterer Bruder Otto-Ernst war 1966 nach Streitigkeiten mit dem Vater aus dem Konzern ausgeschieden.
Rückzug ins Privatleben
Mit 43.000 Beschäftigten erzielte die Flick-Gruppe 1984 weltweit einen Umsatz von 22 Milliarden D-Mark, umgerechnet elf Milliarden Euro. Ein Jahr später trennte sich Flick von seinem Imperium und verkaufte die Firmengruppe für rund 5,4 Milliarden Mark an die Deutsche Bank.

Anschließend zog er sich ins Privatleben nach Österreich zurück. Erst Mitte der 90er Jahre verlegte Flick seine Vermögensverwaltung von Düsseldorf nach Wien. Er sparte damit viel an Steuern, dem deutschen Fiskus entgingen dagegen Hunderte von Steuermillionen.
"Flick-Affäre"
In die deutsche Nachkriegsgeschichte ging die "Flick-Affäre", ein Parteispendenskandal, ein: Für 1,9 Milliarden Mark verkaufte Flick Daimler-Anteile an die Deutsche Bank und musste wegen einer Genehmigung durch das deutsche Wirtschaftsministeriums für die dabei erzielten Gewinne keine Steuern zahlen. In den Folgejahren wurde bekannt, dass Flick am Finanzamt vorbei an CDU und CSU 15 Millionen, die FDP 6,5 Millionen und die SPD 4,3 Millionen Mark gespendet hatte.

Der damalige Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff (FDP) musste gehen, der ebenfalls belastete Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) kam dagegen ungeschoren davon.
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